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DIE ÄNGSTLICHE VERKEHRSTEILNEHMERIN

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von Martha Mechow

Note: 8.5

Die ãngstliche Verkehrsteilnehmerin, das außergewöhnliche Spielfilmdebüt der deutschen Regisseurin und Performance-Künstlerin Martha Mechow, ist eine wahre Hymne an das Leben, die Freiheit, die Liebe und das wunderbare Frausein. Auf der Viennale 2023.

Wunderbar frei

Eine angenehme Überraschung wurde bei der Viennale 2023 in Österreich uraufgeführt. Die Rede ist von Die ängstliche Verkehrsteilnehmerin, dem außergewöhnlichen Spielfilmdebüt der deutschen Regisseurin und Performance-Künstlerin Martha Mechow, einer wahren Hymne an das Leben, die Freiheit, die Liebe und das wunderbare Frausein. Die Entstehung von Die ängstliche Verkehrsteilnehmerin begann vor einigen Jahren, als die Regisseurin noch zweiundzwanzig Jahre alt war und kurz vor dem Abschluss ihres Studiums an der Filmakademie Wien stand. Im Laufe der Jahre hat der Film dann seine endgültige Form angenommen.

Die inszenierte Geschichte ist also die der jungen Flippa (gespielt von Selma Juana Schulte-Frohlinde), die in Deutschland lebt und ihre ältere Schwester Furia (Ann Göbel) seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Um sie zu treffen, macht sie sich auf den Weg nach Sardinien, wo Furia in einer reinen Frauenkommune inmitten der Natur lebt. Hier hat jede von ihnen ihr Leben perfekt organisiert, erzieht Kinder, organisiert Dorffeste und begeht sogar kleine Diebstähle. Und das alles ohne die Hilfe von Männern. Wird es Flippa endlich gelingen, sich von den Zwängen der Heterosexualität zu befreien und ihren eigenen Platz in der Welt zu finden?

Die ängstliche Verkehrsteilnehmerin fällt daher sofort durch den stark surrealen und völlig unkonventionellen Stil von Martha Mechow auf. Die Mutter von Flippa und Furia wird auf mysteriöse Weise von der Couch ihres Hauses gesaugt und verschwindet für immer, um sich nicht ihren Pflichten als Mutter zu widmen. Und schon diese erste Szene macht uns sofort klar, dass wir uns einen ganz überraschenden Film anschauen werden. Ein Film, in dem wirklich alles passieren kann und der uns im Laufe der Erzählung Momente von absoluter, reiner Schönheit beschert. So wie zu Beginn des Films, wenn wir alle Frauen aus Furias Gruppe sehen, wie sie in der freien Natur einen Tanz improvisieren und dabei von einem kleinen Filmteam gefilmt werden.

Die Natur, der Sommer und die Freiheit nehmen uns beim Anschauen von Die ängstliche Verkehrsteilnehmerin mit auf eine Reise in unsere eigenen Erinnerungen, auch dank der besonders warmfarbigen Filmaufnahmen und der wilden Tänze auf einem Dorffest, die zu den Klängen von Loredana Bertés Non sono una Signora dem Ganzen einen zeitlosen Charme verleihen. Gleichzeitig ziehen sich aber auch besonders schmerzhafte und heikle Themen wie ein roter Faden durch den gesamten Spielfilm. Themen wie die schwierige Beziehung zu den eigenen Müttern und ganz allgemein zur Mutterfigur im realen und metaphorischen Sinne finden so ihre eigene Sublimierung, wenn wir sehen, wie eine der Protagonistinnen mit einer Kettensäge die Statue des Jesuskindes aus den Armen seiner Mutter schneidet.

Martha Mechow ihrerseits hat mit ihrem wertvollen Die ängstliche Verkehrsteilnehmerin großes Talent und Intelligenz bewiesen. Die junge Regisseurin, die klugerweise jede Rhetorik vermieden hat, ohne sich zu scheuen, neue Wege und neue Arten der Inszenierung selbst auszuprobieren, ist zweifellos einer der vielversprechendsten Namen im zeitgenössischen österreichischen (und weltweiten) Kino. Und wer weiß, welche schönen Überraschungen sie uns in Zukunft noch bescheren wird.

Titel: Die ängstliche Verkehrsteilnehmerin
Regie: Martha Mechow
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2023
Laufzeit: 100’
Genre: Drama, Experimentalfilm
Cast: Selma Juana Schulte-Frohlinde, Ann Göbel, Joseph Löcker, Inga Busch, Max Grosse Majench, Susanne Bredehöft, Yasmin El Yassini, Leonie Jenning, Nastasya Tikhnovetskaya, Alexandra Gottschlich, Sibylle Paetow-Spinosa, Laura Carmen Storz, Jan Koslowski, Luis August Krawen, Casper Kubeng, Martin Lindner, Maila Stahl, Pál Tóth, Margarita Broich, Marco Fontana, Sebastiano Nicolai
Buch: Martha Mechow
Kamera: Nils Jakob Timm, Luis August Krawen
Produktion: Hans Broich, Superzoom Film

Info: Die Seite von Die ängstliche Verkehrsteilnehmerin auf iMDb; Die Seite von Die ängstliche Verkehrsteilnehmerin auf der Webseite der Viennale; Die Seite von Die ängstliche Verkehrsteilnehmerin auf der Webseite der sixpackfilm