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*WOMEN (NICO)

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von Karin Fisslthaler

Note: 7.5

*Women (Nico) beginnt, ausgehend von der Figur der legendären Sängerin, einen Diskurs, der weitaus komplexer und aktueller ist, als es auf den ersten Blick scheinen mag, indem der Film sofort universelle Konnotationen annimmt und gleichzeitig eine Hommage an eine Künstlerin, die im letzten Jahrhundert die Geschichte der Musik (und der Popkultur) geprägt hat, darstellt. Auf dem Festival Sotto le Stelle dell’Austria 2023.

Eine Nico, viele Nico

Nico (1938 – 1988), Musikerin, Model und Schauspielerin, geboren als Christa Päffgen, wurde im Laufe der Jahre dank ihres außergewöhnlichen Talents und ihres ereignisreichen Lebens, das leider viel zu früh endete, zu einer wahren Legende. Viele Künstler:innen (natürlich auch im Filmbereich) haben sich von ihrer ikonischen Figur inspirieren lassen und Werke geschaffen, die uns jedes Mal einen neuen Aspekt des Lebens der Kölner Sängerin zeigen. Man denke nur an den Spielfilm Nico, 1988, der 2017 von Susanna Nicchiarelli gedreht wurde, um nur ein Beispiel zu nennen. Ein weiteres bemerkenswertes Werk im Filmbereich ist der musikalische Kurzfilm *Women (Nico) von Karin Fisslthaler, der bereits auf dem Tricky Women/Tricky Realities Film Festival in Wien gezeigt wurde und in Italien im Rahmen des Festivals Sotto le Stelle dell’Austria 2023 uraufgeführt werden wird.

In *Women (Nico) sehen wir also ein Foto von Nico (rein in schwarz-weiß), das immer wieder zerlegt, in zahlreiche Teile zerschnitten und wie eine Collage wieder zusammengesetzt wird. Das Bild der Sängerin bekommt so bisweilen fast abstrakte Züge, und auch dank der entsprechenden elektronischen Musik von Cherry Sunkist wird das, was wir auf der Leinwand sehen, zu einem echten visuellen (und auditiven) Erlebnis.

Nicos Leben war, wie man weiß, nicht immer einfach. So sehen wir auch, wie sein eigenes Bild jedes Mal in zahlreiche Teile zerschnitten wird, die wiederum in Form von abstrakten Bildkompositionen angeordnet werden. Gegen Ende des Kurzfilms sehen wir sogar, wie das oben erwähnte Foto (diesmal endlich vollständig) zerknittert wird, bevor es wieder genau so wird, wie es vorher war. Als ob nichts geschehen wäre. Die außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit, die das Leben der Künstlerin kennzeichnete, wird hier von Karin Fisslthaler auf ganz subjektive und visuell fesselnde Weise in einem Kurzfilm dargestellt, in dem Bilder und Musik als zwei untrennbare Einheiten präsentiert werden.

Doch *Women (Nico) ist nicht nur das. Ausgehend von der legendären Figur der Sängerin beginnt *Women (Nico) nämlich einen viel komplexeren und aktuelleren Diskurs, als es zunächst scheinen mag. Die Nico dieses kleinen und feinen Kurzfilms von Karin Fisslthaler steht nämlich stellvertretend für all die Frauen der Vergangenheit und der Gegenwart, die sich täglich zahlreichen Kämpfen stellen müssen, um ihre Rechte durchzusetzen, um sich Gehör zu verschaffen, um endlich glücklich zu sein. Wir sehen also, wie dieser Kurzfilm sofort universelle Konnotationen annimmt und gleichzeitig eine Hommage an eine Künstlerin darstellt, die im letzten Jahrhundert die Geschichte der Musik (und der Popkultur) geprägt hat. Eine kleine und aufrichtige Hommage an sie und an alle Frauen, die die Welt, in der wir leben, jeden Tag besser machen.

Titel: *Women (Nico)
Regie: Karin Fisslthaler
Land/Jahr: Österreich / 2021
Laufzeit: 2’
Genre: Animationsfilm, Musikfilm
Buch: Karin Fisslthaler
Kamera: Karin Fisslthaler
Produktion: Karin Fisslthaler

Info: Die Seite von *Women (Nico) auf der Webseite von Karin Fisslthaler; Die Seite von *Women (Nico) auf der Webseite der Diagonale