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AFTER WORK

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von Jan Soldat

Note: 7.5

Das Gewöhnliche kann manchmal außergewöhnlich werden. Jan Soldat weiß das sehr gut. Die Einstellungen sind immer statisch und essentiell. Warme Farben sorgen dafür, dass wir uns sofort wohlfühlen. After Work ist ein scharfes und realistisches Foto eines gewöhnlichen Tages. Auf der Viennale 2023.

Unvorhergesehene Entwicklungen

Viele werden sich an den sympathischen Holger erinnern, den Protagonisten des Dokumentarfilms Blind Date, bei dem Jan Soldat 2022 Regie führte. Sehr gut. Wer ihn bereits kennt, wird sich darüber freuen, dass der Regisseur inzwischen einen weiteren Dokumentarfilm gedreht hat, in dem wir ein neues Abenteuer unseres Holger sehen können. Die Rede ist von After Work, der auf der Viennale 2023 seine Österreichpremiere hatte.

Am späten Nachmittag eines gewöhnlichen Tages befindet sich der Mann in seiner Wohnung. Er ist nur mit einem Morgenmantel bekleidet und wartet auf jemanden. Dann taucht plötzlich Lutz auf. Nach einer ersten Annäherung und dem Ausprobieren verschiedener Positionen muss Holger leider zugeben, dass dies nicht sein bester Tag ist. So endet das Treffen vorzeitig. Doch zum Abschied küssen sich die beiden.

Die Kamera von Jan Soldat nahm alles auf, ohne dass der Regisseur jemals vor der Kamera zu sehen war. Gewohnt, das Sexualleben homosexueller Männer mittleren Alters zu dokumentieren, schenkte Soldat uns oft Momente reiner Poesie in der Beobachtung des normalen Alltagslebens. Das war bei dem bereits erwähnten Blind Date der Fall (um nur ein Beispiel zu nennen), ebenso wie bei diesem After Work, bei dem es nichts weiter braucht, damit die Geschichte der beiden Protagonisten die Zuschauer:innen mit all ihrer emotionalen und kommunikativen Kraft erreicht.

Es ist nicht der beste Tag für Holger. Doch der Protagonist ist immer wieder angenehm ironisch und selbstironisch, so dass sich auch sein Gast wohlfühlt. Wie in seinen Werken üblich, beobachtet Jan Soldat also seine Geschichte, ohne zu urteilen, sondern erweist sich im Gegenteil als besonders aufrichtig und liebevoll gegenüber seinen Protagonisten. Holger ist ein einsamer Mann, aber in dieser Einsamkeit hat er dennoch sein eigenes Gleichgewicht und ab und zu eine angenehme Gesellschaft gefunden.

Das Gewöhnliche kann manchmal außergewöhnlich werden. Jan Soldat weiß das sehr gut. Und um das zu beweisen, braucht er nur eine Kamera, viel Aufmerksamkeit und natürlich viel Talent. Die Einstellungen sind stets starr und essentiell. Warme Farben sorgen dafür, dass wir uns sofort wohlfühlen. Der Regieansatz ist einfach und direkt, schafft es aber dennoch, uns alles Schöne im Alltag des Protagonisten zu zeigen. So passiert in nur fünf Minuten das Wunder auf der Kinoleinwand. After Work ist ein scharfes und realistisches Foto eines gewöhnlichen Tages. Der Tag ist auf eine fast ungewöhnliche Weise zu Ende gegangen. Und wer weiß, ob unser Holger beim nächsten Mal mehr ‚Glück‘ haben wird.

Titel: After Work
Regie: Jan Soldat
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2023
Laufzeit: 5’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Jan Soldat
Kamera: Jan Soldat
Produktion: Jan Soldat

Info: Die Seite von After Work auf der Webseite der Viennale; Die Seite von After Work auf der Webseite von Jan Soldat