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RETTL SICH WER KANN

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von Jaqueline Rauter und Jo Cazzee

Note: 6.5

Rettl sich wer kann zeichnet sich durch sein lebendiges Tempo und seine ausgeprägte, angenehme Ironie und Selbstironie aus. Ständige Musik begleitet uns auf dieser bizarren und originellen Reise und macht zusammen mit alten Fotos, Interviews mit den Firmeninhabern und Archivmaterial dieses besondere Erlebnis besonders lebhaft und fröhlich. Auf dem K3 Film Festival 2023.

In Österreich früher als in Schottland

Jeder weiß, dass der Kilt ein traditionelles schottisches Kleidungsstück ist. Aber was wäre, wenn das nicht so wäre? Was wäre, wenn der Kilt, lange bevor er Teil der schottischen Tradition wurde, sogar in einer anderen Nation erfunden wurde? Es scheint also, dass bereits die Kelten Mitteleuropas Österreich durchwandert haben, bevor sie endgültig nach Schottland zogen. Ein im Naturhistorischen Museum in Wien aufbewahrtes Originalstück eines Tartans könnte ebenfalls bestätigen, dass sich der Kilt zuerst in Österreich und dann in Schottland verbreitet hat. Das behauptet auch Thomas Rettl, Inhaber der Textilfirma Rettl in Villach, die seit 1868 aus dem berühmten Stoff Kleidung für alle herstellt. Die Geschichte dieses legendären Unternehmens wird daher in dem Dokumentarfilm Rettl sich wer kann von Jacqueline Rauter gemeinsam mit Jo Cazzee erstmals filmisch erzählt und im Rahmen des Programms des K3 Film Festivals 2023 präsentiert.

In Rettl sich wer kann erfahren wir also die Geschichte des legendären Textilunternehmens von seinen Anfängen gegen Ende des 19. Jahrhunderts an und lernen auch mehr über die Familie, mit der alles begann. Parallel dazu erzählen uns viele farbenfrohe Bilder auf einer Reise in verschiedene Ecken der Welt die Geschichte der Textilien, zeigen uns, wie sie von Zeit zu Zeit verwendet und konzipiert werden und was sie in der kollektiven Vorstellung darstellen.

Rettl sich wer kann fällt daher sofort durch sein besonders lebendiges Tempo und seine ausgeprägte, angenehme Ironie und Selbstironie auf. Ständige Musik begleitet uns auf dieser bizarren und originellen Reise und macht zusammen mit alten Fotos, Interviews mit den Firmeninhabern und Aufnahmen von Veranstaltungen und Konzerten dieses besondere Erlebnis auf der Kinoleinwand besonders lebendig und fröhlich.

Wir sind uns einig: Rettl sich wer kann ist manchmal ein wenig naiv in seiner Inszenierung und mit reinem Fernsehcharakter. Aber das ist in Ordnung. Auf jeden Fall ist eine besonders originelle Inszenierung, die dezidiert „frei“ von möglichen Klischees ist, genau die richtige Lösung, um eine ungewöhnliche Geschichte zu erzählen, die außerhalb Österreichs kaum jemand kennt, die aber für die Stadt Villach und ganz Kärnten so viel Bedeutung hatte und hat.

Aber nochmals: Wo ist der Kilt eigentlich entstanden? In Österreich oder in Schottland? Was in Rettl sich wer kann erzählt wird, lässt daran keinen Zweifel. Und wir alle sind irgendwie stolz auf dieses kleine, bedeutende Textilunternehmen, das seit hundertfünfundfünfzig Jahren Österreich stolz macht.

Titel: Rettl sich wer kann
Regie: Jaqueline Rauter, Jo Cazzee
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 60’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Jaqueline Rauter
Kamera: Jo Cazzee
Produktion: Melanie Schmidt

Info: Die Seite von Rettl sich wer kann auf der Webseite vom K3 Film Festival