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DIE ERBEN

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von Walter Bannert

Note: 7.5

In Die Erben mischt sich ein brutaler und oft schonungsloser Realismus mit einer manchmal verstörenden Erotik und macht dieses wichtige Werk von Walter Bannert leider auch traurig aktuell. Auf der Viennale 2023, im Rahmen der Retrospektive Keine Angst des Filmarchiv Austria.

Heute wie gestern

Wie gefährlich können extreme politische Ideen, in denen Gewalt und die Ablehnung von allem, was als „anders“ gilt, praktisch an der Tagesordnung sind, heute noch sein? Diese Frage versuchte Regisseur Walter Bannert mit seinem Spielfilm Die Erben zu beantworten, der im Rahmen der Retrospektive Keine Angst des Filmarchivs Austria auf der Viennale 2023 dem Publikum gezeigt wurde.

Die Erben ist also ein Film, der eine ganz besondere Entstehungsgeschichte hat. Nachdem Bannert selbst, zusammen mit seinem Co-Autor Erich A. Richter, Zeuge eines Überfalls von Rechtsextremisten in einem Café geworden war, beschloss er, einige Jahre lang mehrere Vereine junger Neo-Nationalsozialisten zu besuchen, um zu verstehen, was solche Menschen dazu treibt, bestimmte, gefährliche Ideale zu verfolgen. So entstand 1983 Die Erben, ein Spielfilm, in dem den Zuschauer:innen nur wenig verborgen bleibt. Und nach dem Kinostart erhielten der Regisseur und seine Frau sogar einige Drohungen von rechtsextremen Gruppen.

Inszeniert wird also die Geschichte des Gymnasiasten Thomas (gespielt von Nikolas Vogel), der davon überzeugt ist, dass ihn nur eine leere und langweilige Zukunft erwartet, und der zusammen mit seinem Freund Charly (Roger Schauer), der die Schule längst abgebrochen hat und sich mit Kleinkriminalität beschäftigt, in den Idealen einer neonazistischen Jugendgruppe einen Lebenssinn findet. Wohin wird das führen?

Ungewissheit über die Zukunft, der Wunsch, einen Platz in der Welt zu finden, aber auch – und vor allem – eine gewisse latente Wut und ein tiefes Gefühl der Einsamkeit spielen die Hauptrollen in Die Erben. Thomas und Charly sind im Grunde zwei extrem einsame und verwundbare Jungen. Die Mutter von Thomas hat ihren Söhnen nie gesagt, dass sie sie liebt. Und das könnte sogar zu extremen Konsequenzen führen. Charlys Vater hingegen ist ein recht gewalttätiger Mann, der seine Frau und Kinder ständig schlägt und die meiste Zeit betrunken in einer Kneipe verbringt. Diese Hintergründe treiben die beiden jungen Protagonisten dazu, nach etwas zu suchen, das ihnen die Möglichkeit gibt, ihrer Wut Luft zu machen und ihnen den Eindruck vermittelt, für ein Ideal zu kämpfen. Walter Bannert ist es gelungen, all dies perfekt und ungefiltert darzustellen.

Perfettamente in linea con la drammaticità di ciò che viene raccontato, inoltre, in The Inheritors Ganz im Sinne der Dramatik der Geschichte ist zudem der Regieansatz von Die Erben besonders interessant, bei dem sich ein brutaler und oft schonungsloser Realismus mitunter mit verstörender Erotik mischt, was dieses wichtige Werk von Bannert leider auch von trauriger Aktualität macht. Können wir jemals aus den Fehlern der Vergangenheit lernen? Daran scheint der Regisseur in Die Erben keinen Zweifel zu haben.

Titel: Die Erben
Regie: Walter Bannert
Land/Jahr: Österreich / 1983
Laufzeit: 97’
Genre: Drama,Coming-of-age
Cast: Nikolas Vogel, Roger Schauer, Wolfgang Gasser, Anneliese Stöckl-Eberhard, Jaromir Borek, John Ottwald, Helmut Kahn, Edd Stavjanik, Kurt Jaggberg, Evelyn Faber, Gerhard Swoboda, Frank Dietrich, Johanna Tomek, Hjalmar Este, Bernhard Werner, Radica Vujicin, Alexander Wussow, Klaus Novak, Nadja Etzler, Rudi Schippel, Harry Hornisch, Michael Janisch, Dagmar Schwarz, Hans Zemba, Alexander Berg, Günther Rupp, Claudia Zeischka
Buch: Walter Bannert, Erich A. Richter
Kamera: Hanus Polak
Produktion: Bannert Film

Info: Die Seite von Die Erben auf iMDb; Die Seite von Die Erben auf der Webseite der Viennale