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KLIMT

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von Raúl Ruiz

Note: 6

Realisiert und geschnitten wie eine ideale Fortsetzung seines künstlerischen Nachlasses, inszeniert Klimt eine dramatische Darstellung von Episoden aus dem Leben des Malers, in einem stark visionären und künstlichen Wien. Auf der Viennale 2023, Retrospektive Raúl Ruiz.

Das Leben eines Künstlers

Der im Rahmen der Retrospektive über Raúl Ruiz bei der Viennale 2023 präsentierte Film Klimt, der 2006 gedreht wurde und dem genialen Wiener Maler Gustav Klimt gewidmet ist, ist eine beeindruckende Allegorie auf das Leben des Künstlers, die sich von klassischen Biopic-Hommagen stark unterscheidet. Ein interessantes Projekt, das des chilenischen Filmemachers Ruiz, das aber nicht ganz gelungen ist. Während die Idee, Klimt zu einer Art träumerischem, spirituellem Testament zu machen, potenziell interessant ist, wirkt die Umsetzung verwirrend und macht die Erzählung schwer verständlich und unterhaltsam.

Gustav Klimt (gespielt von John Malkovich) liegt auf dem Sterbebett, assistiert von seinem Schüler Egon Schiele (Nikolai Kinski) – der in diesem heiklen Moment ein großartiges Gemälde malen wird – und ist Opfer der Spanischen Grippe, die in jenen Jahren Europa erschüttert hat. Im Delirium, das ihm das Fieber bereitet, beginnt Klimt über sein Leben zu phantasieren, das aus Erfolgen, aber auch aus Exzessen und Skandalen besteht und dessen Fixpunkte seine Kunst und „seine“ Frauen sind, darunter die Modeschöpferin und Lebensgefährtin – wenn auch in einer offenen Beziehung – Emilie Flöge (Veronica Ferres) und die wohlhabende Serena Lederer (Sandra Ceccarelli), seine eigene Förderin. So wechseln sich Erinnerungen an Pariser Ausstellungen und die Secession mit langen philosophischen Gesprächen im Café Central ab; alles in Form von vielen kleinen Traumbildern, Ausdruck seines inneren Erlebens.

Als wäre es eine ideale Fortsetzung seines künstlerischen Erbes, inszeniert Klimt eine dramatische Darstellung bestimmter Episoden aus dem Leben des Malers in einem sehr imaginären und künstlichen Wien. Ruiz nutzt die mystische und allegorische Atmosphäre, um eine Reihe von Szenen zusammenzustellen, in denen Klimt sich selbst aber auch einige fiktive und unvollständige Versionen von sich selbst wiederfindet, wie so viele seiner Gemälde, die nie fertiggestellt wurden.

Kunst, seine Kunst, steht immer und in jedem Fall im Mittelpunkt der Szene und vor allem seiner Gedanken: Von den peinlichen Fragen, wie viele uneheliche Kinder er hat, bis hin zu seiner Besessenheit von Lea de Castro/Cléo de Mérode (Saffron Burrows), die er mehrfach geliebt und gemalt hat, dreht sich für Klimt alles darum, ein freier Künstler zu sein; frei zu lieben, frei, sich in philosophische Diskussionen zu stürzen und manchmal unpassende Worte zu sagen, frei, in all seinen Musen Erotik zu sehen. Bereichert mit einer eleganten Kameraführung – die kreisförmige Kamerafahrt entspricht der typischen Wiener Musik der Jahrhundertwende – ist der Tanz in Klimts endgültiger Fassung (es gibt eine 130-minütige Schnittfassung) ein ständiges Umherschweifen in den faszinierenden Kreisen, in denen sich der Künstler bewegte, auf der ständigen Suche nach der moralischen und intellektuellen Freiheit, die ihn in Konflikt mit so vielen seiner Kollegen und sogar mit der Wiener Sezession bringen sollte. All dies geschieht jedoch in einer diskontinuierlichen Weise, die den Zuschauer verwirrt. Und es ist nicht unbedingt der Zeitsprung, der uns verwirrt – da es sich um eine traumhafte Allegorie handelt, ist er auf jeden Fall geeignet -, sondern vielmehr der Mangel an Struktur und erzählerischer Kohärenz.

Das Ergebnis ist, dass Klimt, abgesehen von einer amüsanten Begegnung mit George Méliès, trotz einer ausgezeichneten, an Fellini erinnernden Grundidee überhaupt nicht unterhaltsam ist, da er ständig den Protagonisten, verfolgen muss, der mit einer unglaublichen Anzahl unehelicher Kinder, den psychischen Problemen seiner Mutter und seiner Schwester und schließlich mit einem Schiele jongliert, der zu dumm scheint. Erwähnenswert sind die Besetzung und die Kostüme, angefangen bei John Malkovich (der nicht nur durch seine ästhetische Ähnlichkeit überzeugt) bis hin zu den Schauspielerinnen, die in fantastischen, dem echten Flöge würdigen Kleidern das Wiener Fin-de-Siècle sehr getreu darstellen konnten.

Titel: Klimt
Regie: Raúl Ruiz
Land/Jahr: Österreich, Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich / 2006
Laufzeit: 97’
Genre: Filmbiografie, Drama
Cast: John Malkovich, Veronica Ferres, Stephen Dillane, Saffron Burrows, Sandra Ceccarelli, Nikolai Kinski, Aglaia Szyszkowitz, Joachim Bißmeier, Ernst Stötzner, Paul Hilton, Annemarie Düringer, Irina Wanka, Florentin Groll, Miguel Herz-Kestrenek, Marion Mitterhammer, Alexander Strobele, Georgia Reeve, Rainer Friedrichsen, Denis Petkovic, Stephan Paryla, Klaus Ofczarek, Georg Friedrich, Erwin Leder, Nicole Beutler, Karl Fischer, Martin Brambach
Buch: Raúl Ruiz, Gilbert Adair, Herbert Vesely
Kamera: Ricardo Aronovich
Produktion: Epo-Film, Film-Line, Lunar Films, Gémini Films, Österreichisches Filminstitut, Beta Film, CNC, Degeto Film, Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, Invicta Capital, ORF

Info: Die Seite von Klimt auf iMDb; Die Seite von Klimt auf der Webseite der Viennale; Die Seite von Klimt auf der Webseite der Austrian Film Commission