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ERNST DEUTSCH – EXPRESSIONISTISCHES TALENT

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Auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 1948 wurde Der Prozeß, das Meisterwerk von Georg Wilhelm Pabst, im Wettbewerb präsentiert. Besonders hervorgehoben wurde die außergewöhnliche Leistung des Schauspielers Ernst Deutsch, der die Coppa Volpi für den besten Darsteller erhielt. Aber wer war eigentlich Ernst Deutsch?

Auch Venedig hat ihn ausgezeichnet

Es war 1948. Auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig wurde Der Prozeß, das Meisterwerk von Georg Wilhelm Pabst, im Wettbewerb präsentiert. Die Geschichte des geheimnisvollen Verschwindens des jungen Dienstmädchens Esther begeisterte Publikum und Kritiker, doch besonders hervorgehoben wurde die außergewöhnliche Leistung des Schauspielers Ernst Deutsch, der die Coppa Volpi für den besten Darsteller erhielt.

Tatsächlich wurde Ernst Deutsch im Laufe seiner mehr als fünfzigjährigen Film- und Theaterkarriere zu einem der bekanntesten Gesichter des expressionistischen Theaters und Films, dank seines strengen Gesichts, seines ernsten Ausdrucks, aber auch – und vor allem – seines unverwechselbaren Stils, der durch einen kriechenden Gang und eine stets unruhige Pose bekannt wurde. Im Laufe der Jahre wurde sein Talent von Regisseuren und Produzenten auf der ganzen Welt anerkannt und machte den Schauspieler zu einem echten Highlight in der deutschen und österreichischen Kulturszene.

Ernst Deutsch wurde am 16. September 1890 in Prag (damals Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie) geboren. Sein Vater war der Kaufmann Ludwig Deutsch und seine Mutter Louise Kraus. Nachdem er ein Jahr lang als Freiwilliger in der kaiserlichen Armee gedient hatte, begann Deutsch bald, seine Leidenschaft für die Schauspielerei zu kultivieren. Sein Debüt gab er 1914 an der Wiener Volksbühne, und schon bald zog der Schauspieler nach Deutschland, wo er dauerhaft am Albert-Theater in Dresden zu arbeiten begann. Hier wirkte er 1916 in einem Theaterstück mit, das einen echten Wendepunkt in seiner Karriere darstellen sollte: Der Sohn von Walter Hasenclever. Das Stück, in dem eine problematische Vater-Sohn-Beziehung inszeniert wird, gilt als erstes echtes expressionistisches Theaterstück und Ernst Deutsch wurde damit auch zu einem der symbolischen Gesichter der berühmten Kunstströmung.

Bei einer der Vorführungen von Der Sohn wurde der österreichische Regisseur Max Reinhardt auf Deutsch aufmerksam und bat ihn, mit ihm nach Berlin zu ziehen, wo er am Deutschen Theater zu arbeiten begann. Von da an reiste Ernst Deutsch durch ganz Europa, um seine Stücke zu spielen: von Berlin über Wien, Hamburg und München, bis hin zu Tourneen nach Südamerika.

Inzwischen begann auch die junge Filmkunst den Schauspieler zu faszinieren. Sein Filmdebüt gab er bereits 1916 mit seiner Rolle in Richard Oswalds Die Rache der Toten. Im Laufe seiner Karriere wirkte Ernst Deutsch in nicht weniger als zweiundvierzig Stummfilmen mit (darunter Der Golem, wie er in die Welt kam, 1920 von Paul Wegener gedreht), die alle hauptsächlich in Deutschland gedreht wurden. Dies änderte sich jedoch in den 1930er Jahren, als Hitler an die Macht kam. 1933 musste Deutsch mit seiner Frau Anuschka Fuchs (seiner Jugendfreundin) zunächst nach Wien, dann nach Zürich, Brüssel, London und schließlich nach New York emigrieren.

In den USA gab sich Ernst Deutsch den Künstlernamen Ernst Dorian und trat nicht nur am Broadway auf, sondern wirkte auch in zahlreichen Filmen mit, die in Hollywood gedreht wurden und in denen er häufig die Rolle des Nazi-Offiziers spielte. Zu diesen Filmen gehören insbesondere So Ends Our Night (John Cromwell, 1941), Reunion in France (Jules Dassin, 1942) und Isle of Dead (Mark Robson, 1945).

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, die für immer in den Vereinigten Staaten blieben, beschloss Ernst Deutsch, nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa zurückzukehren. In Wien wurde er sofort Mitglied des Ensembles des Burgtheaters und des Volkstheaters, und ab 1951 lebte er wieder in Berlin. Obwohl der Schauspieler in Amerika ständig sowohl am Theater als auch im Filmbereich arbeitete, war es Europa, das ihm die größte Befriedigung gab. Und tatsächlich, 1948 engagierte ihn sein Landsmann Georg Wilhelm Pabst für einen der wichtigsten Filme seines Lebens: Der Prozeß. Dank dieses Films wurde er in Venedig ausgezeichnet, ein weiterer Beweis für sein seit langem anerkanntes Talent. Im folgenden Jahr wirkte Ernst Deutsch, ebenfalls in Wien, in einem weiteren wichtigen Film mit: Der dritte Mann, unter der Regie von Carol Reed und mit dem großartigen Orson Welles in der Titelrolle. Bei dieser Gelegenheit spielte der Schauspieler einen alten Baron, der stets von seinem treuen kleinen Hund begleitet wird.

Zwischen den 1950er und 1960er Jahren spielte Deutsch jedoch nur in wenigen Filmen mit. Mit Ausnahme des österreichischen Spielfilms Sebastian Kneipp (Wolfgang Liebeneiner, 1958) und einiger kleinerer Fernsehfilme zog er es vor, sich hauptsächlich seiner ersten Liebe, dem Theater, zu widmen. Auf der Bühne fühlte sich Ernst Deutsch in seiner natürlichen Umgebung und arbeitete noch bis wenige Jahre vor seinem Tod am 22. März 1969 in Berlin.

Seine Karriere, seine schwarzen Augen, sein schmales Gesicht und sein unglaubliches Talent haben ihn zu einer Schlüsselfigur der Film- und Theatergeschichte gemacht. Zahlreiche Schauspieler haben sich von ihm inspirieren lassen und tun dies auch heute noch. Und obwohl er in Filmen oft Nebenrollen spielte, ist seine ikonische Figur heute jedem bekannt. Ein Künstler, der nie vergessen werden wird. Wie das nach ihm benannte Ernst Deutsch Theater in Hamburg heute beweist.

Info: Die Seite von Ernst Deutsch auf iMDb