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STILLE NACHT, HEILIGE NACHT

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Note: 7

In Stille Nacht, heilige Nacht erkennt man sofort einen starken Einfluss des Kinos von Georges Méliès, vor allem im Hinblick auf die eingeblendeten Szenen und den stark märchenhaften (manchmal sogar traumhaften) Ton des Films. Dieser Kurzfilm versucht seinen Weg, ohne unbedingt einen „revolutionären“ Film sein zu wollen. Mit seiner eleganten Inszenierung und seiner Einfachheit scheint es uns heute jedoch wertvoller denn je.

Die Geburt Jesu Christi

Heiligabend. Dieser Feiertag hat, wie wir alle wissen, über die Jahrhunderte hinweg eine große Faszination ausgeübt. Zahlreiche Künstler und Schriftsteller aus der ganzen Welt haben ihre eigenen, subjektiven Vorstellungen davon wiedergegeben. Das Gleiche gilt auch für die Filmwelt, in der schon zu Stummfilmzeiten überall auf der Welt Kurzfilme gedreht wurden, die in der Weihnachtszeit spielen oder die Geburt des Jesuskindes selbst darstellen. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der Kurzfilm Stille Nacht, heilige Nacht aus dem Jahr 1910, der kürzlich restauriert und im Rahmen einer Online-Retrospektive des Filmarchivs Austria wieder dem Publikum präsentiert wurde.

Stille Nacht, heilige Nacht – produziert von Österreich und Deutschland – ist ein eher einfacher Film, der sich mit einer Laufzeit von knapp drei Minuten aber auch durch eine gewisse inszenatorische Sorgfalt, sowie durch eine stets lobenswerte Experimentierfreudigkeit auszeichnet. Manche Menschen betreten in der Weihnachtsnacht eine Kirche. Die Kamera, die ständig statisch ist, filmt sie von hinten auf dem Weg zur Messe. Dann ändert sich plötzlich die Kameraeinstellung: Wir befinden uns jetzt im Inneren der Kirche. Neben dem Altar finden wir einen kleinen Chor. In dem Moment, in dem jedes ihrer Mitglieder die Trompete zu spielen beginnt, geschieht etwas Unerwartetes: Als Einblendung sehen wir eine kleine lebende Weihnachtskrippe. Während Maria und Josef ihr Kind in den Arm nehmen, kommen die Heiligen Drei Könige und bringen ihm Gaben.

Das Ganze dauert nur ein paar Sekunden, bevor wir wieder das vollständige Bild des Altars sehen. In der zweiten Einblendung öffnen zwei Engel einen Vorhang, hinter dem sich ein großer Weihnachtsbaum befindet. In Stille Nacht, heilige Nacht wird also alles bis ins kleinste Detail durchdacht, um dem Zuschauer die Atmosphäre des Weihnachtsfestes zu vermitteln. Einige wenige, kurze Szenen sind ausreichend. Wenn man jedoch bedenkt, dass der Film im Jahr 1910 gedreht wurde, als es das Kino erst seit knapp fünfzehn Jahren gab, fällt auf, wie die Inszenierung versucht, sich von bestimmten Kanons der Zeit zu „befreien“.

Da in Österreich das Filmemachen erst relativ spät begann, war es notwendig, sich mit diesem neuen Medium erst einmal vertraut zu machen. Mit Ausnahme kleinerer Spielfilme (darunter die von Johann Schwarzer mit Saturn-Film gedrehten Filme) wurden hier vor allem Dokumentarfilme gedreht, die offizielle Ereignisse, öffentliche Veranstaltungen oder sogar Beerdigungen wichtiger Persönlichkeiten zeigten.

In Stille Nacht, heilige Nacht ändert sich jedoch alles. Hier erkennt man in der Tat sofort einen starken Einfluss des Kinos von Georges Méliès, vor allem in Bezug auf die eingeblendeten Szenen und den stark märchenhaften (manchmal sogar traumhaften) Ton des Films. Stille Nacht, heilige Nacht geht seinen Weg, ohne um jeden Preis einen „revolutionären“ Film sein zu wollen. Mit seiner eleganten Inszenierung und seiner Einfachheit scheint es uns heute jedoch wertvoller denn je.

Titel: Stille Nacht, heilige Nacht
Regie: Verschiedene Autoren
Land(Jahr: Deutschland, Österreich / 1910
Laufzeit: 3’
Genre: Musikfilm
Buch: Verschiedene Autoren
Kamera: Verschiedene Autoren
Produktion: Deutsche Bioscop Gesellschaft

Info: Die Seite von Stille Nacht, heilige Nacht auf der Webseite des Filmarchiv Austria