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SILHOUETTEN

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von Walter Reisch

Note: 8

Silhouetten ist ein besonders interessantes und feines Werk in Reischs Filmografie und im österreichischen Film der 1930er Jahre. Zu diesem Anlass ließ sich der Regisseur von einer anderen wichtigen Künstlerin begleiten: Der deutschen Regisseurin und Animationsfilmerin Lotte Reiniger. Mitreißende Musik, elegante Tanzkostüme und ein Opernhaus voller begeisterter Zuschauer haben eine magnetische Wirkung auf das Publikum.

Eine Kunst, die immer jung ist

„Tanz, Leni! Tanze so viel du kannst! Lass uns spüren, wie jung dieses alte Wien ist!“ Und tatsächlich galt Ballett lange Zeit – nicht nur in Österreich – als eine fast veraltete Kunst. Was ist also zu tun, damit das Publikum es wieder wie früher schätzen kann? Diese Frage stellt sich die Ballettmeisterin Lydia Samina (gespielt von Luli Hohenberg), die Protagonistin von Silhouetten, dem zweiten Spielfilm des berühmten Drehbuchautors Walter Reisch, aus dem Jahr 1936.

Lydia hat ein kleines Ballettensemble, das jedoch nicht sehr erfolgreich ist und Gefahr läuft, für immer aufgelöst zu werden. Als sie mit ihrer Tanzgruppe zum Fasching nach Wien kommt, muss sie den Selbstmord einer ihrer Tänzerinnen – aus Angst, ihren Job zu verlieren – verkraften, und im Hotel wird sie von einem anderen Mädchen bedroht, das um jeden Preis eine Hauptrolle bekommen will. Um dem Angriff zu entgehen, flüchtet Lydia in ein Zimmer, wo sie zufällig den jungen und charmanten amerikanischen Architekten österreichischer Abstammung Charlie West (Fred Hennings) trifft. Die beiden verlieben sich ineinander, doch als die junge und talentierte Leni (Liesl Handl) der Tanzkompanie beitritt, droht ihre Liebesbeziehung aufgrund einer Reihe von Missverständnissen zu enden. Wie wird das alles enden?

Silhouetten ist ein besonders interessantes und feines Werk in Reischs Filmografie und im österreichischen Film der 1930er Jahre. Zu diesem Anlass hat der Regisseur mit einer anderen wichtigen Künstlerin zusammengearbeitet: Der deutschen Regisseurin und Animationsfilmerin Lotte Reiniger. Lotte Reiniger, die bereits für ihre detailreichen Scherenschnitte, aus denen zahlreiche Kurzfilme und der Spielfilm Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1926) entstanden, berühmt war, schuf zu diesem Anlass kleine Scherenschnitte, die in der von Reisch inszenierten Geschichte vom Großvater der jungen Leni, der ein kleines Wandertheater besaß, verwendet wurden.

Um diesen wichtigen Spielfilm zu realisieren, hat Reisch daher an jedes Detail gedacht und es geschafft, ausgehend von einer einfachen Geschichte, das Ganze mit einer guten Kombination der Künste anzureichern, die alle zusammen eine perfekte Harmonie ergeben. Damit unterscheidet sich Silhouetten stark vom so genannten Wiener Film, von Kostümfilmen – vor allem Liebeskomödien oder Musikfilmen -, die hauptsächlich in der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie spielen und damals in Österreich in großer Zahl produziert wurden. In diesem Spielfilm von Reisch treffen nämlich immer wieder Drama und Komödie aufeinander, und gleichzeitig werden ziemlich komplexe und heikle Themen behandelt, wie eben das Thema Selbstmord, aber auch die Frauenemanzipation, die oft mit einem allgegenwärtigen Patriarchat unvereinbar ist („bei mir zu Hause darf eine Frau nach sechs Uhr abends nicht mehr arbeiten“, sagt der junge Charlie West). Wer wird sich in diesem ständigen „Kampf“ zwischen Männern und Frauen durchsetzen?

Walter Reisch will uns in Silhouetten keine endgültige Antwort darauf geben, schafft es aber gleichzeitig, all diese Elemente in einer aufrichtigen und leidenschaftlichen Hommage an die Ballettkunst und deren Beheimatung in Wien zu vereinen. Mitreißende Musik, elegante Ballettkostüme, das Opernhaus voller begeisterter Zuschauer und vor allem die eleganten Silhouetten von Lotte Reiniger üben eine magnetische Wirkung auf das Publikum aus und zeigen uns, dass Kunst und Schönheit trotz der vergehenden Jahre nie wirklich veraltet sind. Am Ende der Vorstellung erklingt Johann Strauss‘ An der schönen blauen Donau im Theater. Gibt es eine bessere Liebeserklärung an die schöne Stadt Wien?

Titel: Silhouetten
Regie: Walter Reisch
Land/Jahr: Österreich/ 1936
Laufzeit: 105’
Genre: Filmkomödie, Drama, Liebesfilm, Musikfilm
Cast: Liesl Handl, Luli von Hohenberg, Annie Markart, Fred Hennings, Frauke Lauterbach, Lili Marberg, Fritz Imhoff, Ernst Arnold, Eduard Köck, Karl Skraup, Hedy Pfundmeyer, Mila Cirul, Toni Birkmayer, Willy Fränzl, Liesl Temple, Irma Eckert, Ferdinand Mayerhofer
Buch: Walter Reisch
Kamera: Harry Stradling
Produktion: Rex-Film

Info: Die Seite von Silhouetten auf iMDb; Die Seite von Silhouetten auf der Webseite des Filmarchiv Austria