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I’M A STAR!

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von Stefan Stratil

Note: 7.5

Stefan Stratil, der schon immer mit neuen Filmsprachen durch bereits mehrfach angewandte Techniken experimentiert hat, hat sich nie gescheut, neue Wege zu gehen und zu wagen. Und in I’m a Star! ist es dem Regisseur gelungen, das Wesen der Liebes- und existenziellen Qualen des großartigen Frank Sinatra perfekt wiederzugeben.

„Hey Joe, I need another drink!“

Stefan Stratil ist einer der bekanntesten Namen des österreichischen Animations– und Avantgardefilms. Der Wiener Regisseur, Zeichner und Judoka (Schüler der berühmten Malerin und Filmemacherin Maria Lassnig) hat zahlreiche Kurzfilme gedreht, die auf den wichtigsten internationalen Festivals gezeigt und gefeiert worden sind, und dabei oft das Potenzial und die Möglichkeiten der siebten Kunst selbst voll ausgeschöpft, indem er in seinen Werken sogar mehrere kinematografische Techniken verwendet hat. Dies ist zum Beispiel bei dem 2002 entstandenen Kurzfilm I’m a Star! der Fall, der sich ganz auf die Figur des legendären Frank Sinatra konzentriert.

In I’m a Star! wird uns also alles ausschließlich aus der Perspektive von Sinatra selbst gezeigt. Das Gesicht von Ava Gardner steht in seinem Kopf im Mittelpunkt und gibt durch Mehrfachbelichtungen perfekt wieder, wie der amerikanische Schauspieler und Sänger sich fühlte. „Hey, Joe! I need another drink!“, sagt der Protagonist zu Beginn des Kurzfilms. Alkohol, so scheint es, ist das Einzige, was er noch hat. „I used to be great“. Und in einem schäbigen Hotelkorridor kann man sich noch verwirrter, noch verstörter, noch einsamer fühlen.

Der Frankieboy-Comic von Stefan Stratil und Peter Friedrich erwacht auf der Kinoleinwand auf magische Weise zum Leben und wird manchmal auch in Stop-Motion animiert. Eine Zigarette – ausschließlich in Live-Action gefilmt – brennt sehr, sehr schnell. Psychedelische Farben bringen uns sofort in die Gedankenwelt des Protagonisten. Mehrfachbelichtungen, zweidimensionale Zeichnungen und historische Fotografien tun ihr Übriges, und durch einen gekonnten und feinen Schnitt und die Musik von Louie Austen bilden sie in I’m a Star! eine wunderschöne Harmonie.

Ja, denn in der Tat hat Stefan Stratil, der immer gerne mit neuen Filmsprachen mithilfe von bereits mehrfach verwendeten Techniken experimentiert, nie Angst davor gehabt, etwas zu wagen, neue Wege zu gehen. Und in I’m a Star! hat der Regisseur tatsächlich die Essenz der Liebes- und existenziellen Qualen von Frank Sinatra, seine Besessenheit von Ava Gardner („oder war es Kim Novak?“), seinen Hass/Liebe zum Alkohol, seinen einzigen Begleiter in den traurigen Nächten, die er in einem nun leeren Hotel verbrachte, vollständig wiedergegeben.

Extrem fein und bis ins kleinste Detail durchdacht, erweist sich I’m a Star! somit als wahres visuelles und auditives Erlebnis. Ein Film, der uns überrascht, da er jede vorgegebene Regel bricht und gleichzeitig der Vergangenheit große Ehrfurcht entgegenbringt. Der legendäre Frank Sinatra wird uns hier in seinen verwundbarsten Momenten mit Mitgefühl, aber auch mit feiner Ironie gezeigt. Eine Legende aus der Vergangenheit findet durch die Zeichnungen und die Kamera von Stefan Stratil eine neue Form. Eine Form, die uns überrascht, die uns amüsiert, die wir wirklich mögen.

Titel: I’m a Star!
Regie: Stefan Stratil
Land/Jahr: Österreich / 2002
Laufzeit: 6’
Genre: Animationsfilm, Experimentalfilm
Buch: Stefan Stratil
Kamera: Stefan Stratil
Produktion: Stefan Stratil

Info: Die Seite von I’m a Star! auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von I’m a Star! auf der Webseite der Viennale