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DICHT HINTER DER TÜR

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von Mansur Madavi

Note: 8

Mansur Madavi hat es genossen, uns zu überraschen, zu verwirren und uns dazu zu bringen, uns vollständig mit seinem Protagonisten zu identifizieren. Dicht hinter der Tür ist ein Spielfilm, der einfach und komplex zugleich ist. Ein Spielfilm, der an das, was in der Vergangenheit gemacht wurde, anknüpft, aber dennoch seinen eigenen Weg findet und sich als wahre Perle des österreichischen Films erweist. Im Rahmen der Retrospektive Keine Angst vom Filmarchiv Austria.

Im Kopf eines Künstlers

Der iranische Regisseur Mansur Madavi hatte schon immer ein großes Talent, mit neuen Filmsprachen zu experimentieren, und hat uns jedes Mal Filme geschenkt, die völlig aus dem Rahmen fallen, die reich an wichtigen Bezügen und äußerst eindrucksvoll sind. Man denke nur an Die glücklichen Minuten des Georg Hauser, sein Spielfilmdebüt, in dem sich das Kino von John Carpenter und Jacques Tati trafen und etwas völlig Neues schufen. Ein weiterer besonders interessanter Spielfilm in diesem Zusammenhang ist Dicht hinter der Tür aus dem Jahr 1984, der kürzlich vom Filmarchiv Austria anlässlich der Retrospektive Keine Angst wieder dem Publikum präsentiert wurde.

In Dicht hinter der Tür wird also die bizarre Geschichte des Cartoonisten Leo (gespielt von Erhard Pauer) erzählt. Leo ist laut seinem eigenen Therapeuten selbstzerstörerisch und verbringt deshalb seine Tage in seiner Wohnung, quasi „eingesperrt“. Er zeichnet. Seine zweidimensionalen Zeichnungen erwachen auf magische Weise aus seinem Stift zum Leben. Von Zeit zu Zeit scheint ihn ein kurzes Gespräch mit seiner Molly (Irene Kugler) in die Realität zurückzubringen. Was, wenn auch sie nur Teil seiner Träume wäre?

In Dicht hinter der Tür weiß man daher kaum, wo die Realität endet und die Phantasie des Protagonisten beginnt. Vor seiner Tür bietet sich uns jedes Mal ein neues Szenario. Finden wir uns nämlich plötzlich auf offener See wieder, so findet sich unser Leo beim nächsten Mal mitten in der Wüste wieder. Und wieder, wenn man die Tür der Wohnung öffnet, trifft man vielleicht sogar auf einen älteren Herrn, der ohne ersichtlichen Grund Shakespeare zitiert.

Das Kino von Luis Buñuel, aber auch Fellinis Wind, der ein so starkes Gefühl des Todes vermittelt, bereichern die Träume unseres Leo. Bei der Realisierung seines wertvollen Dicht hinter der Tür ließ sich Madavi aber auch von großen Malern der Vergangenheit wie Salvador Dali und René Magritte inspirieren. Gleichzeitig deutet die rote Farbe der Wände auf etwas Schreckliches hin. Oder steht sie vielleicht einfach für eine starke, sehr starke Sehnsucht nach etwas, das wahrscheinlich nie erreicht werden kann? Die aufmerksamen Augen einer schwarzen Katze scheinen mehr zu wissen als alle anderen. Und dann, zu guter Letzt, ist da noch das Wasser. Wasser als Symbol des Todes, der Wiedergeburt, der Befreiung. Auf dem Wasser fliegen Leos Gedanken frei und scheinbar ziellos umher.

Mansur Madavi hat es genossen, uns zu überraschen, zu verwirren und uns dazu zu bringen, uns vollständig mit seinem Protagonisten zu identifizieren. Dicht hinter der Tür ist ein Spielfilm, der einfach und komplex zugleich ist. Ein Spielfilm, der an das, was in der Vergangenheit gemacht wurde, anknüpft, aber dennoch seinen eigenen Weg findet und sich als wahres Juwel des österreichischen Films erweist. Ein äußerst seltenes Juwel, das sicherlich nie die Aufmerksamkeit bekommen hat, die es verdient hätte. Zumindest bis vor ein paar Jahren.

Titel: Dicht hinter der Tür
Regie: Mansur Madavi
Land/Jahr: Österreich / 1984
Laufzeit: 86’
Genre: Surrealistischer Film, Groteskfilm
Cast: Erhard Pauer, Irene Kugler, Alfred Solm, Nicola Filippelli, Karl Schmid-Werter, Kurt Kosutic
Buch: Mansur Madavi
Kamera: Mansur Madavi
Produktion: Nationaler Film, Walter Peters Film

Info: Die Seite von Dicht hinter der Tür auf iMDb; Die Seite von Dicht hinter der Tür auf der Webseite vom Filmarchiv Austria