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SERVIAM – ICH WILL DIENEN

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von Ruth Mader

Note: 7.5

Serviam – Ich will dienen fällt sofort durch seine Kameraeinstellungen auf, die den Schulhof, aber auch das Innere der Schule zeigen, die so kalt und perfekt aufgeräumt sind, dass sie sofort ein gewisses Unbehagen vermitteln. Die Stimme eines kleinen Mädchens rezitiert ein Gebet. Im Internat scheint das Leben ruhig und ohne besonders bemerkenswerte Ereignisse zu verlaufen. Das Gefühl, dass etwas Schreckliches passieren wird, begleitet uns jedoch von Anfang bis Ende. Beim Festival Sotto le Stelle dell’Austria 2023.

Beunruhigende Geheimnisse

Frisch vom Locarno Film Festival 2022 gekommen und schließlich auch in Italien anlässlich des Festivals Sotto le Stelle dell’Austria 2023, uraufgeführt, ist Serviam – Ich will dienen der jüngste Spielfilm der Regisseurin Ruth Mader, der fünf Jahre nach Life Guidance entstanden ist und sowohl wegen der heiklen Themen, die er behandelt, als auch wegen seiner präzisen Inszenierung und der hervorragenden Leistung von Maria Dragus großes Interesse erregt hat. Ja, denn die Regisseurin hat sich bei der Realisierung dieses Werks stark an früheren Filmen (sowohl aus Österreich als auch aus dem Rest der Welt) orientiert und gleichzeitig etwas ganz Persönliches mit einer eigenen, ausgeprägten Persönlichkeit geschaffen.

Die Geschichte spielt also in den 1980er Jahren in einem renommierten katholischen Mädcheninternat. Eine junge Nonne (Maria Dragus) scheint die einzige Person zu sein, die in einer Welt, in der Patriarchat und Kapitalismus eine zentrale Rolle im Alltag zu spielen scheinen, einen starken, sehr starken religiösen Glauben bewahrt hat. Martha, eines der Mädchen im Internat, scheint ebenfalls eine starke religiöse Berufung zu haben, und so beschließt die Nonne, ihr einen Bußgürtel zu schenken, der ihr jedoch schwere Verletzungen verursacht. In der Überzeugung, dass es sich um Stigmata handelt, sondert die Frau Martha im fünften Stock des Gebäudes ab und lässt alle glauben, dass sich das Mädchen vorübergehend in Spanien mit ihren Eltern befindet. Wie lange wird es ihr gelingen, die Wahrheit zu verbergen?

Serviam – Ich will dienen beeindruckt den Zuschauer von den ersten Bildern an, dank der starren Kameraeinstellungen des Schulhofs, aber auch der Innenräume, die so kalt und perfekt aufgeräumt sind, dass sie sofort ein gewisses Unbehagen vermitteln. Die Stimme eines kleinen Mädchens rezitiert ein Gebet. Im Internat scheint das Leben ruhig und ohne besonders bemerkenswerte Ereignisse zu verlaufen. Das Gefühl, dass etwas Schreckliches geschehen wird, begleitet uns jedoch von Anfang bis Ende.

Die dunklen, engen Flure, durch die die Figuren, fast immer von hinten aufgenommen, gehen, lassen sofort an Jessica Hausners Hotel (2004) denken, in dem die dargestellten Umgebungen eine ebenso wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig erinnert das Mädcheninternat, das die unvermutetsten und beunruhigendsten Geheimnisse hütet, deutlich an den Film Suspiria (1977) von Dario Argento. Und doch lässt sich Serviam – Ich will dienen nicht von seinen ‚Vorgängern‘ einschüchtern und erzählt mit Würde eine Geschichte, die zwar vor rund vierzig Jahren spielt, aber auch hochaktuell ist. Eine Geschichte, in der eine Frau, völlig allein, um jeden Preis eine Realität zu verteidigen versucht, die für immer verschwinden könnte. Dabei macht sie aber oft auch sehr, sehr schwere Fehler.

Es ist kein Zufall, dass Ruth Mader Serviam – Ich will dienen in einem Mädcheninternat angesiedelt hat (wir sollten nicht vergessen, dass sie selbst als Kind ein katholisches Internat besucht hat). In dieser Realität, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, werden die Frauen, die sich für dieses Leben entschieden haben, nicht einmal als Frauen angesehen, da sie keine Kinder bekommen können (besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Szene, in der der Vater eines der Mädchen – gespielt von Udo Samel – mit der jungen Nonne spricht und sowohl ihre Erziehungsmethoden als auch ihren Lebensstil kritisiert). Und so bekommt der hier inszenierte religiöse Fanatismus sofort eine viel breitere und universelle Bedeutung und wird zu einer wichtigen Metapher für die Gesellschaft und die Welt, in der wir leben. Ruth Mader weiß sehr genau, was sie uns mitteilen will, und sie tut dies in ihrem Serviam – Ich will dienen ohne Angst vor Übertreibung oder davor, uns weh zu tun. Gibt es überhaupt eine Chance auf Erlösung?

Titel: Serviam – Ich will dienen
Regie: Ruth Mader
Land/Jahr: Österreich / 2022
Laufzeit: 106’
Genre: Drama, Thriller
Cast: Maria Dragus, Anna Elisabeth Berger, Sophia Gómez-Schreiber, Fritz Karl, Leona Lindinger, Maria Lohn, Petra Morzé, Monica Reyes, Udo Samel, Florian Teichtmeister
Buch: Martin Leidenfrost, Ruth Mader
Kamera: Christine A. Maier
Produktion: Epo-Film, Ruth Mader Filmproduktion

Info: Die Seite von Serviam – Ich will dienen auf iMDb; Die Webseite von Serviam – Ich will dienen