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DIE NACHTMEERFAHRT

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von Kitty Kino

Note: 7.5

Der Spielfilm Die Nachtmeerfahrt aus dem Jahr 1985 ist ein äußerst aktueller und mutiger Spielfilm, der die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft untersucht und eine tiefgründige und niemals banale Überlegung nicht nur über das Patriarchat, sondern auch und vor allem über die Bedeutung, sich selbst zu lieben, hervorbringt. Auf der Viennale 2023, im Rahmen der Retrospektive Keine Angst des Filmarchiv Austria.

Eine neue Identität

Nach dem Psychiater Carl Gustav Jung ist die Nachtmeerfahrt eine Reise in sich selbst, bei der jeder Mensch dazu geführt wird, Teile verschiedener Geschlechtsidentitäten zu verkörpern. Auf diesem Konzept basiert auch der Spielfilm Die Nachmeerfahrt, den die Regisseurin Kitty Kino 1985 drehte und der bei der Viennale 2023 im Rahmen der Retrospektive Keine Angst des Filmarchivs Austria erneut dem Publikum präsentiert wurde.

Es handelt sich also um eine besondere Reise des jungen und charmanten Models Lilly Bartstoppel (gespielt von Anita Kolbert, der Schwester der Regisseurin), die sich nach einer Affäre mit einem verheirateten Mann und nach verschiedenen beruflichen Enttäuschungen auf ein wichtiges Gespräch mit einem bekannten italienischen Modedesigner vorbereiten muss. Doch plötzlich beginnt der Frau Gesichtsbehaarung zu wachsen, bis sie sich mit einem dichten Bart wiederfindet. Nachdem sie zunächst versucht hat, dieses Problem zu verbergen, und nach einem Treffen mit ihrem Liebhaber, der ihre Situation überhaupt nicht zu verstehen scheint, beschließt Lilly, nachts als Mann verkleidet das Haus zu verlassen, um diese neue, unerwartete Identität zu erleben.

Die Nachtmeerfahrt wurde 1985 gedreht und erwies sich sofort als ein äußerst aktueller und mutiger Spielfilm, der die Rolle der Frau in der Gesellschaft, in der wir leben, untersucht und eine tiefgründige und niemals banale Überlegung nicht nur über das Patriarchat, sondern auch – und vor allem – über die Bedeutung, sich selbst zu lieben und jederzeit unabhängig zu sein, hervorbringt. „Echte Männer lieben emanzipierte Frauen“. Das stellt die Protagonistin am Ende ihres nächtlichen Abenteuers im Wiener Untergrund fest, wo man oft auf Frauen trifft, die einfach nur Zuneigung brauchen, oder auch auf feige Männer, die nur auf der Suche nach einer leicht zu manipulierenden Gefährtin sind.

Die Nachtmeerfahrt nimmt uns also an der Hand in eine Welt, in der Konfrontationen mit sich selbst, den eigenen Schwächen und den eigenen Ängsten sehr, sehr schmerzhaft sein können. Gleichzeitig machen visionäre Bilder von eleganten Figuren, die sich auf ein Fotoshooting vorbereiten, die Sonne und der Mond, die sich schließlich zu einer schönen Harmonie treffen, und das Blau, das oft die absolute Hauptrolle spielt und eindeutig auf das Oneirische und auf all das verweist, was die Nacht selbst symbolisieren kann, diesen interessanten kleinen Spielfilm von Kitty Kino zu einem sehenswerten Werk.

Geprägt von einer subtilen und niemals exzessiven Ironie (wie es in den Werken der Regisseurin oft der Fall ist), ist Die Nachtmeerfahrt ein ausgesprochen überraschender und visuell fesselnder Spielfilm. Nicht zu vergessen ist die magnetische Hauptfigur, die, oft allein auf der Kinoleinwand, mit einer essentiellen, aber wirkungsvollen Mimik dazu beiträgt, dem Ganzen eine eigene Persönlichkeit zu verleihen.

Titel: Die Nachtmeerfahrt
Regie: Kitty Kino
Land/Jahr: Österreich / 1985
Laufzeit: 72’
Genre: Filmkomödie
Cast: Anita Kolbert, Wilfried Scheutz, Christine Jirku, Beatrix Wipperich, Anne Mertin, Lotte Loebenstein, Joesi Prokopetz, Georg Trenkwitz, Toni Böhm, Sybille Kos, Maria Marlina, Ernst Josef Läuscher, Paul Schirnhofer, Burt Rose, Mo
Buch: Kitty Kino
Kamera: Frederic-Gerard Kaczek, Hanus Polak
Produktion: Thalia-Film, ORF

Info: Die Seite von Die Nachtmeerfahrt auf iMDb; Die Seite von Die Nachtmeerfahrt auf der Webseite der Viennale