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DIE LETZTE BRÜCKE

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von Helmut Käutner

Note: 8

Die letzte Brücke ist ein tiefsinniges und berührendes Drama, das uns in einer Zeit, in der die Menschen versuchten, die dramatischen Ereignisse der vorangegangenen Jahre zu verarbeiten, den Krieg als eine völlig ungerechte Realität vor Augen führt. Eine Realität, die sich angesichts des Wertes der Menschen, jedes Menschen, in ihrer ganzen Schwäche und Schlechtigkeit offenbart. Im Wettbewerb bei den Filmfestspielen von Cannes 1954.

Drei Brücken

Während der Filmfestspiele von Cannes 1954 fand für Österreich ein kleines Wunder statt. Bei dieser Ausgabe des renommierten französischen Filmfestivals wurde nämlich der Spielfilm Die letzte Brücke von Helmut Käutner mit einer außergewöhnlichen Maria Schell in der Titelrolle im Wettbewerb präsentiert. Die Jury unter dem Vorsitz von Jean Cocteau beschloss, den Film mit dem Prix International und einer besonderen Erwähnung für Schell selbst auszuzeichnen. Natürlich war Käutners Werk nach einer Reihe von Spielfilmen, die zwischen den 1930er und den 1960er Jahren in großer Zahl produziert worden waren und das nationale Kino unattraktiv gemacht hatten, (zu Recht) ein Grund zum Stolz für ganz Österreich.

Die letzte Brücke ist also ein tiefsinniges und berührendes Drama, das uns in einer Zeit, in der die Menschen versuchten, die Geschehnisse der vorangegangenen dramatischen Jahre zu verarbeiten, den Krieg als eine völlig ungerechte Realität vor Augen führt. Eine Realität, die je nach Perspektive, aus der sie betrachtet wird, jedes Mal ganz andere Eigenschaften annehmen kann. Eine Realität, die sich angesichts des Wertes des Menschen, eines jeden Menschen, in ihrer ganzen Schwäche und Schlechtigkeit zeigt.

Die inszenierte Geschichte ist die der jungen deutschen Krankenschwester Helga (gespielt von Maria Schell), die während des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Armee in einem kleinen Feldlazarett an der Grenze zu Jugoslawien stationiert ist. Sie ist in den Feldwebel Martin Berger (Carl Möhner) verliebt und nutzt jede freie Minute, um Zeit mit ihm zu verbringen. Eines Tages kommt jedoch eine jugoslawische Frau in ihr Krankenhaus und bittet um dringende Hilfe von einem Arzt. Helga folgt ihr, wird aber von einer Gruppe von Partisanen entführt, deren Arzt schwer verletzt ist und behandelt werden muss.

Die letzte Brücke konzentriert sich also ausschließlich auf die magnetische Protagonistin. Durch ihre Schicksalsschläge lernen wir nach und nach den Kampf eines Volkes kennen, das sein Land und seine Liebsten um jeden Preis verteidigen will. Die Berge in Jugoslawien sind steil und gefährlich. Helga weiß das sehr gut. Dennoch beginnt sie bald, sich in dieser Umgebung wohl zu fühlen. Die Partisanen, angeführt von Boro (Bernhard Wicki), einem autoritären, aber auch sehr menschlichen Mann, sind sich ihres Wertes durchaus bewusst. Eine ältere Dame aus dem Ort (gespielt von der großartigen Tilla Durieux, die seinerzeit tatsächlich an der Seite der Partisanen in Jugoslawien gekämpft hatte) schenkt ihr die Schuhe, die einst ihrem von den Deutschen getöteten Enkel gehörten, und schenkt uns mit ihrem herzzerreißenden Weinen einen der bewegendsten Momente des gesamten Films.

Helmut Käutner hat sich bei Die letzte Brücke klugerweise dafür entschieden, den Menschen immer wieder in den Vordergrund zu bringen. So gibt es intensive Großaufnahmen der Protagonistin, die sich verwirrt umsieht, aber auch Blicke von verwundeten Partisanen, die verzweifelt um Hilfe zu bitten scheinen. Und während sich die dichten jugoslawischen Wälder mal als eine Art Labyrinth, dessen Ausgang schwer zu finden ist, mal als idealer Ort zum Verstecken vor Feinden erweisen, sind es gerade drei Brücken (wie der Titel schon andeutet), die in Helgas Leben eine besonders wichtige Rolle spielen.

Auf der ersten Brücke, in der Nähe ihres Krankenhauses, sieht sie zum ersten Mal, wie ein Mann von ihren Landsleuten getötet wird. Auf der zweiten Brücke hingegen riskiert sie sogar den Tod während einer Schießerei zwischen Deutschen und Jugoslawen. Auf der dritten Brücke schließlich wird das Mädchen die wichtigste Entscheidung ihres Lebens treffen müssen. Helmut Käutner hat auf jedes Detail geachtet und diesem wichtigen Werk eine tiefe Symbolik verliehen. Nicht umsonst gilt Die letzte Brücke als ein wahres Juwel in der österreichischen Filmgeschichte. Und in dieser Hinsicht waren auch die Filmfestspiele von Cannes einverstanden.

Titel: Die letzte Brücke
Regie: Helmut Käutner
Land/Jahr: Österreich, Jugoslawien / 1954
Laufzeit: 102’
Genre: Drama, Kriegsfilm
Cast: Maria Schell, Bernhard Wicki, Carl Möhner, Barbara Rütting, Pavle Mincic, Horst Hächler, Robert Meyn, Zvonko Zungul, Tilla Durieux, Fritz Eckhardt, Janez Vrhovec, Walter Regelsberger, Steffie Schwarz, Bata Stojanovic, Stevan Petrovic, Milan Nesic, Franz Eichberger, Heinrich von Einsiedel, Pero Kostic, Helmut Käutner
Buch: Helmut Käutner, Norbert Kunze, Helmuth Ashley
Kamera: Elio Carniel
Produktion: Cosmopol-Film, UFUS

Info: Die Seite von Die letzte Brücke auf iMDb; Die Seite von Die letzte Brücke auf der Webseite des Filmarchiv Austria