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ANIMAL

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von Sofia Exarchou

Note: 7.5

In Animal wird uns ein realistisches und zugleich schonungsloses Porträt einer Welt präsentiert, die nur wenige von uns kennen. Eine Welt, die scheinbar aus Shows, Tanzen, Singen und Spaß besteht, die sich aber, wenn man sie von innen erlebt, als ganz anders erweisen kann, als wir sie uns vorzustellen gewohnt sind. Auf der Viennale 2023.

Hinter den Kulissen

Bereits auf dem Locarno Film Festival 2023 als Weltpremiere vorgestellt (wo die Hauptdarstellerin Dimitra Vlagopoulou als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde), begeisterte Animal, der zweite Spielfilm der griechischen Regisseurin und Drehbuchautorin Sofia Exarchou und das Ergebnis einer Koproduktion zwischen Österreich, Bulgarien, Zypern, Griechenland und Rumänien, auch auf der Viennale 2023 auf seiner Österreich-Premiere Publikum und Kritiker.

In Animal wird uns also ein realistisches und doch gnadenloses Porträt einer Welt präsentiert, die nur wenige von uns kennen. Eine Welt, die scheinbar aus Shows, Tanz, Gesang und Spaß besteht, die sich aber, wenn man sie von innen erlebt, ganz anders erweisen kann, als man sie sich vorstellt. Das ist die Welt der Animateurinnen und Animateure, die für ihr Publikum immer tadellos sein müssen, die aber in Wirklichkeit nur wenige Stunden pro Nacht schlafen und nie einen Moment Ruhe haben. Das ist die Welt von Kalia (Vlagopoulou), die diesen Beruf seit Jahren ausübt und langsam einen körperlichen und emotionalen Zusammenbruch erleidet.

Die Kamera von Sofia Exarchou zeigt uns zu Beginn des Films Details von schlanken, aber muskulösen Körpern, die am Strand schwierige Gymnastikübungen ausführen und die zunächst fast wie abstrakte Figuren wirken. Der Sommer steht vor der Tür, und wie jedes Jahr kommen neue Animateurinnen und Animateure in das Hotel, in dem Kalia arbeitet, und sie muss ihnen den Beruf beibringen. Und dann kommen auf magische Weise die Tourist:innen. Wenn man tanzt, muss man immer lächeln. Auch wenn einem in Wirklichkeit zum Weinen zumute ist. In Animal, wie der Titel schon sagt, werden die Arbeiter:innen fast wie Arbeitstiere betrachtet, deren Leiden niemand versteht.

Um all dies zu inszenieren, entschied sich die Regisseurin für eine äußerst realistische Inszenierung, in der das Glitzern der Kostüme und die Pailletten auf den Haaren der Animateurinnen einen starken Kontrast zu den Innenräumen der Umkleidekabinen oder den leeren Stränden am Morgen, nach einer Nacht, in der wirklich alles passiert ist, bilden. Dieser Regieansatz passt besonders gut zu der inszenierten Geschichte und wird durch die hervorragende Leistung von Dimitra Vlagopoulou noch verstärkt, deren Lächeln, wenn sie ein Lied singt, bald in einen leisen Schrei übergeht. Vor allem, als sie selbst erkennt, dass es keine Rettung gibt. Wie kann sie sich also retten? Und vor allem, ist dies das Schicksal, das auch vor ihrer jungen Tochter liegt, die ihr so ähnlich, so naiv und enthusiastisch ist?

Beim Betrachten der von Sofia Exarchou in Animal inszenierten Welt denkt man sofort an einen anderen Film dieser Viennale 2023, der auch in Locarno gezeigt wurde: Vista Mare von Julia Gutweniger und Florian Kofler. Auch hier wird gezeigt, was sich hinter den Kulissen bekannter Urlaubsorte abspielt. Auch hier sehen wir eine erstaunlich gnadenlose Welt. Und obwohl sich die beiden Filme in ihrem Regieansatz stark unterscheiden (in Animal stehen die Menschen im Mittelpunkt, die diese Orte beleben, während uns im Dokumentarfilm Vista Mare das Ganze als ein großes Fresko vieler ähnlicher Realitäten präsentiert wird), muss man anerkennen, dass beide ihre Absichten perfekt erfüllen und sich als intelligente und besonders feine Werke erweisen, die den Zuschauer wie ein Schlag in die Magengrube treffen.

Titel: Animal
Regie: Sofia Exarchou
Land/Jahr: Griechenland, Österreich, Bulgarien, Zypern, Rumänien / 2023
Laufzeit: 116’
Genre: Drama
Cast: Dimitra Vlagopoulou, Flomaria Papadaki, Ahilleas Hariskos, Voodoo Jürgens, Chronis Barbarian, Kristof Lamp, Nontas Damopoulos, Vangelis Evangelinos, Ilias Hatzigeorgiou, Elpida Orfanidou, Johanna Toumpakari, Fay Tzouma
Buch: Sofia Exarchou
Kamera: Monika Lenczewska
Produktion: Homemade Films, Nabis Filmgroup, ARS Digital Studio

Info: Die Seite von Animal auf iMDb; Die Seite von Animal auf der Webseite der Viennale; Die Seite von Animal auf der Webseite vom Locarno Film Festival