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RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

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von Michael Kreihsl

Note: 7

Äußerst komplexe moralische Fragen bringen Geheimnisse und Groll zum Vorschein, während sie gleichzeitig Anlass zu gnadenloser Rache geben. Risiken und Nebenwirkungen inszeniert all dies auf eine Art und Weise, die niemals banal ist (auch und vor allem dank des Theaterstücks von Stefan Vögel, von dem er inspiriert ist), und erweist sich als ein Film, der gleichzeitig tiefgründig und unterhaltsam ist, der aber gerade wegen des besonderen Regieansatzes eher für das Fernsehen geeignet scheint.

In Krankheit und Gesundheit

Regisseur Michael Kreihsl ist einer der renommiertesten Namen der österreichischen Gegenwartskomödie. In seinen Filmen, in denen oft heikle Familiendynamiken in Frage gestellt werden, führt der ständige Dialog zwischen den Figuren – zusammen mit der Schwierigkeit, sich gegenseitig zu verstehen – zu Lösungen, die nie ganz vorhersehbar sind. Dies gilt beispielsweise auch für den Film Risiken und Nebenwirkungen aus dem Jahr 2021, der auf dem Theaterstück Die Niere von Stefan Vögel basiert und als italienische Erstaufführung beim Festival Sotto le Stelle dell’Austria 2022 gezeigt wurde.

In Risiken und Nebenwirkungen wird also eine recht komplexe Situation inszeniert. Kathrin (gespielt von Inka Friedrich) ist seit vielen Jahren mit Arnold (Samuel Finzi) verheiratet und alles scheint gut zu laufen. Als sie jedoch erfährt, dass sie sich einer Nierentransplantation unterziehen muss und dass ihr Mann eine Blutgruppe hat, die mit ihrer kompatibel ist, gerät der Mann in eine Krise, da er sich große Sorgen um seine eigene Gesundheit macht, sollte er seiner Frau seine Niere spenden müssen. Als sich ihr Freund Götz (Thomas Mraz) bereit erklärt, zu spenden, wird alles noch komplizierter und die zahlreichen Streitereien zwischen den beiden werden auch seine Frau Diana (Pia Hierzegger) mit einbeziehen.

Michael Kreihsl hat viele Filme für das Fernsehen gedreht. Und das zeigt sich natürlich auch, wenn er einen Spielfilm für das Kino dreht. So verbindet sich in Risiken und Nebenwirkungen ein reiner Fernsehcharakter mit einer theatralischen Struktur, in der die Dialoge die absoluten Protagonisten sind, zusammen mit feinen Blicken zwischen den vier Protagonisten und gelungenen Großaufnahmen, die durch die hervorragenden schauspielerischen Leistungen noch aufgewertet werden.

Äußerst komplexe moralische Fragen bringen Geheimnisse und Groll zum Vorschein, während sie gleichzeitig Anlass zu gnadenloser Rache geben. Risiken und Nebenwirkungen inszeniert all dies auf eine Art und Weise, die niemals banal oder vorhersehbar ist (auch und vor allem dank des Theaterstücks von Stefan Vögel, von dem er sich inspirieren ließ), und erweist sich als ein Film, der tiefgründig und unterhaltsam zugleich ist und der wahrscheinlich gerade wegen des besonderen Regieansatzes eher für das Fernsehen geeignet erscheint. Doch das ist in Ordnung. Schließlich hat dieser Ansatz (vielleicht mit Ausnahme einiger weniger Filme, die zwischen Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre entstanden sind) die Filmografie von Michael Kreihsl stets charakterisiert.

Tatsache ist, dass der Regisseur in Risiken und Nebenwirkungen eine tiefgründige und sorgfältige Analyse der menschlichen Seele, aber auch der nicht so einfachen Liebesbeziehungen vorgenommen hat. Oft kann ein einziges Wort, aber auch ein scheinbar „harmloser“ Gesichtsausdruck die extremsten Konsequenzen nach sich ziehen. An Überraschungen mangelt es nicht. Auch an Denkanstößen mangelt es nicht. Und in eineinhalb Stunden gesunden Lachens ist dies zweifellos ein ausgezeichneter Mehrwert.

Titel: Risiken und Nebenwirkungen
Regie: Michael Kreihsl
Land/Jahr: Österreich / 2021
Laufzeit: 88’
Genre: Filmkomödie, Liebesfilm
Cast: Samuel Finzi, Inka Friedrich, Pia Hierzegger, Thomas Mraz, Tijan Marei, Michaela Kis, Daniela Mutafova, Thomas Schubert, Susanna Wiegand, August Zirner
Buch: Michael Kreihsl, Stefan Vögel
Kamera: Wolfgang Thaler
Produktion: Epo-Film

Info: Die Seite von Risiken und Nebenwirkungen auf iMDb; Die Seite von Risiken und Nebenwirkungen auf der Webseite des Österreichischen Filminstituts; Die Seite von Risiken und Nebenwirkungen auf der Webseite der Austrian Film Commission