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HOLZ ERDE FLEISCH

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von Sigmund Steiner

Note: 7

In Holz Erde Fleisch treffen drei Generationen aufeinander, arbeiten zusammen und schaffen zusammen eine wunderschöne Harmonie. Sigmund Steiner hat auf sensible und intelligente Weise jeden einzelnen Aspekt des bäuerlichen Lebens und der besonderen Beziehung zum Land erfasst und damit einen viel breiteren und komplexeren Diskurs eröffnet.

Von Generation zu Generation

Die Erde. Ein Leben in engem Kontakt mit der Natur. Eine Rückkehr zu den Ursprüngen. Eine komplizierte Vater-Sohn-Beziehung, die durch das Leben anderer analysiert, nacherzählt und liebevoll in Erinnerung gerufen wird. Der junge Filmemacher Sigmund Steiner erinnerte sich in seinem Dokumentarfilmdebüt Holz Erde Fleisch (2016), das komplett auf dem Lande spielt, an seine Kindheit und die Figur seines Vaters.

Drei Bauern kümmern sich um die Tiere, das Land und das Holz. Der Sohn eines von ihnen weiß noch nicht, ob er die Arbeit seines Vaters fortsetzen wird, aber in der Zwischenzeit widmet er sich jeden Tag der Arbeit auf den Feldern. Jeder von ihnen erzählt vor Sigmund Steiners Kamera seine Geschichte, berichtet von seinen Aufgaben, erzählt von seinem Alltag, erzählt von Problemen der Gegenwart und erinnert sich an Anekdoten aus der Vergangenheit. In der Welt, in der die Protagonisten leben, ist alles ruhig. Alles scheint einer üblichen Routine zu folgen. Aber wie lange wird diese Routine andauern? Wie bereit werden künftige Generationen sein, in das zu investieren, was ihre Eltern und Großeltern geschaffen haben?

In Holz Erde Fleisch erzählt der Regisseur von einer Realität, die es in Zukunft vielleicht nicht mehr geben wird. Eine Realität, in der die Zeit stillzustehen scheint, in der es aber auch die Zeit selbst ist, die den Protagonisten sagt, wann sie sich bestimmten Aufgaben zu widmen haben. Die Kamera gibt uns Plansequenzen und stark kontemplative Momente. Die meiste Zeit des Films über herrscht Schweigen. Nur von Zeit zu Zeit wenden sich die Protagonisten an den Regisseur, beantworten ein paar kurze Fragen, wechseln ein paar Worte miteinander.

Holz Erde Fleisch ist eine aufrichtige – und oft schmerzhafte – Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Eine Reise, auf der man durch die Betrachtung der Gegenwart versucht, die eigene Vergangenheit besser zu verstehen und Ereignisse zu analysieren, die uns leiden ließen. Momente der Ruhe wechseln sich ab mit Szenen, die deutlich „brutaler“ sind (man denke nur an die Tötung eines Schafes zu Beginn des Dokumentarfilms), und mit Momenten der Zärtlichkeit, in denen sich ein kleines Mädchen während einer kurzen Wanderung von seinem Großvater die Arbeit im Wald erklären lässt.

In Holz Erde Fleisch treffen drei Generationen aufeinander, arbeiten zusammen und schaffen zusammen eine wunderschöne Harmonie. Sigmund Steiner hat auf sensible und intelligente Weise jeden einzelnen Aspekt des bäuerlichen Lebens und der besonderen Beziehung zum Land erfasst und damit einen viel breiteren und komplexeren Diskurs eröffnet. Ein Diskurs, der von einer kleinen Realität ausgeht und gleichzeitig universelle und persönliche Themen behandelt, Themen, die so komplex sind, wie eine Eltern-Kind-Beziehung sein kann, Themen, die immer unglaublich aktuell sind. Bilder von einer Welt, von vielen Welten, deren wahren Wert leider nur wenige verstanden zu haben scheinen.

Titel: Holz Erde Fleisch
Regie: Sigmund Steiner
Land/Jahr: Österreich / 2016
Laufzeit: 72’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Sigmund Steiner
Kamera: Michael Schindegger
Produktion: La Banda Film

Info: Die Webseite von Holz Erde Fleisch; Die Seite von Holz Erde Fleisch auf iMDb; Die Seite von Holz Erde Fleisch auf der Webseite der Austrian Film Commission