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EINBLICK INS PARADIES

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von Horst Leonhard Ebner

Note: 7.5

Gemälde, Skulpturen, aber auch ganz ungewöhnliche Objekte, die der Künstler Cornelius Kolig geschaffen hat, bereichern den Dokumentarfilm Einblick ins Paradies mit leuchtenden Farben und ihren oft höchst provokanten Formen. Auf dem K3 Film Festival 2023.

Ein kleines Paradies im Herzen Kärntens

Der Künstler Cornelius Kolig (1942 – 2022), Enkel des verstorbenen expressionistischen Malers Anton Kolig, wurde während seiner langen und bemerkenswerten Karriere stets schlecht behandelt. Das liegt an den Objekten, die er geschaffen hat, und an den Themen, mit denen er sich beschäftigt hat, die immer sehr provokativ und kritisch gegenüber einem System waren, das schon viel zu lange existiert. Dennoch kann man sein großes Talent und seinen Witz im Umgang mit der Realität, in der wir leben, nicht übersehen. Der Regisseur und Journalist Horst Leohnard Ebner hat ihn daher mit seinem Dokumentarfilm Einblick ins Paradies gewürdigt, der nur wenige Monate vor Koligs Tod entstanden ist und im Programm des K3 Film Festivals 2023 präsentiert wurde.

Eine Drohne fliegt bei Sonnenuntergang über die Kärntner Berge. Allmählich nähert sie sich dem Boden und inmitten der Natur erblicken wir ein kleines Landgut. Dies ist also das Zuhause, aber auch die Werkstatt von Cornelius Kolig, der uns in diesem kleinen Paradies, in dem die Zeit stillzustehen scheint, willkommen heißt. Cornelius Kolig spricht vor Ebners Kamera über sich selbst und erzählt uns von seiner Vergangenheit, seiner Familie, seiner Kunst. Die Nahaufnahmen des Gesichts des Protagonisten lassen ein nicht immer einfaches Leben erahnen. Doch seine stets aufmerksamen Augen zeugen von großer Sensibilität und Intelligenz.

In Einblick ins Paradies hat sich Horst Leonhard Ebner für einen rein klassischen und linearen Regieansatz entschieden und lässt Kolig einfach seine Geschichte dem Publikum erzählen. Nur ab und zu sehen wir Schwarz-Weiß-Fotos (die für diesen Anlass in 3D nachbearbeitet wurden), die uns den Protagonisten als Kind zusammen mit seiner Familie zeigen. Vergangenheit und Gegenwart treffen immer wieder aufeinander. Die Vergangenheit ist nie ganz tot. Und oft sind ihre Spuren auch in der Gegenwart noch deutlich zu spüren.

Und dann sind da natürlich die Werke von Cornelius Kolig. Gemälde, Skulpturen, aber auch ganz ungewöhnliche Objekte bereichern mit leuchtenden Farben und ihren oft stark provozierenden Formen Einblick ins Paradies. Eine starke Erotik hat in Koligs Werken schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Und das sorgte seinerzeit auch für viel Skandal. Doch nach vielen Jahren wurde der Künstler endlich gewürdigt und in dieser kleinen, feinen Dokumentation von Horst Leonhard Ebner können wir endlich das wahre Wesen seiner Kunst verstehen.

In Einblick ins Paradies bedarf es keiner besonderen inszenatorischen Virtuosität oder Spezialeffekte, die exzessiv sein könnten. Der magnetische Protagonist und seine wertvollen Werke sprechen einfach für sich selbst und sind in der Lage, unsere Augen in etwa einer halben Stunde mit reiner Schönheit zu erfüllen. Einer präzisen elliptischen Struktur folgend, entfernt sich die Kamera langsam von Cornelius Königs kleinem Paradies und wir sehen seine einzigartige Welt noch einmal von oben. Der Dokumentarfilm ist zu Ende, aber die Schönheit dessen, was wir gerade gesehen haben, ist immer noch in unseren Augen. Die Kunst von Cornelius Konig ist nun verdientermaßen unsterblich.

Titel: Einblick ins Paradies
Regie: Horst Leonhard Ebner
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 32’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Horst Leonhard Ebner
Kamera: Gerhard Lapan
Produktion: ORF

Info: Die Seite von Einblick ins Paradies auf der Webseite vom K3 Film Festival