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ICH GELOBE

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von Wolfgang Murnberger

Note: 7.5

In Ich gelobe bedient sich Wolfgang Murnberger zweifellos vieler Klischees, die nicht nur das militärische Leben betreffen, sondern auch – und vor allem – den stets komplizierten Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein. Diese Klischees schaffen es jedoch, die Gefühle der jungen Protagonisten vollständig einzufangen, was diesen wichtigen Spielfilm zu einem äußerst intimen und intelligenten Werk macht.

Junge Träumer

Der in Österreich längst zum Kultfilm gewordene Film Ich gelobe – aus dem Jahr 1994 – ist zweifellos einer der erfolgreichsten Filme des vielseitigen Filmemachers Wolfgang Murnberger. Ja, denn der Wiener Neustädter Regisseur hat in seinem bedeutenden Spielfilm Drama und Autobiografie gekonnt miteinander verbunden und eine Realität inszeniert, die viele Menschen kennen oder erlebt haben. Eine Realität, die auf der Leinwand dennoch immer eine gewisse Faszination auf Filmemacher in aller Welt ausgeübt hat.

Wir befinden uns also im Jahr 1980. Der junge Berger (gespielt von Christoph Dostal) kommt aus einem kleinen Dorf im Osten Österreichs. Der zeichnerisch begabte und musikbegeisterte Junge hilft seiner Familie beim Betrieb eines Kinos und ist in die schüchterne Veronika verliebt. Seine tägliche Routine wird jedoch unterbrochen, als er am Militärdienst teilnehmen muss. Die Tage, die er mit seinen Kameraden verbringt, der Traum von einer unmöglichen Liebe, die seltenen Momente der Intimität in einer Toilette, wo er alles malen kann, was ihm in den Sinn kommt, aber auch – und vor allem – seine Gedanken und Überlegungen über das Leben und den Tod sind die absoluten Protagonisten. Wie wird sich der Junge durch diese neue Erfahrung entwickeln?

Ich gelobe ist ein Bewusstseinsstrom, der nicht nur jeden einzelnen Aspekt des Lebens der jungen Soldaten, sondern auch universelle Themen wie Liebe, Religion, Freundschaft und Familie ins Spiel bringt. Texte aus Hermann Hesses Coming-of-Age-Roman Demian passen gut zu den Ereignissen des jungen Berger, der sofort zu einer Art postmodernem Emil Sinclair wird. Die Off-Stimme des Protagonisten überlagert die Dialoge, die Bilder folgen auf der Leinwand rasch aufeinander, und während wir den Protagonisten mit seinen Freunden durch die nächtlichen Straßen Wiens fahren sehen, befinden wir uns gleich darauf im Schlafsaal der Kaserne – wo nie genug Zeit bleibt, sich auf die Handlung vorzubereiten – oder im Foyer des kleinen Dorfkinos – wo man sich nicht mehr mit ein paar Küssen mit der Freundin begnügt.

Das Leben der jungen Soldaten ist eine ständige Vorbereitung auf mögliche Kampfhandlungen. In der Zwischenzeit geht das Leben weiter, John Lennon wird ermordet, Weihnachten steht vor der Tür, und auf einer Karnevalsparty wird das hübscheste Mädchen von demjenigen verführt, der das stärkste Charisma hat. In Ich gelobe bedient sich Wolfgang Murnberger zweifellos vieler Klischees, die nicht nur das militärische Leben betreffen, sondern auch – und vor allem – den stets komplizierten Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein. Diese Klischees schaffen es jedoch, die Gefühle der jungen Protagonisten voll und ganz einzufangen, was diesen wichtigen Spielfilm zu einem äußerst intimen und intelligenten Werk macht, das nichts für selbstverständlich hält und es versteht, jede Figur äußerst lebendig und pulsierend zu machen.

Wolfgang Murnberger weiß sehr gut, was er inszenieren muss. Er hat es am eigenen Leib erfahren und – ebenso wie der junge Berger, der während des Eides die Finger kreuzt – kann es offensichtlich nicht gutheißen. Sein Ich gelobe ist der verzweifelte Schrei eines sensiblen jungen Mannes, der seine Gefühle und künstlerischen Ambitionen nicht ausleben darf. Das Porträt einer Realität, die den Menschen als Schlachtvieh betrachtet. Eine Realität, die die heutige Welt betrifft, die aber ihren idealen Hintergrund im Mittelalter findet. Das zeigen ebenso stimmungsvolle, traumhafte Momente, die – ausschließlich in Schwarz-Weiß – fast an einen Ingmar-Bergman-Film erinnern. Was wird aus den Jugendlichen? Wird es ihnen gelingen, ihren Platz in der Welt zu finden, oder müssen sie auf dem Rücken eines wilden Pferdes für immer ziellos wandern?

Titel: Ich gelobe
Regie: Wolfgang Murnberger
Land/Jahr: Österreich / 1994
Laufzeit: 115’
Genre: Drama, Kriegsfilm, Coming-of-age
Cast: Christoph Dostal, Andreas Lust, Andreas Simma, Marcus J. Carney, Leopold Altenburg, Albert Weilguny, Johannes Kollmann, Robert Taurer, Peter Januschke, Josef Kuderna, Hans Sigl, Markus Schleinzer, Reinhold G. Moritz, Sahin Ali Haydar, Josef Selzer, Gerd Eichler, Horst Eder, Hertha Schell, Maria Tritremmel, Udo Kohlmann, Rudolf Neumayr, Gerhard Leutgeb, Pia Baresch, Monika Praxmarer, Sabine Waibel, Elisabeth Lanz, Thierry van Werveke, Janine Wegener
Buch: Wolfgang Murnberger
Kamera: Fabian Eder
Produktion: Dor Film

Info: Die Seite von Ich gelobe auf iMDb; Die Seite von Ich gelobe auf der Webseite der Austrian Film Commission; Die Seite von Ich gelobe auf der Webseite der Dor Film