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COSMOSAPIENS

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von Pavel Cuzuioc

Note: 8.5

Die Schönheit von Cosmosapiens liegt hier: Regisseur Pavel Cuzuioc stellt sich hinter die Kamera und lässt die Wissenschaftler philosophieren, ohne mit Fragen oder Schnitten einzugreifen, die die Inszenierung in irgendeiner Weise beeinflussen könnten. Auf der Viennale 2023.

Die Geheimnisse des Universums

Die Österreich-Premiere von Cosmosapiens, dem jungsten Werk des talentierten Dokumentarfilmers Pavel Cuzuioc, fand im Rahmen der Viennale 2023 an einem windigen Wiener Nachmittag Ende Oktober statt und wurde vom Publikum gut aufgenommen. Die Geschichte einiger Wissenschaftler im ukrainischen Kaukasus vor der Invasion, die ständig auf der Suche nach neuen außerirdischen Lebensformen sind, hat er so objektiv erzählt, indem er das Philosophische und das Alltägliche mit großer Natürlichkeit zu mischen verstand. Wie es sein sollte.

Das Russische Astrophysikalische Observatorium befindet sich im Kaukasusgebirge, und die Wissenschaftler, die dort arbeiten und manchmal auch „wohnen“, sind mit der ständigen Beobachtung von Signalen aus dem Kosmos beschäftigt, seien es Pulsare oder schwarze Löcher. Was sie jedoch am meisten beschäftigt, ist die Suche nach außerirdischen Lebensformen, die es offenbar mit Sicherheit gibt.

Dies ist eine Art ungeschriebener Prolog zu Cosmosapiens, , der dazu dient, eine viel umfassendere Debatte zu eröffnen, in die sich Wissenschaftler:innen und Student:innen einschalten, indem sie über die Globalisierung, die Beziehung zur Natur und den Unterschied zwischen Objektivität und Subjektivität diskutieren; alles Themen, die denjenigen am Herzen liegen, die nicht nur beruflich Forschung betreiben. Angesichts der Weite des Universums fragt man sich nach dem Sinn des Lebens im Allgemeinen und des irdischen Lebens im Besonderen, das durch die umgebende bukolische Natur mit Wäldern, Pilzen und Ziegen gut repräsentiert wird.

Drehbuch, Regie und Produktion stammen von Pavel Cuzuioc, einem Österreicher moldawischer Abstammung. Cosmosapiens nutzt also das Teleskop des Observatoriums, um das Universum zu erforschen, ohne jemals seinen Blick – und damit die Kamera – zum Himmel zu richten. Und das ist natürlich kein Zufall, denn die Inkommensurabilität des Universums ist der Ausgangspunkt für eine tiefere Überlegung über den Sinn des Lebens auf der Erde, die sowohl als Himmelskörper als auch als lebendiger Planet (und grün, wenn wir eine mit Farben verbundene Symbolik beibehalten wollen) verstanden wird.

Zwischen einer Backmischung und einem Gespräch über die Unterschiede zwischen Shakespeare-Figuren – im Anschluss an eine Probe in einem hauseigenen Theaterworkshop – kommen wir so zu einer Bewertung der möglichen Anwendungen wissenschaftlicher und technologischer Entdeckungen, die auf die Verbesserung der physischen und kognitiven Fähigkeiten des Menschen, jenen berühmten Transhumanismus, der immer aktueller wird, abzielen. Ein Zeichen dafür, dass die Einsamkeit der kaukasischen Landschaft nicht unbedingt Isolation bedeutet, sondern mehr Interesse und Klarheit. Und gerade der ständige Verweis auf solche Themen bildet die gesamte Struktur der Geschichte, die durch den Kontrast zu den manchmal widersprüchlichen Bildern, die den Alltag der Wissenschaftler:innen darstellen, dem Film eine umfassende und kulturell gehobene Dimension verleiht. Hier liegt die Schönheit von Cosmosapiens: Cuzuioc steht hinter der Kamera und lässt die Wissenschaftler:innen philosophieren, ohne mit Fragen oder Schnitten einzugreifen, die in irgendeiner Weise die Inszenierung beeinflussen könnten.

So werden außergewöhnliche Ereignisse wie ein Mountainbike-Rennen oder alltägliche Begebenheiten wie der Besuch auf dem Friedhof eines alten Kollegen – ein einfaches, von Grün umgebenes Grab – gleichberechtigt nebeneinander gestellt und dienen als Zahnräder, um eine Kosmologie zu erzählen, die Planeten und Systeme transzendieren sollte, aber stattdessen Gefahr läuft, zu „entgleisen“, im Namen eines alten sowjetischen Stolzes, der nie ganz ausgelöscht worden ist. Während man träumerisch über den Sinn des Lebens auf der Erde nachdenkt, kann man gut verstehen, wie die Vermutung einiger/vieler erklären kann, was in Kürze geschehen sollte. Cosmosapiens wurde tatsächlich zwei Monate bevor Russland die Ukraine überfiel fertiggestellt und bearbeitet – eine Bildunterschrift am Anfang dient als Erinnerung – und das Zeugnis, das Cuzuioc uns gegeben hat, scheint ein spirituelles Testament und eine Ermahnung zu sein, niemals aufzuhören zu hinterfragen und zu träumen – auch trotz ungerechtfertigter Invasionen. Mulțumesc, Pavel.

Titel: Cosmosapiens
Regie: Pavel Cuzuioc
Land/Jahr: Österreich / 2023
Laufzeit: 90’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Pavel Cuzuioc
Kamera: Pavel Cuzuioc
Produktion: Pavel Cuzuioc Filmproduktion

Info: Die Seite von Cosmosapiens auf der Webseite der Viennale; Die Seite von Cosmosapiens auf der Webseite der Austrian Film Commission; Die Webseite von Pavel Cuzuioc