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STAGING DEATH

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von Jan Soldat

Note: 7.5

Eine Reihe von Stürzen aus der Höhe, aber auch Splatter-Szenen, Großaufnahmen vom blutigen Gesicht, Schreie, Schreie und noch Schreie. Staging Death – ironisch, witzig, aber auch unglaublich ehrfürchtig gegenüber dem großartigen Udo Kier – ist ein Meilenstein in Jan Soldats Filmografie. Auf den Filmfestspielen von Cannes 2022, Sektion Quinzaine des Réalisateurs.

„I made my own movie“

Der bekannte deutsche Schauspieler Udo Kier hat in seiner mehr als fünfzigjährigen Karriere in mehr als dreihundert Filmen, Serien und Kurzfilmen mitgewirkt. Ein Gesicht, seins, das man nicht vergessen kann, und eine Reihe von Antagonisten und Nebenfiguren, die auf der Leinwand auf die „phantasievollste“ Weise gestorben sind. Der junge Regisseur und Dokumentarfilmer Jan Soldat hat sich seit einigen Jahren dank seiner unverwechselbaren Herangehensweise einen Namen gemacht. Mit einer Mischung aus wesentlicher Regie, tiefer Empathie und subtiler, aber nie übertriebener Ironie erzählt er Geschichten über unkonventionelle Figuren, die in mancher Hinsicht fast an das Kino von Ulrich Seidl erinnern. Was würde also passieren, wenn sich diese beiden wichtigen Persönlichkeiten „treffen“ würden? Schnell gesagt. Der bei den Filmfestspielen von Cannes 2022 in der Sektion Quinzaine des Réalisateurs uraufgeführte Kurzfilm Staging Death – das jüngste Werk von Jan Soldat – ist nämlich eine originelle Hommage an den großartigen Udo Kier.

Viele, viele Filmausschnitte, in denen der Kölner Schauspieler auftritt. Aber nicht nur irgendwelche Ausschnitte. Wie der Titel schon andeutet, sind in Staging Death tatsächlich alle Filmausschnitte zu sehen, in denen Udo Kier auf der Leinwand stirbt. Szenen aus Schamlos (Eddy Saller, 1968), Andy Warhols Frankenstein (Paul Morrissey, Andy Warhol und Antonio Margheriti, 1973), Spermula (Charles Matton, 1976), aber auch Europa (Lars von Trier, 1991), Cigarette Burns (John Carpenter, 2005) und Die Mutter der Tränen (Dario Argento, 2007) – um nur einige Beispiele zu nennen – folgen auf der Leinwand aufeinander und lassen, gekonnt geschnitten von Jan Soldat selbst, ein einzigartiges, bizarres Kunstwerk entstehen, auch dank eines ausgefeilten Sounddesigns von Lorenz Fischer.

Ironisch, witzig, aber auch unglaublich ehrfürchtig gegenüber dem Schauspieler, stellt Staging Death einen Meilenstein in Soldats Filmografie dar. In diesem Fall hat der Regisseur (vorübergehend?) seinen üblichen Ansatz aufgegeben und eine völlig andere Richtung eingeschlagen. Kein Dokumentarfilm mehr, sondern eine neue experimentelle Filmsprache, die nicht nur Kiers Talent und Karriere, sondern auch rund fünfzig Jahre Filmgeschichte würdigt.

Eine Reihe von Stürzen aus der Höhe, aber auch Splatter-Szenen, Großaufnahmen vom blutigen Gesicht, Schreie, Schreie und noch Schreie. Semantisch miteinander verbundene Szenen schaffen ein ungewöhnliches, unterhaltsames Werk. „I made my own movie“, sagt Udo Kier, bevor er zum x-ten Mal stirbt. Ebenso hat Jan Soldat etwas völlig Neues geschaffen, sowohl im Hinblick auf das, was in der zeitgenössischen Filmszene passiert, als auch im Hinblick auf seine eigene Filmografie, ohne sich zu scheuen, die Regeln zu brechen, seine eigene Filmsprache zu finden, in der Schnitt und Ton eine entscheidende Rolle spielen. Mit Staging Death hat der Regisseur also einmal mehr sein außergewöhnliches Talent bewiesen, aus jedem Element, mit dem er „spielt“, reines Kino zu machen. Welche Richtung wird sein Kino von nun an einschlagen? Um das herauszufinden, müssen wir nur noch warten.

Titel: Staging Death
Regie: Jan Soldat
Land/Jahr: Deutschland, Österreich / 2022
Laufzeit: 8’
Genre: Experimentalfilm
Cast: Udo Kier
Buch: Jan Soldat
Kamera: Jan Soldat
Produktion: Jan Soldat, sixpackfilm

Info: Die Seite von Staging Death auf iMDb; Die Seite von Staging Death auf der Webseite der Quinzaine des Réalisateurs; Die Seite von Staging Death auf der Webseite von Jan Soldat; Die Seite von Jan Soldat auf der Webseite der sixpackfilm