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ZU BESUCH

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von Martin Weiss

Note: 7

Zu Besuch ist eine zarte und heikle Geschichte, eine Geschichte, die jeden von uns betreffen könnte und die durch ihre ehrliche Einfachheit auf der Kinoleinwand ihre Erfüllung findet. Auf dem K3 Film Festival 2023.

Unerwartete Wendungen

Zwei Schwestern, die sich schon lange nicht mehr gesehen haben. Eine Performance, die wahrscheinlich von niemandem geschätzt wird. Zeitgenössische Kunst wird, wie wir wissen, nicht immer richtig verstanden. Ein missglückter Abend, der aber auch unerwartet angenehme Wendungen nehmen kann. All das hat der Kärntner Regisseur Martin Weiss in seinem Kurzfilm Zu Besuch inszeniert, der als Kärntenpremiere im Wettbewerb des K3 Film Festivals 2023 präsentiert wurde.

In Zu Besuchwird daher die Geschichte von Julia (gespielt von der Schauspielerin und Kabarettistin Elena Wolff) inszeniert, die beschließt, ihrer Schwester Johanna (Thea Ehre, ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären für die Beste Nebendarstellerin bei der Berlinale 2023 für Christoph Hochhäuslers Bis ans Ende der Nacht ) einen Überraschungsbesuch abzustatten. Johanna ist eine Künstlerin, die einen Abend organisiert hat, an dem sie auftreten wird. Sie hat einige ihrer Freund:innen und Bekannten eingeladen und auch ein kleines Konzert ist nach der Vorstellung geplant. Doch kaum jemandem scheint ihre Performance gefallen zu haben. Der Abend droht ein Desaster zu werden. Aber was, wenn dies die richtige Gelegenheit für die Schwestern ist, endlich wieder zueinander zu finden?

Fast kahle Räume, eine Performance, die von Anfang an ein starkes Gefühl des Unbehagens vermittelt, kalte Beleuchtung und zunächst keine Musik. Julia fühlt sich unwohl, aber nicht wegen der Performance, der sie beiwohnt. Nein. Was sie beunruhigt, ist in Wirklichkeit das Treffen mit ihrer Schwester selbst. Martin Weiss ist es in Zu Besuch also gelungen, all dies mit einem ausgesprochen einfachen und direkten Regieansatz zu inszenieren, was sich jedoch als die richtige Lösung erwies, um gerade den beiden magnetischen Protagonistinnen die maximale Aufmerksamkeit widmen zu können.

Die Gesichtsausdrücke von Elena Wolff und Thea Ehre sagen mehr als tausend Worte. Die Kamera des Regisseurs fokussiert sich auf sie, so dass wir uns sofort als Teil dieser entfremdeten Welt fühlen und sogar den Eindruck haben, die beiden Frauen schon seit langem zu kennen. Zu Besuch ist eine zarte und heikle Geschichte, eine Geschichte, die jeden von uns betreffen könnte und die durch ihre ehrliche Einfachheit auf der Kinoleinwand ihre Erfüllung findet. Die menschlichen Gefühle stehen im Vordergrund. Der Regisseur weiß das sehr gut.

Und so werden wir in nur elf Minuten Zeuge einer tiefgründigen und niemals banalen Analyse menschlicher und familiärer Beziehungen in einem Kontext, in dem es oft sehr leicht ist, sich unwohl zu fühlen. Zeitgenössische Kunst ist, wie wir wissen, oft kompliziert zu verstehen und zu schätzen. Menschliche Beziehungen können jedoch noch komplizierter sein, aber wenn man schließlich eine gemeinsame Basis findet, können sie uns sehr, sehr gut fühlen lassen. So wie ein befreiender Tanz in einem fast leeren Club.

Titel: Zu Besuch
Regie: Martin Weiss
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 11’
Genre: Drama
Cast: Thea Ehre, Elena Wolff, Tilman Tuppy, Aurelio Ghirardelli, Sven Langkabel
Buch: Martin Weiss
Kamera: Xavier Pawlowski
Produktion: Lidija-Rukiye Kumpas, Boris Mijatovic

Info: Die Seite von Zu Besuch auf der Webseite vom K3 Film Festival 2023; Die Seite von Zu Besuch auf der Webseite der Filmakademie Wien