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…A CAR…

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von Carola Dertnig

Note: 7.5

In …a car… braucht man keine Spezialeffekte und keine Regievirtuosität. Carola Dertnig hat sich für eine einfache und essentielle Herangehensweise entschieden, die sich als erfolgreiche Lösung erwiesen hat, um einen stark ironischen und selbstironischen Kurzfilm zu schaffen.

Normales Alltagsleben

Wer von uns hat nicht schon einmal Schwierigkeiten gehabt, ein Auto einzuparken oder jedenfalls in engen Straßen und Umgebungen zu fahren? Wenn wir solche Situationen am eigenen Leib erfahren, gelingt es uns nicht immer, darüber zu lachen. Doch von außen betrachtet, können bestimmte Ereignisse manchmal geradezu urkomisch sein. Das weiß auch die Innsbrucker Künstlerin Carola Dertnig, die in ihrem experimentellen Kurzfilm …a car… aus dem Jahr 2010 eine paradoxe Situation, in der sich jeder von uns auf seine Weise wiedererkennen kann, dargestellt hat.

Eine junge Frau (Carola Dertnig selbst) muss mit ihrem Auto in die Apollo Garage in Wien einfahren. Die Türen, durch die sie fahren muss, sind jedoch zu eng. Das Auto fährt hin und her, prallt gegen einen Pfeiler, dann gegen einen anderen. Die Frau weiß nicht mehr weiter, sie versucht, den Schaden an der Karosserie zunächst selbst zu reparieren, dann an einer Tankstelle. Auch die Zapfsäule scheint zu kurz zu sein, um ihr Auto zu erreichen. Was ist zu tun? Die Frau bewegt sich unbeholfen, und langsam erinnern ihre Gesten und Bewegungen immer mehr an eine Choreografie.

… a car… ist Teil der Reihe True Stories, in der mehrere Kurzfilme paradoxe Situationen aus dem Alltag zeigen. Um ihre Missgeschicke mit dem Auto zu inszenieren, spielt Carola Dertnig deshalb geschickt mit all den Klischees, nach denen Frauen sich nie wohl fühlen, wenn sie Auto fahren müssen. Die Kamera, die immer starr auf sie gerichtet ist, filmt ihre Handlungen aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Bewegungen der Frau erinnern fast an die Slapstick-Komödien der glorreichen Stummfilmzeit. Gleichzeitig rezitiert die Stimme der Regisseurin ein Gedicht über das Autofahren, das wiederum Schritt für Schritt zu beschreiben scheint, was auf der Leinwand geschieht.

In …a car… braucht man keine Spezialeffekte und keine Regievirtuosität. Die Filmemacherin entschied sich für einen einfachen und elementaren Ansatz, der sich als die beste Lösung erwies, um einen stark ironischen und selbstironischen Kurzfilm, der sich nicht nur an Frauen (die Protagonistin selbst verkörpert fast das Klischee des sexy und unbeholfenen Mädchens), sondern an die ganze Gesellschaft wendet, zu schaffen.

Eine kurze Choreografie ohne Musik (von Choreograf und Tänzer Simone Forti), die insgesamt betrachtet musikalischer denn je wirkt. Ein kleiner und direkter Kurzfilm, der durch Klischees und Paradoxien eine universelle Sprache spricht, ohne um jeden Preis eine bestimmte Botschaft vermitteln zu wollen, mit der einfachen Absicht, uns über unsere kleinen, alltäglichen Missgeschicke lachen zu lassen. …a car… ist all dies und präsentiert sich in seiner extremen Einfachheit als ein besonders durchdachtes und feines Werk. Ein kleiner und wertvoller Film, der in nur acht Minuten die Geschichte eines jeden von uns auf seine eigene Weise erzählt.

Titel: …a car…
Regie: Carola Dertnig
Land/Jahr: Österreich / 2010
Laufzeit: 8’
Genre: Filmkomödie, Experimentalfilm
Cast: Carola Dertnig
Buch: Carola Dertnig
Kamera: Katharina Cibulka
Produktion: Carola Dertnig Production

Info: Die Seite von …a car… auf der Webseite von Carola Dertnig; Die Seite von …a car… auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von …a car… auf der Webseite der sixpackfilm