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HELDENPLATZ, 19. FEBRUAR 2000

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von Constantin Wulff

Note: 7

Heldenplatz, 19. Februar 2000 ist ein sehr direkter und essentieller Dokumentarfilm, der vor allem darauf abzielt, das Publikum zum Nachdenken über die neue Regierung und die möglichen Folgen für Österreich (und darüber hinaus) anzuregen. Im Rahmen der Retrospektive Österreich real des Filmarchiv Austria.

Österreich rebelliert

Die rechtsextreme Partei FPÖ kam am 4. Februar 2000 an die Macht. Dies bedeutete eine Rückkehr zu einer dramatischen Vergangenheit, in der der Hass auf diejenigen, die als „anders“ angesehen wurden, praktisch an der Tagesordnung war. Könnten also KünstlerInnen, SchriftstellerInnen oder auch normale BürgerInnen einem solchen Ereignis gegenüber gleichgültig bleiben? Auf keinen Fall. Und tatsächlich fand am 19. Februar desselben Jahres eine große Demonstration auf dem Wiener Heldenplatz statt, um eine Rückkehr zu einer weniger „extremen“ Situation in Österreich zu erreichen und Österreich selbst und der ganzen Welt vor Augen zu führen, wie gefährlich bestimmte Realitäten sein können. Regisseur Constantin Wulff war daher bereit, diese Demonstration genau zu beobachten und eine Reihe von Persönlichkeiten, die sich während dieses Protestes geäußert hatten, zu interviewen. So entstand der Dokumentarfilm Heldenplatz, 19. Februar 2000 , der 2002 fertig gestellt und kürzlich anlässlich der Retrospektive Österreich real des Filmarchiv Austria wieder dem Publikum präsentiert wurde.

Der Heldenplatz ist beleuchtet und voller Menschen. Verschiedene Repräsentanten der österreichischen Politik und Kultur betreten regelmäßig die Bühne. Persönlichkeiten wie die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz, der Politiker und Journalist Michel Friedman, der Sänger und Komiker Willi Resetarits, aber auch StudentInnen haben viel zu sagen. Am Ende der Veranstaltung hatte Constantin Wulff die Gelegenheit, jeden von ihnen zu treffen, bestimmte Themen eingehend zu diskutieren und über eine dramatische Gegenwart und eine ungewisse Zukunft nachzudenken.

Heldenplatz, 19. Februar 2000 ist ein sehr direkter und essentieller Dokumentarfilm, der vor allem darauf abzielt, den Zuschauer zum Nachdenken über die neue Regierung und die möglichen Folgen für Österreich (und darüber hinaus) anzuregen. Sieben Persönlichkeiten kommen in diesem wichtigen Film von Constantin Wulff zu Wort. Jeder von ihnen stammt aus einem bestimmten Kontext. Jeder von ihnen hat seinen eigenen, persönlichen kulturellen Hintergrund. Jeder von ihnen ist fest davon überzeugt, dass die Zeit für eine Rebellion endlich gekommen ist. Kunst ist Widerstand. Und so wie Constantin Wulff wollten auch viele andere FilmemacherInnen diesen wichtigen historischen Moment dokumentieren, um die Menschen zu einer Reaktion zu bewegen.

Ein weiteres essentielles Werk, das genau unter diesen Umständen entstanden ist, ist der Kurzdokumentarfilm Zero Crossing, den Regisseur Johannes Holzhausen im Jahr 2000 in nur drei Tagen gedreht und geschnitten hat und der auch im Rahmen der Retrospektive Österreich real präsentiert wurde. Im Vergleich zu Heldenplatz, 19. Februar 2000 , bekommen wir in Zero Crossing die Eindrücke und Zeugnisse von weniger bekannten Personen zu hören, in einem Dokumentarfilm, der noch einfacher und wesentlicher ist, was die Regie betrifft. In diesem Werk von Constantin Wulff hingegen wechseln sich Archivaufnahmen und direkte Interviews kontinuierlich ab, bevor am Ende des Dokumentarfilms eine Aufnahme des Wiener Parlaments bei Tageslicht gezeigt wird. Beide Werke zeichnen sich durch eine ausgeprägte kommunikative Kraft aus, und beide scheinen sich, viele Jahre später, gegenseitig zu ergänzen. Zwei Dokumentarfilme von großer historischer und gesellschaftlicher Bedeutung mit dem Ziel, nicht nur Österreich, sondern die ganze Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Titel: Heldenplatz, 19. Februar 2000
Regie: Constantin Wulff
Land/Jahr: Österreich / 2002
Laufzeit: 60’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Johannes Holzhausen, Dominik Kamalzadeh, Dieter Pichler, Constantin Wulff
Kamera: Joerg Burger
Produktion: Navigator Film

Info: Die Seite von Heldenplatz, 19. Februar 2000 auf iMDb; Die Seite von Heldenplatz, 19. Februar 2000 auf der Webseite der Navigator Film; Die Seite von Heldenplatz, 19. Februar 2000 auf der Webseite des Filmarchiv Austria