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DIE HÖLLE – INFERNO

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von Stefan Ruzowitzky

Note: 7.5

Die Hölle – Inferno ist ein adrenalingeladener und hochaktueller Thriller, der viel komplexer und vielschichtiger ist, als es zunächst scheint. Stefan Ruzowitzky hat nicht nur ein Fresko der Stadt Wien in all ihrer Multikulturalität und ihren kontroversesten Aspekten geschaffen, sondern auch – und vor allem – einen Film, der komplexe und heikle Themen wie Rassismus und Patriarchat behandelt.

Alleine gegen alle

Einer der vielseitigsten Regisseure Österreichs: Stefan Ruzowitzky. Der Wiener Filmemacher und Drehbuchautor, der bereits 2008 für Die Fälscher den Oscar für den Besten fremdsprachigen Film erhielt (Österreichs erster Oscar), hat sich in seiner langjährigen Karriere immer wieder mit den unterschiedlichsten Filmgenres auseinandergesetzt und dabei oft auch für ihn neue Regieansätze gewählt. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der 2017 entstandene Spielfilm Die Hölle – Inferno, ein spannender Thriller, der im kosmopolitischen, heutigen Wien spielt.

Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist die von Özge (gespielt von Violetta Schurawlow), einer jungen Wiener Taxifahrerin türkischer Herkunft, die zufällig Zeugin eines Mordes in der Wohnung gegenüber ihrer Wohnung wird. Daraufhin wird ihre Cousine Ranya (Verena Altenberger) ermordet, da der Mörder sie mit Özge als Zeugin des Mordes verwechselt hat und sie töten wollte. Aus Rache und um Ranyas kleine Tochter zu schützen, versucht die junge Frau, den Mörder zu stoppen und bittet in der Zwischenzeit den Polizeiinspektor Christian Steiner (Tobias Moretti) um Hilfe, indem sie sich in dessen Haus versteckt.

Die Hölle – Inferno ist ein adrenalingeladener und hochaktueller Thriller, der in Wirklichkeit viel komplexer und vielschichtiger ist, als es zunächst scheint. Stefan Ruzowitzky wollte nicht nur ein Fresko der Stadt Wien in all ihrer Multikulturalität und ihren kontroversesten Aspekten schaffen, sondern auch – und vor allem – einen Film, der komplexe und heikle Themen wie Rassismus und nicht zuletzt Patriarchat, das in der Gesellschaft, in der wir leben, immer noch eine zentrale Rolle zu spielen scheint, thematisiert.

Özge ist eine postmoderne Heldin, die praktisch allein gegen diejenigen kämpft, die Frauen (und insbesondere muslimische Frauen) so sehr hassen, dass sie sie verbrennen wollen. „Ein Muslim würde niemals einen Mord akzeptieren. Der Mörder ist einfach ein psychopathischer Verrückter“. Sie ist entschlossen und kämpferisch und hat nie vergessen, dass sie in ihrer Familie missbraucht wurde, aber gleichzeitig ist sie bereit, für diejenigen zu kämpfen, die sie als ihre wahre Familie betrachtet. Kommissar Christian Steiner wiederum ist ein Mann, der in der Tat ein Frauenfeind ist (ganz anders als der legendäre Kommissar Richard Moser, der von Moretti selbst in Kommissar Rex gespielt wurde), der aber mit der Zeit einige seiner Ideen revidieren und eine viel menschlichere Seite an sich entdecken kann. Es handelt sich um zwei scheinbar gegensätzliche Charaktere, zwei von einer schwierigen Vergangenheit geprägte und praktisch einsame Persönlichkeiten, die dennoch an die Gerechtigkeit glauben.

Interessant ist, wie es Stefan Ruzowitzky in Die Hölle – Inferno gelungen ist, universelle Themen in einem fast US-amerikanischen Thriller zu präsentieren, mit herzzerreißenden Autorennen, körperlicher Folter und Verfolgungsjagden in der U-Bahn. Wien wiederum erwies sich als perfekter Drehort, kosmopolitisch und weit entfernt von dem stereotypen Bild, das viele im Ausland von der Stadt haben. Selbstbewusst hinter der Kamera bewies Ruzowitzky einmal mehr seine Fähigkeit, sich neu zu erfinden und neue Wege zu gehen, auch dank seiner jüngsten Erfahrungen im Ausland. Die Hölle – Inferno ist ein wichtiger und gut geschriebener Spielfilm, der gekonnt jede Rhetorik und jedes Klischee vermeidet. Ein weiterer Beweis für seine große Vielseitigkeit.

Titel: Die Hölle – Inferno
Regie: Stefan Ruzowitzky
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2017
Laufzeit: 92’
Genre: Actionfilm, Thriller, Kriminalfilm, Polizeifilm
Cast: Violetta Schurawlow, Tobias Moretti, Sammy Sheik, Friedrich von Thun, Robert Palfrader, Stefan Pohl, Verena Altenberger, Murathan Muslu, Elif Nisa Uyar, Deniz Cooper, Michaela Schausberger, Stephani Burkhard, Carola Pojer, Erika Deutinger, Gerda Drabek, Shamil Iliskhanov, Rainer Gradischnig, Susanne Gschwendtner, Quifu Yang-Moeller, Agnes Kiyomi Decker, Edis König, Ahmet Simsek, Manuel Sefciuc, Hans-Maria Darnov, Nursel Köse, Ercan Kesal, Christoph Bittenauer, Manfred Fuchs
Buch: Martin Ambrosch, Claudia Kolland
Kamera: Benedict Neuenfels
Produktion: Allegro Film, The Amazing Film Company, ZDF

Info: Die Seite von Die Hölle – Inferno auf iMDb; Die Seite von Die Hölle – Inferno auf der Webseite des Österreichischen Filminstituts; Die Webseite von Die Hölle – Inferno