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LEISE FLIEHEN MEINE LIEDER

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von Willi Forst

Note: 8

Die fiktionalisierte Schwarz-Weiß-Version des Lebens des Komponisten Franz Schubert in Leise fliehen meine Lieder, dem Spielfilmdebüt von Willi Forst, ist ein Werk, das den romantischen Zeitgeist des 19. Jahrhunderts verkörpert.

Würdige Hommage an Franz Schubert

Als eines der ersten Biopics der europäischen Filmgeschichte ist das Regiedebüt des Schauspielers und Sängers Willi Forst eine Hommage an den weltberühmten Komponisten Franz Schubert, einen echten Wiener, der sehr jung an Typhus starb. Leise fliehen meine Lieder inszeniert so ein musikalisches Melodram, das das kurze Leben des in der Nussdorfer Straße 54 geborenen Komponisten fiktionalisiert.

Der Film beginnt mit dem noch unbekannten Schubert (der berühmte Hans Jaray), der seine Gitarre verpfänden muss, um die Miete bezahlen zu können. In der Pfandleihe trifft er Emmy (Luise Ullrich, Coppa Volpi bei den Filmfestspielen von Venedig 1941), die nette Tochter des Eigentümers, die, beeindruckt von der ehrlichen und freundlichen Haltung des jungen Musikers, sogar mehr für das Instrument bezahlt. Natürlich wird diese Geste die beiden näher zusammenbringen. Der Wendepunkt von Leise fliehen meine Lieder wird dank des Kapellmeisters Antonio Salieri kommen, der den meisten als „Feind“ eines anderen frühreifen Musikgenies, Wolfgang Amadeus Mozart, dank Miloš Formans Drama Amadeus in Erinnerung geblieben ist.

Der venezianische Musiker, gespielt von dem zukünftigen Burgtheaterdirektor Raoul Aslan, bietet Schubert eine Festanstellung als Assistent an, nachdem er in der Stadt von seinem Talent gehört hat. Eine ungewöhnliche Aufführung und eine noch nicht vollendete Sinfonie geben Schubert die Gelegenheit, die zweideutige Gräfin Caroline Esterházy (Sopranistin Martha Eggerth) kennenzulernen, die den armen Musiker sowohl mit Interesse als auch herablassend behandelt. Die unerwartete Dreiecksbeziehung, die zwischen Schubert und den beiden Frauen ganz zufällig entsteht, wird alle irritieren.

Der Titel Leise flehen meine Lieder basiert auf der ersten Strophe von Ludwig Rellstabs Gedicht Ständchen, das später von Schubert im Werkzyklus Schwanengesang vertont wurde. In diesem Film aus dem Jahr 1933 wirkten außerdem die Wiener Sängerknaben, der Wiener Knabenchor und der Chor der Staatsoper mit. Schließlich geht man bei Schuberts Sinfonien immer auf Nummer sicher. Die gute Qualität des Projekts und die innovative Perspektive des Debütanten Forst haben in der Tat einen neuen Weg gefunden, Franz Schuberts Operette ein neues filmisches Gesicht zu geben und die für seine Kompositionen typischen biedermeierlichen Empfindsamkeit und Romantik im Film unsterblich zu machen.

Mit einer erstklassigen Besetzung und musikalisch begabten Darsteller:innen repräsentiert Leise fliehen meine Lieder auch am besten die Vielfalt der großen k.u.k.-Monarchie und verdeutlicht die – auch kulturelle – Distanz zwischen Wien und dem Hof der Esterhazy in Ungarn.

Voller Zitate und Anekdoten, die direkt aus Schuberts kurzem Leben stammen, enthält Willi Forsts sorgfältige Arbeit als passenden Abschluss das berühmte Ave Maria, hier das geistliche Testament des Komponisten, der 1828 in der Kettenbrückengasse starb. Franz Schubert, der trotz seines kurzen Lebens bereits weltberühmt war, wird auch dank Leise fliehen meine Lieder in der klassischsten aller romantischen Atmosphären verdient in die Geschichte eingehen. Entschuldigen Sie, Biedermeier.

Die iktionalisierte Version seines Lebens in Leise fliehen meine Lieder ist ein Werk, das perfekt den romantischen Zeitgeist des 19. Jahrhunderts verkörpert. Genau neunzig Jahre nach seiner Entstehung gelingt es dem Film daher immer noch, ein großartiges Porträt des Komponisten zu sein, das durch Noten aus einzigartigen Partituren bereichert wird. Dankeschön, Willi.

Titel: Leise fliehen meine Lieder
Regie: Willi Forst
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 1933
Laufzeit: 85’
Genre: Filmbiografie, Drama, Musikfilm, Liebesfilm
Cast: Martha Eggert, Luise Ullrich, Hans Jaray, Hans Moser, Otto Treßler, Hans Olden, Lisl Reisch, Ernst Arndt, Raoul Aslan, Karl Forest, Blanka Glossy, Anna Kallina, Paul Wagner, Gucki Wippel
Buch: Willi Forst, Walter Reisch
Kamera: Albert Benitz, Franz Planer
Produktion: Cine-Allianz Tonfilmproduktions

Info: Die Seite von Leise fliehen meine Lieder auf iMDb