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MARIA LASSNIG KANTATE

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von Maria Lassnig und Hubert Sielecki

Note: 7.5

Lebendig, farbenfroh, ironisch und selbstironisch: Maria Lassnig Kantate, der letzte Kurzfilm der berühmten Kärntner Malerin, ist eine wahre Hymne an das Leben und an die Schönheit, die uns alle schon immer jünger, reicher und glücklicher zu fühlen vermochte.

Es lebe die Kunst!

Malerin Maria Lassnig (1919 – 2014) ist zweifelsohne eine äußerst faszinierende Figur in der österreichischen Kulturszene. Die Künstlerin hat im Laufe ihrer langen und produktiven Karriere auch mehrere Experimental- und Animationsfilme gedreht, die sich mit dem menschlichen Körper, der als mutiertes Wesen verstanden wird, und vor allem mit der Welt, in der wir leben, befassen. Am bekanntesten ist zweifellos Maria Lassnig Kantate, der 1992 gemeinsam mit Hubert Sielecki gedreht wurde und der letzte Film der Kärntner Künstlerin ist.

Maria Lassnig Kantate kann daher in jeder Hinsicht als ihr endgültiges Filmwerk betrachtet werden. Ein Kurzfilm, in dem Lassnig endlich vor die Kamera tritt (und von Zeit zu Zeit auf einer Seite der Leinwand auftaucht), um uns ihre Geschichte und ihre besondere Verbindung zur Kunst zu erzählen. All dies geschieht natürlich auf eine ganz besondere Art und Weise. Während des ganzen Films „singt“ die Regisseurin uns ihre Geschichte vor und erzählt uns zunächst, wie sie auf die Welt kam, und dann, wie sie dank ihrer Kunst immer jünger wird, obwohl die Zeit vergeht.

Seine bunten, unglaublich lebendigen, pulsierenden und zweidimensionalen Zeichnungen spielen auch bei dieser Gelegenheit die Hauptrolle. Die junge Maria ist gerade geboren worden. Die Beziehung zwischen ihren Eltern ist allerdings problematisch, und es kommt immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Mutter und Vater. Auch in der Schule wird sie von ihren Mitschülerinnen schlecht behandelt, und die Nonnen sind keine guten Lehrerinnen, die ein offenes Ohr für die Bedürfnisse ihrer Schüler haben. Ihre besondere familiäre Situation, aber auch ein starker, sehr starker Wunsch, weit weg zu fliehen, lassen sie beschließen, niemals zu heiraten und neue Welten zu erkunden, zunächst in Paris, dann in den Vereinigten Staaten, bevor sie für immer nach Österreich zurückkehrt.

Während sie sich in ihren anderen Filmen mit abstrakteren und universelleren Konzepten auseinandersetzte und ihre Aufmerksamkeit auf den menschlichen Körper, die Figur der Frau in der Gesellschaft, in der wir leben, und die nicht immer einfachen Paarbeziehungen richtete (man denke zum Beispiel an Werke wie Baroque Statues, entstanden 1970, Iris, 1971, aber auch Couples, 1972), konzentriert sich die Filmemacherin in Maria Lassnig Kantate ausschließlich auf sich selbst. Ähnlich wie in Selfportrait (1971). Im Gegensatz zu ihrem vorherigen animierten Kurzfilm ist die Erzählung in diesem Fall jedoch klassischer und linearer, die Ereignisse werden chronologisch erzählt, die Zeichnungen sind weniger abstrakt konzipiert.

Maria Lassnig Kantate wurde etwa zwanzig Jahre nach ihrer wohl produktivsten Phase als Filmemacherin gedreht. Man könnte sogar glauben, dass die Regisseurin mit diesem Werk fast eine Bilanz ihres Lebens und ihrer Karriere ziehen wollte, während sie gleichzeitig die Kunst in all ihren Formen aufrichtig würdigte. Und in der Tat ist Maria Lassnig Kantate eine wahre Hymne an das Leben und an die Schönheit, die es immer geschafft hat, uns alle jünger, reicher und glücklicher fühlen zu lassen. Eine farbenfrohe Liebeserklärung an die Kunstwelt, die wie eine frische Frühlingsbrise zu uns kommt.

Titel: Maria Lassnig Kantate
Regie: Maria Lassnig, Hubert Sielecki
Land/Jahr: Österreich / 1992
Laufzeit: 8’
Genre: Animationsfilm, Musikfilm, Experimentalfilm
Cast: Maria Lassnig
Buch: Maria Lassnig
Kamera: Maria Lassnig
Produktion: Hubert Sielecki

Info: Die Seite von Maria Lassnig Kantate auf iMDb; Die Seite von Maria Lassnig Kantate auf der Webseite der sixpackfilm