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THE TUNER

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von Sasha Pirker

Note: 7.5

Ein scheinbar einfacher Regieansatz, der aber in Wirklichkeit viel komplexer und vielschichtiger ist, als es auf den ersten Blick scheint, bietet uns bis ins kleinste Detail durchdachte Kameraeinstellungen und sorgfältige Nahaufnahmen des Protagonisten bei seiner Arbeit. The Tuner ist ein visuell beeindruckendes Kompendium der Künste. Auf der Viennale 2023.

Kunst vor Kunst

Regisseurin Sasha Pirker hat in ihren Filmen stets viel Aufmerksamkeit auf Umgebungen und Gebäude gerichtet und ihre Kunst, ihr Kino, von anderen Kunstformen kontaminieren lassen, wodurch neue, schöne Harmonien entstehen, die auf der Kinoleinwand ihre Sublimierung finden. Im Fall des Kurzfilms The Tuner, der als Österreichpremiere im Rahmen der Viennale 2023 präsentiert wurde, sind es sogar drei Künste, die zusammenkommen: Kino, Architektur und vor allem Musik.

In The Tuner findet die Musik nicht ihre wahre Erfüllung, sondern die Regisseurin wollte uns im Gegenteil all die vorbereitenden Operationen zeigen, die auf die eine oder andere Weise die Existenz der Musik selbst ermöglichen. In einem großen, fast leeren Saal finden wir einen Steinway-Flügel. Stefan Knüpfer ist einer der besten und bekanntesten Klavierstimmer der Welt. Seine Aufgabe ist es, den Flügel, den wir gerade gesehen haben, zu stimmen.

Die Kamera von Sasha Pirker beobachtet Knüpfer ehrfürchtig bei seiner Arbeit. Die Klaviertasten werden zunächst zerlegt, dann wieder zusammengesetzt und schließlich werden zahlreiche Tests durchgeführt, um den Klang zu überprüfen. Es handelt sich um eine äußerst komplexe und akribische Arbeit. Der Protagonist scheint keinen Zweifel daran zu haben, wie er seine Aufgabe zu erfüllen hat, und wird zusammen mit der übrigen Einrichtung allmählich zu einem wesentlichen Bestandteil eines viel größeren Freskos, das nach und nach durch die Tiroler Berge und die Architektur des Gebäudes, in dem The Tuner gedreht wurde (eine Tiroler Brennstofffirma), bereichert wird.

Sasha Pirker schien sich besonders wohl dabei zu fühlen, uns diese Realität in Bildern zu erzählen. Ein scheinbar einfacher Regieansatz, der jedoch in Wirklichkeit viel komplexer und vielschichtiger ist, als es zunächst scheint, bietet uns bis ins kleinste Detail durchdachte Kameraeinstellungen und sorgfältige Nahaufnahmen des Protagonisten bei seiner Arbeit. The Tuner ist ein visuell beeindruckendes Kompendium der Künste.

Mit der gleichen Sorgfalt, mit der Stefan Knüpfer Klaviere stimmt, bringt die Regisseurin viele verschiedene und unterschiedliche Elemente zusammen, um etwas völlig Neues und Subjektives zu schaffen. Eine herzliche Hommage an die Kunst in all ihren Formen, aber auch – und vor allem – an diejenigen, die es möglich machen, dass Kunst überhaupt existieren kann. Und so erkennen wir, dass der Prozess, der jede Kunstform möglich macht, in allen Bereichen (fast) immer derselbe ist. Und die meiste Zeit bemerken und schätzen nur wenige Menschen den wahren Wert der Arbeit mancher Handwerker. Wer weiß, wie sich der Klang dieses Klaviers verändert hätte, wenn es nicht in die Hände von Stefan Knüpfer gekommen wäre.

Titel: The Tuner
Regie: Sasha Pirker
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 13’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Sasha Pirker
Kamera: Sasha Pirker
Produktion: Sasha Pirker

Info: Die Seite von The Tuner auf der Webseite der Viennale; Die Seite von The Tuner auf der Webseite der sixpackfilm