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INTERVIEW MIT FRITZ HOCK UND PIERA NODARI

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Anlässlich des K3 Film Festivals 2023 hatte Cinema Austriaco die Gelegenheit, sich mit Intendant und Gründer Fritz Hock und Co-Intendantin Piera Nodari zu unterhalten. Mit ihnen wurde über die aktuelle Ausgabe, die Wichtigkeit eines aktiven und kontinuierlichen Austauschs mit dem Publikum und über die Bedeutung von Filmfestivals im Allgemeinen gesprochen. Herausgegeben von Marina Pavido.

Marina Pavido: Könnt ihr uns etwas über diese Ausgabe des K3 Film Festivals erzählen?

Fritz Hock: Ausgehend von der Frage, ob es in dieser Welt, die sich scheinbar zum Schlechten hin entwickelt, noch Idole geben und Ideale Bestand haben können, ermöglicht das Überthema der heurigen Ausgabe „Ideale und Idole“ eine breite Palette an Interpretationen und Reflexionen. Das Programm erhebt dabei keineswegs den Anspruch, konkrete Antworten zu geben. Vielmehr sind die BesucherInnen eingeladen, sich auf Reflexionen in einen sehr weit gefassten Sinn einzulassen: Licht und Ton, Meinungen und Ideen, Interpretationen und Diskussionen. In diesem Widerhall kann eine Ahnung von Idealen und Idolen entstehen, um die bereichert man das Festival wieder verlässt.

Piera Nodari: Ja, und ich möchte noch sagen, dass wir im Allgemeinen eine Filmauswahl zusammengestellt haben, die die Vielfalt und die Reichhaltigkeit der Filme in den benachbarten Regionen Kärnten, Slowenien und Friaul-Julisch Venetien sehr gut widerspiegelt – so viele Genres innerhalb weniger Kilometer!

F. H.: Ausgehend von dem Thema „Ideale und Idole“ werden wir außerdem eine Vielzahl von Biografien und Dokumentarfilmen präsentieren und einem Genre Raum geben, das sehr wichtig und interessant, aber in den Kinos und auf den Festivals wenig präsent ist: Dem mittellangen Film.

M. P.: Wie reagiert die Stadt Villach auf das Festival?

F. H.: Die Resonanz in der Stadt Villach war äußerst positiv. Es gab eine starke Beteiligung der Einwohner:innen, zahlreiche Begleitveranstaltungen und die aktive Unterstützung durch städtische Organisationen und Institutionen. Die Stadt Villach war immer ein guter, verlässlicher Partner. Wie Villach und seine Bewohner:innen reagieren, bleibt abzuwarten. Das K3 Film Festival ist eine Kulturinstitution in der Stadt, aber nicht ganz so präsent, so gut angekommen, wie wir es uns wünschen würden. Natürlich fehlt uns auch ein studentisches Leben in der Stadt, es gibt auch keine ansässige Film-Branche, eine sehr kleine Schar von Cineasten, dennoch wird K3 getragen von den Einwohnern und die letzten Schritte um ganz in den Kulturkaon Villachs aufgenommen zu werden, diesen Schritt müssen wir als Festival schaffen.

P. N.: Ein Weg dorthin ist möglichst viele Kooperationen einzugehen, möglichst viele zu involvieren. Es liegt aber auch nicht nur an uns, auch die Stadt Villach muss abgesehen als Fördergeber, sich selber noch mehr und aktiver einbringen.

M. P.: Gehen wir in der Zeit zurück. Fritz, wie kam es zur Idee, das K3 Film Festival zu gründen?

F. H.: Die Idee zur Gründung des K3 Film Festivals entstand aus meiner Leidenschaft für Kurzfilme und dann aus dem Wunsch, eine kulturelle Brücke zwischen den Regionen Kärnten, Slowenien und Friaul-Julisch Venetien zu schlagen. Ich plante ein Festival, das die kulturelle Vielfalt durch die universelle Sprache des Kinos feiert.

P. N.: Es war eine ehrgeizige Idee, die sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und ihre eigene Besonderheit gefunden hat, die das K3 einzigartig macht: Neben den Kriterien, die sich ausschließlich auf die drei benachbarten Regionen beziehen, ist der andere Höhepunkt die öffentliche Diskussion zur Wahl des Gewinners des Publikumspreises beim K3. Jeder Zuschauer kann zum Juror werden und für seinen Lieblingsfilm kämpfen, immer ausgehend von den positiven Aspekten. So können auch die anwesenden Regisseur:innen verstehen, was die Zuschauer:innen von ihrem Film halten – jede Sichtweise ist einzigartig!

M. P.: Was sind die Hauptschwierigkeiten, wenn man ein solches Projekt starten will?

F. H.: Die Basis muss stimmen: Timing, Ausrichtung und Ort, alles andere folgt, ist harte Arbeit und verlangt Ausdauer.

P. N.: Die ständige Herausforderung besteht darin, das Festival interessant und präsent zu halten und es langsam aber kontinuierlich zu entwickeln. Wenn die Zeit für eine große Entscheidung kommt… muss man bereit sein.

M. P.: Wie wichtig sind Filmfestivals heute als politisches und kollektives Mittel, insbesondere in einer Zeit, in der Streaming-Plattformen zum Alltag gehören?

F. H.: Filmfestivals spielen eine entscheidende Rolle als Plattformen für kulturelle Vielfalt und künstlerischen Ausdruck. Sie sind Orte, an denen sich örtliche Geschichten mit globalen Geschichten vermischen können, was zu einem tieferen Verständnis der Herausforderungen und Freuden beiträgt, die wir als Gesellschaft teilen. Und vor allem gibt es nur auf Festivals einen zwischenmenschlichen Austausch, ein großer Vorteil gegenüber dem regulären Kino, oder besser dem Streaming.

P. N.: Ganz genau. In einer Zeit, in der Streaming-Plattformen immer präsenter sind, bieten Festivals ein kollektives Filmerlebnis, das den Austausch von Ideen fördert und neue kulturelle und berufliche Brücken schlägt.

M. P.: Eine letzte Frage: Was ist Film für euch?

F. H.: Für mich ist Film wie eine Gebärmutter, ein Raum in der Dunkelheit, wo man von neuen Empfindungen umgeben ist. Danach kommt man wie neu geboren heraus, man ist ein neuer Mensch, mit neuen Erfahrungen. Erst verliert man sich, dann findet man sich wieder. Das ist Film für mich.

P. N.: Ich bin völlig damit einverstanden. Film ist eine Erfahrung, die uns für ein paar Stunden in die Gedankenwelt eines Drehbuchautors und eines Regisseurs führt. Es ist eine universelle Sprache, die im Falle des Kurzfilms mit Innovation und Dynamik angereichert ist! Es handelt sich um ein Gesamtkunstwerk, das nur wenige Kunstformen schaffen können.

Info: Die Webseite des K3 Film Festivals