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MAKE/REAL

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von Virgil Widrich

Note: 8

Make/Real ist eine der vielen Möglichkeiten des Films, die es ohne die Filmgeschichte nicht gegeben hätte. Eine Hymne auf die siebte Kunst, aber auch auf die Moderne und auf alles, was die nahe Zukunft uns bieten könnte.

Neue Wesen unter uns

Virgil Widrich, einer der wichtigsten zeitgenössischen Filmemacher Österreichs im Bereich des Avantgarde-Films, hat die siebte Kunst oft zum Hauptdarsteller seiner Werke gemacht. Als Autor zahlreicher Experimentalfilme, Kurzfilme und Videoinstallationen hat der Salzburger Regisseur im Laufe seiner langen und produktiven Karriere wahre Liebeserklärungen an das Kino der Vergangenheit und Gegenwart gemacht. Dies gilt beispielsweise für den adrenalingeladenen Fast Film (2003), in dem durch die Montage kurzer Sequenzen einiger der berühmtesten Krimis der Geschichte ein ironischer und spannender Thriller entstanden ist, sowie für Make/Real, der 2010 anlässlich der Ausstellung Roboterträume beim Museum Tinguely und beim Kunsthaus Graz realisiert wurde.

Wie der Titel der Ausstellung bereits andeutet, war das Hauptthema der Veranstaltung also genau die Figur des Roboters, unabhängig davon, in welchem Bereich man sie betrachten möchte. Könnte es also sein, dass ein besonderer Schwerpunkt auf der siebten Kunst fehlen würde? Keineswegs. Und in der Tat, so entstand Make/Real. Wie schon beim vorherigen Fast Film haben Ausschnitte aus wichtigen Filmen der Vergangenheit ein neues, pulsierendes Werk geschaffen. Wiederum war es eine willkommene Ironie, die das Ganze noch unterhaltsamer machte.

Ein neues, mächtiges Wesen ist im Begriff, geschaffen zu werden. Die Menge wartet ungeduldig. Wie wird es die Realität verändern? Und, was noch wichtiger ist, wie kann es wirklich als eigenständiges Lebewesen betrachtet werden? Make me real“, ruft eine Stimme am Ende des Films. Mach mich real. Szenen aus Metropolis (Fritz Lang, 1926), aus Der Golem (Henrik Galeen und Paul Wegener, 1915), aber auch aus der jüngsten Star-Wars-Saga (1977 – 2019) zeigen uns zunächst den Prozess der Schöpfung, dann schließlich einen, viele Roboter, die zum Leben erwachen, die Teil unseres eigenen Lebens werden und die – wie die oben erwähnte Stimme andeutet – unbedingt lebendig sein wollen.

Virgil Widrich hatte also wieder einmal Spaß daran, mit der siebten Kunst zu spielen, immer wieder neue Filmsprachen zu finden, neue Wege zu finden, die siebte Kunst selbst zu würdigen. Und sofort bekommt der Satz „Make me real“ eine sehr symbolische Bedeutung: Es sind nicht nur Roboter, die verlangen, in jeder Hinsicht dem Menschen gleichgestellt zu werden. Jetzt ist es das Kino selbst, das darum bittet, mit der Realität, in der wir leben, eins zu werden. Ein Kino, das uns im Laufe der Jahre zum Träumen, Lachen und Bewegen gebracht hat und uns gleichzeitig in Welten, die wir uns nicht einmal im Entferntesten hätten vorstellen können, eintauchen lassen hat. Realität und Fiktion verschmelzen, verschwimmen und werden fast ein und dasselbe.

Make/Real ist eine der vielen möglichen Deklinationen des Films, die es ohne die Filmgeschichte nicht geben könnte. Eine Hymne an die siebte Kunst, aber auch an die Moderne und an alles, was die nahe Zukunft uns bieten könnte. Ein einzigartiger und innovativer Science-Fiction-Film, der das Ergebnis einer gelungenen Mischung aus den wichtigsten Science-Fiction-Filmen der Geschichte ist.

Titel: Make/Real
Regie: Virgil Widrich
Land/Jahr: Österreich / 2010
Laufzeit: 5’
Genre: Experimentalfilm, Science-Fiction-Film
Buch: Virgil Widrich
Kamera: Virgil Widrich
Produktion: Virgil Widrich Filmproduktion

Info: Die Seite von Make/Real auf iMDb; Die Seite von Make/Real auf der Webseite von Virgil Widrich