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FLÖSSEREI AUF DER SALZA

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von Karl Köfinger

Note: 7.5

Der Regisseur Karl Köfinger hat sich immer als sehr mutig erwiesen, wenn es darum ging, mit neuen Sprachen und neuen Lesarten des Kinos zu experimentieren und sich dabei gleichzeitig der damaligen Zeit anzupassen. Sein Film Flösserei auf der Salza kann daher heute als eines seiner ungewöhnlichsten und mutigsten Werke betrachtet werden, als ein wertvolles Dokument der Vergangenheit und der österreichischen Filmgeschichte.

An der schönen blauen Salza

Der Regisseur Karl Köfinger – auch Gründer der Produktionsfirma Ing. Köfinger-Film – ist vor allem durch eine lange Reihe von touristischen Kurzdokumentarfilmen für die österreichische Post bekannt, hat aber im Laufe seiner langen und produktiven Karriere auch zahlreiche andere Dokumentarfilme gedreht, die uns bestimmte Realitäten im Österreich der 1920er und 1930er Jahre zeigen. So dokumentiert der Dokumentarfilm Flösserei auf der Salza aus dem Jahr 1927, der kürzlich vom Filmarchiv Austria anlässlich der Retrospektive Kino auf Sommerfrische wieder dem Publikum präsentiert wurde, den Transport von Holz aus dem Mariazeller Gebiet nach Großreifling, genauer gesagt über die Salza.

Es handelt sich um einen Dokumentarfilm, der für seine Zeit eher untypisch ist, wenn man an die zahlreichen anderen Werke denkt, die zur gleichen Zeit entstanden sind, und die einen ausgesprochen klassischen Ansatz verfolgen. Um die Arbeit der Arbeiter und den gefährlichen Weg des Holztransports zu zeigen, wird nämlich zunächst die Schleuse von Presceny gezeigt, die ursprünglich 1848 gebaut wurde (und deren Bau hier durch Einblendungen von historischen Fotos dokumentiert wird) und die 1928 weiter modernisiert wurde. Trotz allem war sie immer noch ein sehr gefährlicher Weg für den Holztransport.

Das ist wohl der Grund, warum Flösserei auf der Salza fast wie ein echter Abenteuerfilm wirkt. Bei dieser Gelegenheit hat der Regisseur nämlich seine Kamera auf einem Floß platziert, auf dem die Arbeiter während der Fahrt an Bord gingen, und hat, insbesondere zwei von ihnen folgend, die ganze Fahrt inklusive Stromschnellen und starker Strömungen genauestens dokumentiert.

Hier haben wir es mit einem Beispiel für das Kino des Realen in seiner reinsten Form zu tun, bei dem die wenigen, aber wesentlichen Bildunterschriften – die uns die Situation, die wir gleich erleben werden, näher bringen – bald ausschließlich den Bildern Platz machen, sodass wir eine adrenalingeladene Erfahrung erleben, wie sie damals beim Betrachten eines Dokumentarfilms selten vorkam. Und wenn man bedenkt, dass die damals gedrehten Dokumentarfilme in der Regel nur wenige Minuten dauerten, erscheint ein solcher Regieansatz heute noch ungewöhnlicher. Und noch faszinierender.

Und Karl Köfinger hat sich immer als mutiger Filmemacher erwiesen, wenn es darum ging, mit neuen Sprachen und neuen Lesarten des Kinos zu experimentieren und sich dabei teilweise der damaligen Zeit anzupassen. Sein Film Flösserei auf der Salza kann daher heute als eines seiner ungewöhnlichsten und mutigsten Werke betrachtet werden, als ein wertvolles Dokument der Vergangenheit und der österreichischen Filmgeschichte.

Titel: Flösserei auf der Salza
Regie: Karl Köfinger
Land/Jahr: Österreich / 1927
Laufzeit: 5’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Karl Köfinger
Kamera: Karl Köfinger
Produktion: Ing. Köfinger-Film

Info: Die Webseite des Filmarchiv Austria