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FUNNY GAMES U.S.

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von Michael Haneke

Note: 8.5

In Funny Games U.S. hat uns Michael Haneke vor allem gezeigt, dass sich bestimmte Dynamiken auch nach mehreren Jahren nicht verändert haben. Die großbürgerliche Gesellschaft, aber auch die grundlose Gewalt und vor allem die Macht der Inszenierung werden getreu dem, was bereits zehn Jahre zuvor in Funny Games inszeniert worden war, neu inszeniert.

Nichts ändert sich

1997 hatte Regisseur Michael Haneke eines seiner Meisterwerke gedreht: Funny Games. Ein Film, in dem nicht nur die Gewalt, sondern gerade die Inszenierung von Gewalt und die besondere Beziehung zwischen Regisseur und Zuschauer eine zentrale Rolle spielen. Nach dem Erfolg des Spielfilms in Österreich entschloss sich Haneke daher zehn Jahre später, ein Remake zu drehen. Ein Remake, das sowohl in Bezug auf das Drehbuch als auch auf die Inszenierung praktisch identisch mit dem Originalfilm ist und bei dem sich im Grunde nur die Besetzung ändert: Funny Games U.S..

Es handelt sich um eine ausgesprochen singuläre Operation. Wenn es in der Tat häufig vorkommt (vor allem in den letzten Jahren), dass Filme, die in der Vergangenheit recht erfolgreich waren, in einer neuen Fassung (in der Regel von anderen Regisseur:innen) wieder dem Publikum vorgestellt werden, so mag es doch recht eigenartig erscheinen, wenn es der Regisseur des Originalfilms selbst ist, der eine praktisch identische Version, auch nach nur wenigen Jahren, machen will. Michael Haneke begründete seine Entscheidung seinerzeit mit der Notwendigkeit, seinen Film einem breiteren Publikum bekannt zu machen, da Funny Games im Ausland keine große Verbreitung gefunden hatte und daher ein amerikanischer Film mit einer renommierten Besetzung (u. a. Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt und Brady Corbet) sicherlich mehr Zuschauer ins Kino gebracht hätte.

Doch die Bedeutung dieser Operation ist in Wirklichkeit viel tiefer. In Funny Games U.S. hat uns Haneke vor allem gezeigt, dass sich bestimmte Dynamiken auch nach zehn Jahren nicht geändert haben. Die großbürgerliche Gesellschaft, aber auch die grundlose Gewalt und vor allem die Macht der Inszenierung werden in der Geschichte einer ruhigen kleinen Familie, die beschließt, ein paar Tage Urlaub in ihrem Haus am See zu machen, getreu wiedergegeben. In dem Moment, in dem zwei scheinbar nette Kerle, die sich dann als unglaublich sadistisch und rücksichtslos erweisen werden, in ihrem Haus ankommen, wissen wir bereits, wie die Geschichte enden wird.

Ähnlich wie der erste Spielfilm (dessen Analyse bereits durchgeführt wurde), wiederholt Funny Games U.S. einen Diskurs, der in Hanekes Werken bereits umfassend behandelt wurde und der in diesen beiden Filmen seine absolute Erhabenheit findet. Natürlich wird man beim Betrachten beider Werke versuchen, die minimalen Unterschiede, die sie kennzeichnen, zu entdecken. Und tatsächlich ändert sich etwas, auch wenn die wenigen Unterschiede kaum wahrnehmbar sind und das Wesentliche dasselbe bleibt.

Während also eine der berühmtesten Szenen in Funny Games die zehnminütige Plansequenz, in der wir Anna (anfangs gespielt von Susanne Lothar) sehen, wie sie sich von der Tötung ihres Kindes erholt, ist, dauert diese Szene in Funny Games U.S. wesentlich weniger lang. So passiert es auch, als wir den Schuss, der das Kind tötet, hören, während wir gleichzeitig Arno Frisch in Funny Games und Michael Pitt in Funny Games U.S. sehen, während er sich in der Küche ein Sandwich zubereitet.

Warum diese Entscheidung? Vielleicht wollte sich Haneke (wenn auch nur leicht) an einen Mainstream-Ansatz, der einen Großteil des amerikanischen Kinos kennzeichnet, anpassen? Das können wir nicht mit Sicherheit sagen. Tatsache ist, dass Funny Games U.S. immer noch ein hervorragendes, unglaublich wirkungsvolles, verstörendes und komplexes Werk ist. Ein Film, der uns zeigt, wie all das Schlechte in der Gesellschaft auf traurige Weise immer präsent bleibt und wie gleichzeitig das Kino, die Fiktion und bestimmte Herangehensweisen in Wirklichkeit viel wahrer sein können als das, was wir jeden Tag vor unseren Augen sehen.

Titel: Funny Games U.S.
Regie: Michael Haneke
Land/Jahr: USA, Österreich / 2007
Laufzeit: 111’
Genre: Drama, Thriller
Cast: Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt, Brady Corbet, Devon Gearhart, Boyd Gaines, Siobhan Fallon Hogan, Robert LuPone, Susi Haneke, Linda Moran
Buch: Michael Haneke
Kamera: Darius Khondji
Produktion: Celluloid Dreams, Halcyon Pictures, Tartan Films, Wega Film

Info: Die Seite von Funny Games U.S. auf iMDb