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ZERO CROSSING

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von Johannes Holzhausen

Note: 7

Zero Crossing wurde von Johannes Holzhausen in nur drei Tagen gedreht. Neun Personen wurden in einem kleinen Zimmer interviewt. Was wird aus ihnen, ihren Kindern, ihrer Arbeit? Wird es noch möglich sein, in einem Österreich, in dem der Mensch selbst nicht mehr geachtet zu werden scheint und in dem bestimmte Dynamiken der Vergangenheit nie wirklich vergessen zu sein scheinen, friedlich weiterzuleben? Im Rahmen der Retrospektive Österreich real des Filmarchiv Austria.

Was wird aus Österreich?

Wenn sich in einem Land etwas für immer zu verändern droht, mobilisiert sich das Volk. Das war schon immer eine Tatsache. Wenn also in der Dokumentation Heldenplatz, 19. Februar 2000 haben wir gesehen, wie der Regisseur Constantin Wulff die Proteste in Wien auf dem Heldenplatz nach der Machtübernahme der rechtsextremen Partei FPÖ am 4. Februar 2000 dokumentiert hat, in Zero Crossing – 2000 von Johannes Holzhausen gedreht und kürzlich anlässlich der Retrospektive Österreich real des Filmarchivs Austria wieder dem Publikum präsentiert – können wir aus nächster Nähe Zeugenaussagen von Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und sozialer Herkunft zuhören, von denen jeder bereit ist, der Kamera des Regisseurs Zweifel und Sorgen bezüglich dieser neuen Regierung und der Zukunft Österreichs anzuvertrauen.

Zero Crossing wurde also von Johannes Holzhausen in nur drei Tagen gedreht. Neun Personen wurden in einem kleinen Zimmer interviewt. Die Kamera bleibt zunächst auf ihre Gesichter gerichtet, und nur kurze Bildunterschriften informieren uns über ihre Namen und ihr Alter. Was wird aus ihnen, ihren Kindern, ihrer Arbeit? Werden sie noch in der Lage sein, friedlich in einem Österreich zu leben, in dem es keinen Respekt vor den Menschen selbst zu geben scheint und in dem bestimmte Dynamiken der Vergangenheit nie wirklich vergessen worden zu sein scheinen?

Zero Crossing stellt die Bürger in den Vordergrund. Der Dialog zwischen ihnen und dem Regisseur ist direkt und aufrichtig. Johannes Holzhausen seinerseits hat auf jegliche Regievirtuosität und auch auf die Musik selbst verzichtet. Was er mitteilen wollte, ist das Ergebnis einer spontanen Reaktion auf ein Ereignis, das die Zukunft Österreichs für immer verändern könnte. Dieser wichtige und wesentliche Dokumentarfilm von ihm wurde also in einem Moment des Schocks gedreht, und man hat fast den Eindruck, dass nicht viel Zeit blieb, um die Dreharbeiten selbst vorzubereiten oder auch nur ein kleines Team zu organisieren. Doch die Botschaft ist klar und deutlich.

Die ProtagonistInnen des Dokumentarfilms erzählen nacheinander ihre Eindrücke und Teil ihres Lebens. Dann wechselt die Kamera plötzlich die Perspektive: Jetzt sind es nicht mehr nur die einzelnen Personen, die im Vordergrund gefilmt werden. Jetzt können wir den ganzen Tisch sehen, um den herum die Gespräche stattfinden. Der Regisseur selbst sitzt seinem Gesprächspartner gegenüber, er stellt sich sofort auf seine Ebene. Wir sehen also, wie er sich selbst als „Geschädigter“ sieht, wir sehen, wie er sich selbst in diese neue, unangenehme Situation direkt verwickelt fühlt. Johannes Holzhausen wird so zusammen mit den anderen neun Personen, die er interviewt hat, zu einem der ProtagonistInnen in diesem wichtigen Zero Crossing.

Ist ein kurzer vierzigminütiger Dokumentarfilm wie dieser genug, damit die Menschen „ihre Augen öffnen“? Es gab viele – KünstlerInnen, FilmemacherInnen, SchriftstellerInnen, aber auch ganz normale BürgerInnen -, die sich in dieser einzigartigen historischen Periode zu Wort gemeldet haben. Und das Wichtigste ist, dass die Geschichte nie vergessen wird.

Titel: Zero Crossing
Regie: Johannes Holzhausen
Land/Jahr: Österreich / 2000
Laufzeit: 40’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Johannes Holzhausen
Kamera: Joerg Burger
Produktion: Navigator Film

Info: Die Seite von Zero Crossing auf iMDb; Die Seite von Zero Crossing auf der Webseite des Filmarchiv Austria; Die Seite von Zero Crossing auf der Webseite der Austrian Film Commission; Die Seite von Zero Crossing auf der Webseite der Navigator Film; Die Seite von Zero Crossing auf der Webseite der sizpackfilm