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ANGST

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von Gerald Kargl

Note: 8.5

In Angst verbindet sich ein realistischer und höchst innovativer Regieansatz, bei dem die Dialoge sehr spärlich und essentiell sind, mit Splatterszenen, die so sehr an das italienische Horrorkino der 1980er Jahre erinnern, die hier aber dennoch ihre eigene Erfüllung finden und eine starke, ausgeprägte Persönlichkeit offenbaren. Auf der Viennale 2023, im Rahmen der Retrospektive Keine Angst des Filmarchiv Austria.

Amoklauf

Ein wahres Juwel des österreichischen Films wurde vierzig Jahre nach seiner Entstehung anlässlich der Viennale 2023 im Rahmen der Retrospektive Keine Angst des Filmarchiv Austria dem Publikum präsentiert. Die Rede ist von Angst, dem Spielfilmdebüt des Kärntner Regisseurs Gerald Kargl, einem echten Kultfilm im In- und Ausland (man denke nur daran, dass der Regisseur Gaspar Noé diesen Spielfilm oft als einen seiner Lieblingsfilme bezeichnet hat).

Wenn also der Wert von Angst heute zu Recht gewürdigt wird, so muss gesagt werden, dass der Film zu seiner Zeit kein leichtes Leben hatte. Nach seinem Kinostart 1983 war der Film in Österreich lange, lange Zeit praktisch unerreichbar. Erst in jüngster Zeit wurde er daher restauriert und ist heute endlich wieder zu sehen, wobei sich der Regisseur selbst als besonders mutig und sogar weitsichtig erwies, sowohl was die inszenierte Geschichte als auch die Regie selbst betrifft.

Angst ist also von einer wahren Geschichte inspiriert, nämlich der Geschichte des österreichischen Serienmörders Werner Kniesek, der 1980 in St. Pölten drei Menschen ermordete, während er wegen zahlreicher anderer Verbrechen noch auf Hafturlaub war. Im Spielfilm wird der Name des Protagonisten jedoch nie ausgesprochen, vielmehr informiert uns seine eigene Off-Stimme über seine Vergangenheit, seine Gedanken, seine unkontrollierbare Lust am Töten. Nachdem er nach zehn Jahren aus dem Gefängnis entlassen wurde, wandert er also scheinbar ziellos umher, um ideale Opfer zu finden. Könnten das zwei charmante Mädchen in einem Café sein? Oder eine junge Taxifahrerin? Vielleicht würde das Töten einer ganzen Familie sein Bedürfnis nach Gewalt mehr befriedigen.

Was in Angst sofort auffällt, ist der innovative Kameraeinsatz von Gerald Kargl und Zbigniew Rybczyński, Oscar-Preisträger im Jahr 1983 für den animierten Kurzfilm Tango. Aufnahmen von unten und von oben, verstörende Großaufnahmen des Protagonisten (auch dank der außergewöhnlichen Leistung von Erwin Leder) mittels einer Kamera, die Leder auf sich selbst an einen Ring geschnallt hatte, sowie wilde Läufe durch den Wald machen diesen Spielfilm nicht nur in Österreich, sondern auch im Ausland zu einem völlig innovativen Werk.

Ein fast dokumentarischer Ansatz, bei dem die Dialoge sehr spärlich und essentiell sind, passt gut zu den Splatterszenen, die so sehr an das italienische Horrorkino der 1980er Jahre erinnern, die aber in Angst dennoch ihre eigene Erfüllung finden und eine starke, ausgeprägte Persönlichkeit offenbaren. Die elektronische und sehr avantgardistische Musik von Klaus Schulze tut ihr Übriges. Angesichts der behandelten Themen und der Brutalität mancher Szenen ist es daher nicht verwunderlich, dass der Film seinerzeit stark zensiert und in einigen Staaten sogar verboten wurde. Aber man weiß ja, wenn ein Film so wirkungsvoll und innovativ ist, bleibt er für immer „jung“. Und auch heute, vierzig Jahre nach seiner Entstehung, hat er seine Anziehungskraft beibehalten.

Titel: Angst
Regie: Gerald Kargl
Land/Jahr: Österreich / 1983
Laufzeit: 79’
Genre: Drama, Horrorfilm, Thriller
Cast: Erwin Leder, Robert Hunger-Bühler, Silvia Ryder, Karin Springer, Edith Rosset, Josefine Lakatha, Rudolf Götz, Renate Kastelik, Hermann Groissenberger, Claudia Schinko, Beate Jurkowitsch, Rosa Schandl, Rolf Böck, Emil Polaczek, Helmut Hrdina, Adolf Hagmann, Karl Riepl, Gunther Dietz
Buch: Zbigniew Rybczynski, Gerald Kargl
Kamera: Zbigniew Rybczyński
Produktion: Gerald Kargl

Info: Die Seite von Angst auf iMDb; Die Seite von Angst auf der Webseite der Viennale