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ANNA FUCKING MOLNAR

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von Sabine Derflinger

Note: 7

Sabine Derflinger hat in Anna Fucking Molnar vor allem mit bestimmten Konstanten ihres Kinos gespielt und ihren Film zu einer hochaktuellen Komödie mit einem starken feministischen Touch gemacht.

Die Stärke einer Frau

Wie schwer ist es, sich in der Arbeitswelt zu etablieren, wenn diese immer noch ein stark patriarchalisches Umfeld ist? Die gefeierte Schauspielerin Anna Molnar (gespielt von Nina Proll, die auch das Drehbuch geschrieben hat), die Protagonistin der Liebeskomödie Anna Fucking Molnar, die 2017 unter der Regie von Sabine Derflinger entstanden ist und die thematisch ganz im Sinne des Kinos der Welser Regisseurin und Dokumentarfilmerin ist, weiß das genau.

Hier wird also die Geschichte von Anna erzählt, die sich auf die Premiere eines Theaterstücks, in dem sie die Hauptrolle spielt, vorbereitet, aber kurz vor dem Auftritt ihren Partner Laszlo (gespielt von Gregor Bloeb, der auch in Wirklichkeit ihr Partner ist) dabei erwischt, wie er sie in der Garderobe mit einer jüngeren Kollegin betrügt. Nachdem sie einen Cocktail aus Alkohol und Tabletten getrunken hat, wird sie auf der Bühne krank und wird von dem Feuerwehrmann Christian (Murathan Muslu) gerettet, mit dem sie eine Beziehung beginnt, der aber noch etwas mit seiner Ex-Frau (Franziska Weisz) zu klären hat. Wird unsere Anna die Kontrolle über ihr Leben zurückgewinnen und endlich lernen, sich selbst zu lieben?

In Anna Fucking Molnar sehen wir also, wie die Protagonistin sich in einer reinen Männerwelt praktisch allein wiederfindet: Ihr Ex-Partner Laszlo (ein Regisseur und Theaterschauspieler) schickt sie weg und verlangt 30. 000 Euro, nachdem sie ihm die Premiere vermasselt hat; ihr Vater (Uwe Ochsenknecht) ist mit einer viel jüngeren Frau (Nadeshda Brennicke) verheiratet, hat aber weiterhin zahlreiche Liebhaberinnen; Christian schließlich erweist sich zwar als liebenswürdiger und verständnisvoller Mann, scheint aber Schwierigkeiten zu haben, sie loszulassen, da er noch zu sehr in die gerade beendete Beziehung mit seiner Frau verstrickt ist.

Sabine Derflinger ihrerseits hat vor allem mit bestimmten Konstanten ihres Kinos gespielt, was ihren Film Anna Fucking Molnar zu einer hochaktuellen Komödie mit einem starken feministischen Touch macht. Anna schafft es trotz zahlreicher Schwierigkeiten, für sich selbst zu sorgen. Gleichzeitig erweisen sich die Männer in ihrem Leben oft als zu „schwach“ und emotional, vor allem wenn sie ihre „Männlichkeit“ unter Beweis stellen müssen. Die Regisseurin scheut sich daher nicht, auch „unbequeme“ Themen wie Sex, männliche Impotenz und Ungerechtigkeit in der Arbeitswelt anzusprechen. Und doch wird all dies nie vulgär oder banal behandelt, sondern ist perfekt in eine Liebeskomödie eingebettet, die insgesamt gut geschrieben und inszeniert ist, was bestimmte Nebenfiguren (und eine schöne traumhafte Szene, in der Anna im Stil einer Diva der 1960er Jahre zusammen mit den Männern in ihrem Leben eine Choreografie im Schwimmbad improvisiert) zu weiteren Zugpferden macht.

Besonders hervorzuheben sind in Anna Fucking Molnar die männlichen Figuren, die der Protagonistin das Leben nicht immer leicht machen: Neben ihrem Vater, Christian und Laszlo sind die Charaktere ihres Psychologen (Robert Palfrader), des exzentrischen Regisseurs Bernd (Markus Schleinzer) und des Urologen ihres Vaters (der immer ausgezeichneter Simon Schwarz) sehr interessant. In diesem Karussell von Charakteren, die bestimmte Klischees zu ihrer Stärke machen, gelingt es Anna Fucking Molnar also auf ihre Weise, ein umfassendes und desillusioniertes Porträt der Welt, in der wir leben, zu zeichnen. Es ist nicht leicht, eine Frau zu sein, stimmt. Doch trotz allem findet man immer einen Weg, um zu überleben.

Titel: Anna Fucking Molnar
Regie: Sabine Derflinger
Land/Jahr: Österreich / 2017
Laufzeit: 100’
Genre: Filmkomödie, Liebesfilm
Cast: Nina Proll, Murathan Muslu, Uwe Ochsenknecht, Nadeshda Brennicke, Franziska Weisz, Florentina Winkler, Michael Klammer, Gregor Bloéb, Robert Palfrader, Simon Schwarz, Markus Schleinzer, Alma Hasun, Mavie Hörbiger, Alexander Stecher, Tony Rei, Monika Gossmann, Eva Herzig, Sophie Prusa, Nora Summer, Nina Lang, Elisabeth Fritsche, Dolores Winkler, Michael Ostrowski, Caroline Frank, Dominic Marcus Singer, Viktor Krüger
Buch: Nina Proll, Ursula Wolschlager
Kamera: Carsten Thiele
Produktion: MR Filmproduktion, Novotny & Novotny Filmproduktion, Witcraft Filmproduktion

Info: Die Seite von Anna Fucking Molnar auf iMDb; Die Seite von Anna Fucking Molnar auf der Webseite des Österreichischen Filminstituts