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SPEAK EASY

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von Mirjam Unger

Note: 7.5

In Speak Easy spricht jemand mit jemandem am Telefon. Man könnte sogar sagen, dass dies ein Film über die Unkommunizierbarkeit ist. Jede/r Jugendliche hat seine/ihre eigene Sprache, die für Erwachsene oft unverständlich ist, und gleichzeitig wird jedes Gespräch durch das Telefon „gefiltert“.

Am Telefon…

Es ist nicht leicht, Teenager zu sein. Vor allem, wenn man sich Tag für Tag bewusst macht, dass man bald in die Erwachsenenwelt eintreten wird. Aber wie verbringen Teenager eigentlich ihren Tag? Welche Sprache verwenden sie, um miteinander zu kommunizieren? Und vor allem: Verstehen sie sich jemals wirklich? Nicht einen, sondern viele alltägliche – aber auch unglaublich repräsentative – Momente dokumentierte die Kamera von Mirjam Unger in ihrem Debüt-Kurzfilm Speak Easyvon 1997, der zusammen mit vielen anderen Kurzfilmen ihrer Kolleginnen Barbara Albert, Jessica Hausner und Kathrin Resetarits (um nur einige zu nennen) in denselben Jahren die sogenannte Nouvelle Vague Viennoise.

Wie in den anderen Kurzfilmen der Strömung geht es auch in Speak Easy um den schwierigen Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein. Elf Teenager werden in ihrem Alltag gefilmt. Sechs von ihnen telefonieren ständig miteinander. Was sagen sie zueinander? Ihre Gespräche sind eher banal und scheinbar bedeutungslos: Sie machen oft Telefonstreiche, sie streiten sich mit ihren Eltern, um mit Freunden länger bleiben zu dürfen, sie reden über Liebe, Sex oder einfach über Ideen und Pläne für die Zukunft. Eine Zukunft, die plötzlich viel näher zu sein scheint als ursprünglich geglaubt.

Beim Anschauen von Speak Easy und in den Gesprächen der jungen ProtagonistInnen kommen oft gemischte Gefühle auf: Langeweile, Wut, aber auch Hoffnung und Begeisterung. Jede/r von ihnen ist lebendiger und pulsierender denn je, aber gleichzeitig fühlt sie/er sich allein, verwirrt und weiß immer noch nicht, was sie/er wirklich vom Leben will und was ihr/sein Platz in der Welt ist. Diese innere Unruhe wird von Mirjam Ungers Kamera gut auf der Leinwand wiedergegeben. Eine Kamera, die uns nur selten Nahaufnahmen der Protagonisten zeigt, die sich von einem Wiener Bezirk zum anderen bewegt und die oft sogar in das Auto eines der Jungen einsteigt.

In Speak Easy spricht jemand mit jemandem am Telefon. Man könnte sogar sagen, dass dies ein Film über die Unkommunizierbarkeit ist. Jede/r Jugendliche hat seine/ihre eigene Sprache, die für Erwachsene oft unverständlich ist, und gleichzeitig wird jedes Gespräch durch das Telefon „gefiltert“. Wir wissen nicht, wie der Informationsaustausch zwischen einem GesprächspartnerIn und dem/der anderen tatsächlich abläuft. Die Regisseurin zeigt es uns absichtlich nicht, und manchmal sehen wir sogar die Protagonisten selbst weiter „gefiltert“, wie, zum Beispiel, wenn die Kamera ein Mädchen im Spiegel zeigt.

Bilder und Gespräche, gefiltert in einer Inszenierung, die eigentlich gar keinen Filter braucht. Und tatsächlich fällt beim Anschauen von Speak Easy sofort ein Regieansatz auf, der fast an einen Dokumentarfilm erinnert, obwohl es sich in diesem Fall um einen fiktiven Film handelt. Die Improvisation der Texte lässt den SchauspielerInnen völlige Freiheit. Das Endergebnis ist ein fließendes, äußerst aufrichtiges und natürliches Werk. Ein realistisches, aber auch sehr liebevolles Porträt einer verwirrten Generation, die noch nicht weiß, was sie vom Leben will, aber jeden Tag von einer besseren Zukunft träumt.

Titel: Speak Easy
Regie: Mirjam Unger
Land/Jahr: Österreich / 1997
Laufzeit: 20’
Genre: Coming-of-age, Chorfilm
Cast: Romeo Bachmayr, Veronika Glatzner, Sonja Ylmac, Nica Steinbauer
Buch: Martin Blumenau, Mirjam Unger
Kamera: Niki Mossböck
Produktion: Filmakademie Wien

Info: Die Seite von Speak Easy auf iMDb; Die Seite von Speak easy auf der Webseite der sixpackfilm; Die Webseite von Mirjam Unger