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VON DIRNBACH-STODER NACH HINTERSTODER

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von Karl Köfinger

Note: 7.5

Von Dirnbach-Stoder nach Hinterstoder präsentiert sich als besonders intimer Dokumentarfilm, der nah an den Menschen ist, die die besuchten Orte bewohnen und die den Film mit ihren malerischen Volkstraditionen bereichern.

Lasst das Tanzen beginnen

Ein für seine Zeit ganz und gar unkonventioneller Dokumentarfilm, Von Dirnbach-Stoder nach Hinterstoder. Als Teil einer Reihe von touristischen Filmen (um genau zu sein, nicht weniger als siebenundzwanzig Filme), die der Regisseur und Filmproduzent Karl Köfinger im Auftrag der österreichischen Post gedreht hat, sollte dieses Werk – mit einer Länge von etwas mehr als elf Minuten – nicht nur innerhalb der Landesgrenzen, sondern auch im Ausland gezeigt werden, um die Naturschönheiten und Traditionen des Landes hervorzuheben.

Von Dirnbach-Stoder nach Hinterstoder, der kürzlich vom Filmarchiv Austria anlässlich der Online-Retrospektive Kino auf Sommerfrische, wiederveröffentlicht wurde, beginnt wie alle Dokumentarfilme, die zur gleichen Zeit entstanden sind: Eine Gruppe von Touristen besteigt ein Postauto (mit einer darauf installierten Kamera). Sie brechen zu einem neuen Ausflug auf. Zunächst besuchen wir die schöne Stadt Linz mit ihrem künstlerischen und architektonischen Erbe. Nachdem wir die Steyr überquert und die beeindruckenden Wasserfälle und die vielen kleinen Brücken, die den Fluss überqueren, aus der Ferne bewundert haben, kommen wir langsam ins kleine Dorf Hinterstoder.

Interessant ist, dass sich Regisseur Karl Köfinger in Von Dirnbach-Stoder nach Hinterstoder ab der zweiten Hälfte des Dokumentarfilms auf bestimmte folkloristische Ereignisse konzentriert hat. Zu den Klängen einer Dorfkapelle führen einige Jugendliche den typischen Bandl-Tanz auf. Großaufnahmen von lächelnden Gesichtern, tanzenden Beinen und Händen, die auf Saiteninstrumenten spielen, werden hier zu den absoluten Protagonisten.

Karl Köfinger verließ also für einen Moment seinen üblichen Regieansatz, bei dem er vor allem Landschaften (und natürlich auch Postfahrzeuge) in den Mittelpunkt seiner Kameraeinstellungen stellte. In diesem speziellen Fall waren es die Details, die den Unterschied ausmachten. Und so bekommt dieser besondere Von Dirnbach-Stoder nach Hinterstoder einen entschieden intimeren Charakter, der die Menschen, die die besuchten Orte bevölkern und alles mit ihren pittoresken Volkstraditionen bereichern, sofort nahe bringt.

Und all dies macht einen so wertvollen Dokumentarfilm noch einzigartiger, für die damalige Zeit völlig innovativ, wenn man an die zahlreichen Tourismusdokumentationen denkt, die in Österreich in diesen Jahren entstanden sind. Es war ein Zeichen dafür, dass der Wunsch, neue Filmsprachen zu entdecken und unerforschtes Terrain zu betreten, stärker denn je war. Und das in einer Zeit, die sich zwischen zwei Epochen – der des Stummfilms und der des Tonfilms – und zwischen zwei Weltkriegen abspielte und in der sich so viele Veränderungen vollzogen. Alles (oder fast alles) wurde vom wirkungsvollen Kino dokumentiert.

Titel: Von Dirnbach-Stoder nach Hinterstoder
Regie: Karl Köfinger
Land/Jahr: Österreich / 1931
Laufzeit: 11’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Karl Köfinger
Kamera: Karl Köfinger
Produktion: Ing. Köfinger-Film

Info: Die Webseite des Filmarchiv Austria