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MALINA

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von Werner Schroeter

Note: 7.5

Werner Schroeter hat mit Malina einen unglaublich aktuellen Spielfilm gedreht, der nicht nur das Patriarchat, sondern auch die gesamte, so hinterhältig heuchlerische Gesellschaft angreift. Ein stilistisch feiner Spielfilm, der all den außergewöhnlichen Frauen, die daran mitgearbeitet haben, huldigt. Auf dem K3 Film Festival 2023, als Hommage an Libgart Schwarz und Ingeborg Bachmann.

Die Liebe einer Schriftstellerin

Was würde passieren, wenn sich zwei Persönlichkeiten wie Ingeborg Bachmann und Elfriede Jelinek (virtuell) treffen würden, um etwas für die Kinoleinwand zu schreiben? Bald gesagt. 1973 schrieb Bachmann Malina, ihren ersten Roman, in dem über die Geschichte einer Dreiecksbeziehung weitaus heiklere und aktuellere Themen behandelt werden. Gut. 1991 wurde Malina verfilmt, wobei Elfriede Jelinek das Drehbuch schrieb und Werner Schroeter die Regie übernahm. Mit der großartigen Isabelle Huppert in der Hauptrolle fand der Roman auch auf der Kinoleinwand seine Erfüllung und wurde, nachdem der Film zahlreiche internationale Preise gewonnen hatte, am letzten Abend des K3 Film Festivals 2023 als Hommage an Bachmann und die Schauspielerin Libgart Schwarz, die bei der Vorführung anwesend war, präsentiert.

Die Protagonistin des Films ist also eine erfolgreiche Philosophin und Schriftstellerin (eben Huppert), deren Namen wir nicht kennen. Die Frau ist ständig hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu zwei Männern: Ivan (gespielt von Can Togay), ihrer unmöglichen Liebe, die sie immer wieder verlässt, wenn sie seine Nähe braucht, und Malina (Mathieu Carrière), einer eher zweideutigen und geheimnisvollen Figur, die sogar eine Art männliches Alter Ego von ihr darstellen könnte.

Werner Schroeter hat sich daher bei der Inszenierung der inneren Konflikte der Protagonistin für einen eher komplexen und vielschichtigen Regieansatz entschieden. In der Tat entwickelt sich alles auf mehreren Ebenen: Die Frau trifft ihre beiden Liebhaber. Alles scheint sich (fast) linear zu entwickeln, in ihrer Wohnung oder in einem Café. Doch im Laufe der Inszenierung werden wir selbst zu „Gefangenen“ der inneren Welt der Protagonistin und wissen nicht mehr, was real ist und was stattdessen Teil ihrer Fantasie ist. Traum und Wirklichkeit sowie Vergangenheit und Gegenwart treffen aufeinander, verschmelzen und vermischen sich wieder und wieder. Und langsam entsteht ein deutliches und gnadenloses Porträt, nicht nur der Welt, in der wir leben, sondern auch der Situation der Frauen in einer skrupellosen Gesellschaft.

Der Vater der Protagonistin (gespielt von Fritz Schediwy) steht mit seiner Tyrannei für etwas traurig aktuelles und universelles. Hunderte von Briefen, die im Laufe der Jahre geschrieben und nie abgeschickt wurden, scheinen ihre Empfänger nie zu erreichen. Feuer kann schnell alles auslöschen (interessanterweise starb Ingeborg Bachmann selbst bei einem Brand in ihrem Haus in Rom). Werner Schroeter hat all diese Elemente meisterhaft behandelt, wodurch sein Malina ein unglaublich aktueller Spielfilm ist, der nicht nur das Patriarchat angreift, sondern auch die ganze Gesellschaft, die so hinterhältig heuchlerisch ist. Ein stilistisch feiner Spielfilm, der all den außergewöhnlichen Frauen, die daran mitgearbeitet haben, huldigt.

Titel: Malina
Regie: Werner Schroeter
Land/Jahr: Deutschland, Österreich / 1991
Laufzeit: 125’
Genre: Drama
Cast: Isabelle Huppert, Mathieu Carrière, Can Togay, Lisa Kreuzer, Fritz Schediwy, Isolde Barth, Libgart Schwarz, Elisabeth Krejcir, Peter Kern, Jenny Drivala, Wiebke Frost, Lolita Chammah, David Philipp Kotai, David Salomonowitz, Andre Mueller, Kinskim Idl Graf, Gerhild Didusch, Sabine Schmeller, Bernd Stegemann, Haymon Maria Buttinger
Buch: Elfriede Jelinek, Patricia Moraz
Kamera: Elfi Mikesch
Produktion: Kuchenreuther Filmproduktion, Neue Studio Film, ZDF

Info: Die Seite von Malina auf iMDb; Die Seite von Malina auf der Webseite vom K3 Film Festival; Die Seite von Malina auf der Webseite der Austrian Film Commission