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EINE AUFREGENDE JAGD

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von Johann Schwarzer

Note: 6.5

Ironisch, witzig, angenehm heiter, schafft es Eine aufregende Jagd, auch den anspruchsvollsten Zuschauer zum Schmunzeln zu bringen, und schenkt uns mit seinem Schalk und seiner Regie-Naivität knappe fünf Minuten Unbeschwertheit.

Missgeschicke am See

Einer der wichtigsten Pioniere des österreichischen Films, der Regisseur und Fotograf Johann Schwarzer. Ihm (und seiner Saturn-Film) ist es zu verdanken, dass in Österreich zum ersten Mal Filme produziert und gedreht wurden, wenn auch einige Jahre später als im Rest der Welt. Trotzdem kennen heute nur noch wenige Menschen seinen Namen. Der Grund dafür ist schnell erklärt: Die Filme von Johann Schwarzer waren eigentlich erotische Kurzfilme, die trotz ihres leichten und ironischen Charakters sowohl von der Obrigkeit als auch von der Gesellschaft missbilligt wurden. So auch der Kurzfilm Eine aufregende Jagd, den Schwarzer 1906, im Gründungsjahr der Saturn-Film, drehte.

Die Geschichte, die in Eine aufregende Jagd inszeniert wurde, ist also sehr einfach, so wie bei jedem anderen Kurzfilm des Regisseurs auch. Zwei Frauen sitzen an einem See. Eine der beiden ist plötzlich allein und beschließt, sich auszuziehen und ein Bad zu nehmen. Als die andere Frau zum See zurückkehrt und auf Drängen ihres Mannes ihre Kleider vom Boden aufhebt und mitnimmt, weiß unsere Protagonistin nicht, was sie tun soll, und beginnt, durch den Wald zu laufen. Eine Gruppe von Menschen, die sie rennen sieht und nicht weiß, was passiert, beschließt, sie ihrerseits zu verfolgen. Wie wird die Frau es schaffen, sich zu „retten“?

Einige wenige, einfache Einstellungen reichen aus, um das Ganze in Szene zu setzen. Wenige, leichte Kamerabewegungen verleihen den vielen starren Einstellungen, in denen wir nicht einmal eine Nahaufnahme sehen, Dynamik. Johann Schwarzers Regieansatz ist eher rudimentär und wirkt fast anachronistisch, wenn man bedenkt, dass in der Zwischenzeit im Rest der Welt viele Fortschritte im Filmemachen selbst gemacht wurden. Trotzdem funktioniert Eine aufregende Jagd. Ironisch, witzig, angenehm heiter, schafft es der Film, auch den anspruchsvollsten Zuschauer zum Schmunzeln zu bringen, und schenkt uns mit seinem Schalk und seiner Regie-Naivität knappe fünf Minuten Unbeschwertheit.

Abgesehen von einigen Kurzfilmen, die vor allem in Wien von Kameraleuten für Produktionsfirmen vor allem aus Frankreich gedreht wurden, wurden vor 1906 in Österreich noch keine Filme gedreht. Eine aufregende Jagd ist daher einer der ersten Versuche in Österreich mit dieser neuen Kunstform und einer der wenigen Filme Schwarzers, die bis heute erhalten geblieben sind.

Ja, denn nachdem der Regisseur 1911 die Saturn-Film schließen musste, wurden alle seine Filme beschlagnahmt und viele sogar zerstört. Erst vor wenigen Jahren wurden einige der Filme wiederentdeckt und vom Filmarchiv Austria, das nun die Rechte hält, restauriert. Der Name Johann Schwarzer ist also nicht völlig in Vergessenheit geraten. Österreich kann noch immer sehen, was einer der Pioniere des österreichischen Films zu seiner Zeit geschaffen hat.

Titel: Eine aufregende Jagd
Regie: Johann Schwarzer
Land/Jahr: Österreich / 1906
Laufzeit: 5’
Genre: Filmkomödie, Erotikfilm
Buch: Johann Schwarzer
Kamera: Johann Schwarzer
Produktion: Saturn-Film

Info: Die Seite von Eine aufregende Jagd auf iMDb; Die Webseite vom Filmarchiv Austria