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PALMER

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von Friedl vom Gröller

Note: 7.5

Rudimentäres Schwarz-Weiß und rein auf Film gedrehte Bilder sind weitere Protagonisten in Palmer. Friedl vom Gröller hat einen unverwechselbaren Stil und schafft es mit ihrer essentiellen Herangehensweise, jedem einzelnen Bild eine tiefe Bedeutung zu geben. Auf der Viennale 2023.

Was wir nicht sehen

Die renommierte Filmemacherin und Fotografin Friedl vom Gröller hat sich in ihrer langen und produktiven Karriere nie gescheut, sich mit kontroversen und sogar höchst provokanten Themen auseinanderzusetzen. Und oft braucht es dazu nicht einmal Worte, sondern es sind, wie bei ihren Werken üblich, die Bilder selbst, die für sich sprechen. So auch bei dem Kurzfilm Palmer, der bei der Viennale 2023 seine Österreichpremiere hatte.

Wenige, einfache Kameraeinstellungen schaffen kraftvolle Bilder, die unzählige Deutungen zulassen. Ein Mann steht vor der Kamera und trägt nur ein Paar Unterhosen. Wir können sein Gesicht nicht sehen, nur seinen Körper. Plötzlich tauchen hinter ihm die Arme einer Frau, die wir nie wirklich sehen, auf. Die Frau beginnt langsam, die Unterhosen des Mannes herunterzulassen. Es dauert nur ein paar Einstellungen, bis sie sie ganz herunterlässt. Dann wird, wie üblich, FvG, die Signatur der Regisseurin, vor der Kamera gezeigt.

Was wollte uns Friedl vom Gröller mit diesem ungewöhnlichen und minimalistischen Palmer wohl mitteilen? Eine der überzeugendsten Deutungen, die man für dieses Werk geben kann, ist eine Art Polemik gegen das Patriarchat. Das Patriarchat ist ständig Teil unseres Alltags und der Gesellschaft, in der wir leben. Selbst wenn es zunächst „versteckt‘ wird. Aber wie lange kann dieses Patriarchat noch dauern? Die Uhr, die uns im Verlauf des Films gezeigt wird, scheint für sich selbst zu sprechen.

Rudimentäres Schwarz-Weiß und rein auf Film gedrehte Bilder sind weitere Protagonisten in Palmer. Friedl vom Gröller hat einen unverwechselbaren Stil und schafft es mit ihrer essentiellen Herangehensweise, jedem einzelnen Bild eine tiefe Bedeutung zu geben. Pures Kino, aber auch frühes Kino, das gleichzeitig immer höchst aktuell ist. Auch wenn es schockierend sein kann.

Doch auch in Palmer (wie in jedem ihrer Filme) gibt es eine willkommene Ironie. Ironie und Selbstironie begleiten den Zuschauer oft während des Films. Kino ist Vergangenheit, Gegenwart, Provokation, aber auch Spaß. Friedl vom Gröller weiß das sehr gut. Und obwohl die Themen, die sie behandelt, oft recht heikel sind, darf man nie vergessen, alles mit Humor zu betrachten. In Palmer wird das Patriarchat direkt angegriffen. Das Kino seinerseits hat die Kraft, uns immer wieder zu zeigen, wie die Dinge wirklich sind. Ohne Filter. Und nur der wachsame Blick der Kamera ist in der Lage, jede versteckte Bedeutung zu erfassen.

Titel: Palmer
Regie: Friedl vom Gröller
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 3’
Genre: Experimentalfilm
Buch: Friedl vom Gröller
Kamera: Friedl vom Gröller
Produktion: Friedl vom Gröller

Info: Die Seite von Palmer auf der Webseite der Viennale; Die Seite von Palmer auf der Webseite der sixpackfilm