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ISSUES WITH MY OTHER HALF

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von Anna Vasof

Note: 7

Issues with my other Half ist ein äußerst aktueller und überraschender Film. Nicht nur die vielen Möglichkeiten des Kinos, sondern auch – und vor allem – äußere Faktoren, die dazu geführt haben, dass wir selbst nicht mehr das sind, was wir vor wenigen Jahren waren, sind hier (fast) die Protagonisten. Auf dem Festival Sotto le Stelle dell’Austria 2023.

Mit dem Körper (und dem Kino) spielen

Wie viele (und welche) Möglichkeiten hat das Kino, die Realität zu manipulieren? Wie wir alle wissen, kann man mit der Kamera, dem Schnitt und den Spezialeffekten auf so viele Arten spielen, wie man will, und jedes Mal etwas völlig Neues und Überraschendes schaffen. Regisseurin Anna Vasof, die Spaß daran hatte, ihren eigenen Körper in dem Kurzfilm Issues with my other Half, der bereits auf dem Tricky Women/Tricky Realities Film Festival gezeigt wurde und seine italienische Premiere beim Festival Sotto le Stelle dell’Austria 2023 hatte, zu „modifizieren“.

In diesem Fall spielt die Regisseurin also auch die Hauptrolle. Und schon in den ersten Bildern sehen wir, was wir nicht erwarten: Eine Sanduhr verdeckt das Gesicht der Regisseurin. Wenn die Sanduhr auf den Kopf gestellt wird, passiert das Gleiche mit dem Bild der Protagonistin. Aber das ist noch nicht alles. Eine Maske wird als Steinschleuder benutzt. In dem Moment, in dem die Regisseurin sie gegen einen Spiegel wirft, landet dieselbe Maske auf magische Weise auf ihrem eigenen Gesicht.

Der gekonnte Schnitt bietet uns übrigens Bilder, die gleichzeitig komisch und bedeutungsvoll sind: Das Gesicht der Regisseurin erscheint uns nun auf dem Kopf stehend, ohne Augen, völlig „leer“ und mit ihren Gesichtszügen auf der Hülle eines Mobiltelefons. Das gleiche Mobiltelefon, in das sich an einem bestimmten Punkt der gesamte Kopf der Protagonistin verwandelt. Wenn wir also Beine anstelle von Armen sehen und umgekehrt, oder sogar den in zwei Hälften geteilten Körper der Frau, die auf einer Schaukel schwingt oder von einem Boot aus ins Wasser springt, wird uns bewusst, wie das Kino die unvorstellbarsten Geschichten zum Leben erwecken kann.

Issues with my other Half ist also ein äußerst aktueller und überraschender Film. Nicht nur die zahlreichen Möglichkeiten des Kinos, sondern auch – und vor allem – äußere Faktoren, die dazu geführt haben, dass wir selbst nicht mehr das sind, was wir noch vor wenigen Jahren waren, spielen hier (fast) die Hauptrolle. Die Pandemie, aber auch die Technologie und die Mobiltelefone, die unseren Alltag so sehr prägen, werden von Anna Vasof nie banal oder rhetorisch erwähnt und werden in dieser einzigartigen Inszenierung zum Bestandteil einer Art Divertissement mit magnetischen und fesselnden Bildern.

In Issues with my other Half wird die Animation also von Szenen abgeleitet, die vollständig in Live-Action gedreht wurden, und erhält dank eines dynamischen und „phantasievollen“ Schnitts eine ganz bestimmte Bedeutung. Anna Vasof weiß genau, was sie uns mitteilen will. Und sie tut es auch mit Ironie und Selbstironie, wobei sie Spaß daran hat, jedes Mal mit neuen Sprachen zu experimentieren, um uns von der Welt, in der wir leben, zu erzählen. Ein vielversprechendes Talent, das uns in Zukunft sicher noch viele schöne Überraschungen bescheren wird.

Titel: Issues with my other Half
Regie: Anna Vasof
Land/Jahr: Österreich / 2022
Laufzeit: 5’
Genre: Experimentalfilm, Animationsfilm
Cast: Anna Vasof
Buch: Anna Vasof
Kamera: Anna Vasof
Produktion: Anna Vasof

Info: Die Seite von Issues with my other Half auf iMDb; Die Seite von Issues with my other Half auf der Webseite vom Tricky Women/Tricky Realities Film Festival; Die Seite von Issues with my other Half auf der Webseite der sixpackfilm