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MARIA VON HERBERT

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von Christian Brandstaetter, Violetta Stuchlik, Pia Telebuh und Barbara Schlesinger Gomez

Note: 7

Maria von Herbert basiert fast ausschließlich auf den Originalbriefen zwischen der Kärntner Philosophin und Immanuel Kant sowie zwischen ihnen und allen, die an der komplexen Diskussion teilgenommen haben, die sich daraus ergab. Im Mittelpunkt stehen stets die Worte im Off. Feine Bilder, die genau in der großen Villa, die einst Sitz des Herbertkreises war, gedreht wurden, nehmen uns an die Hand und führen uns in die Welt der Protagonistin. Auf dem K3 Film Festival 2023.

Die Leiden der jungen Maria

Nur wenige Menschen kennen heute den Namen Maria von Herbert. Und doch war sie eine Figur von großer Bedeutung für die Geschichte Kärntens (und darüber hinaus). Maria von Herbert war nämlich die erste feministische Philosophin Kärntens und hat zur Zeit der Französischen Revolution auch viele Briefe an Immanuel Kant geschrieben. Deshalb haben die Regisseur:innen Christian Brandstätter, Violetta Stuchlik, Pia Telebuh und Barbara Schlesinger Gomez mit ihrem Kurzfilm Maria von Herbert, der im Rahmen des Programms des K3 Film Festivals 2023 präsentiert wurde, einen Teil ihres Lebens und insbesondere ihre Freundschaft mit Kant nachgezeichnet.

Maria (gespielt von Judith Thaler) ist zweiundzwanzig Jahre alt und besucht zusammen mit ihrem Bruder Franz Paul den Herbertkreis, einen renommierten Kärntner Philosophenkreis mit vielen weiblichen Mitgliedern. Nach einer unglücklichen Liebesbeziehung beschließt Maria, ihrem Idol Immanuel Kant zu schreiben, der inzwischen siebenundsechzig Jahre alt ist und viel pragmatischer und rationalistischer ist als sie. Ihre Korrespondenz stammt aus dem historischen Zeitraum zwischen 1791 und 1803.

Maria von Herbert ist in vier Akte unterteilt und basiert fast ausschließlich auf den Originalbriefen zwischen den beiden Protagonist:innen und zwischen ihnen und allen, die an der komplexen und niemals banalen Diskussion, die sich daraus ergab, teilnahmen. Die Texte (die ausschließlich im Off gesprochen werden) stehen ständig im Mittelpunkt. Währenddessen nehmen uns feine Bilder, die genau in der großen Villa, die einst Sitz des Herbertkreises war, gefilmt wurden, an der Hand in Marias Welt und lassen uns unmittelbar an ihrem Alltag teilnehmen.

Die Filmemacher:innen ihrerseits haben sich für einen besonders kontemplativen Ansatz entschieden, bei dem die Komplexität philosophischer Überlegungen mit der Ruhe einer großen Villa inmitten der Natur sowie mit einem einsamen Spaziergang am See kombiniert wird. Und so kommt auch das Element des Wassers ins Spiel. Wasser als Symbol für Tod und Wiedergeburt. Indem man ins Wasser eintaucht, kann man sein altes Ich für immer verlassen und mit einem neuen, wichtigen Bewusstsein wieder zu leben beginnen.

Und so zeichnet sich auch Maria von Herbert durch eine außergewöhnliche visuelle Sorgfalt aus. Die Bilder sprechen einfach für sich selbst und folgen parallel dem inneren Wachstum der Protagonistin, bis hin zur ersehnten Befreiung. Ein kleines, aber äußerst wichtiges Kapitel der Kärntner Geschichte wird auf der Kinoleinwand wieder zum Leben erweckt. Eine Hymne auf den Wert der Frauen und die Geschichte eines langen Weges, der vor vielen, vielen Jahren begann und sich auch heute noch als außerordentlich aktuell erweist. Eine äußerst heikle und persönliche Geschichte, die sofort eine universelle Bedeutung erlangt.

Titel: Maria von Herbert
Regie: Christian Brandstaetter, Violetta Stuchlik, Pia Telebuh, Barbara Schlesinger Gomez
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 17’
Genre: Drama
Cast: Judith Thaler
Buch: Christian Brandstaetter, Violetta Stuchlik, Pia Telebuh, Barbara Schlesinger Gomez
Kamera: Christian Brandstaetter, Violetta Stuchlik, Pia Telebuh, Barbara Schlesinger Gomez
Produktion: Christian Brandstaetter, Violetta Stuchlik, Pia Telebuh, Barbara Schlesinger Gomez

Info: Die Seite von Maria von Herbert auf der Webseite vom K3 Film Festival