im-augenblick-die-historie-und-das-offene-2013-schmiderer-summereder-kritik

IM AUGENBLICK. DIE HISTORIE UND DAS OFFENE

This post is also available in: Italiano (Italienisch)

von Othmar Schmiderer und Angela Summereder

Note: 8

Im Augenblick. Die Historie und das Offene spielt mit Empfindungen und Eindrücken, ist ständig auf der Suche nach neuen Filmsprachen, scheut sich nicht, zu wagen und zu übertreiben. Das Gelb der Bilder lässt fast auf eine drohende Gefahr schließen. Was aber, wenn die Gefahr vom Menschen selbst ausgeht?

Menschen und Tiere

Was unterscheidet die Menschen von den Tieren? Über diese Frage haben viele Schriftsteller und Philosophen im Laufe der Jahre nachgedacht. Was wäre, wenn Tiere in der Lage wären, unseren Zweck auf der Erde und die Quintessenz unserer Existenz vollständig zu begreifen? Die Filmemacher Othmar Schmiderer und Angela Summereder versuchten, eine Antwort darauf zu geben, indem sie eine Reihe von Schriften zum Thema, zusammen mit dem Zeugnis des Schäfers und Schriftstellers Bodo Hell, der seit Jahren in engem Kontakt mit der Natur lebt, sammelten. Das Ergebnis dieses Experiments ist der kurze Dokumentarfilm Im Augenblick. Die Historie und das Offene , aus dem Jahr 2013.

Gelb gefärbte Bilder einer Gruppe von Ziegen, die im Gras grasen. Eine befremdliche, fast beunruhigende Atmosphäre steht im Gegensatz zu der ruhigen Welt, die uns gezeigt wird. Viele Stimmen überschneiden sich und rezitieren von Zeit zu Zeit Texte von Friedrich Nietzsche, Michel de Montaigne, Descartes und Giorgio Agamben. Ein einsamer Mann (Bodo Hell, um genau zu sein) stellt Käse aus Ziegenmilch her und hinterfragt gleichzeitig die Welt um ihn herum. Die Augen der Ziegen im Vordergrund blicken in die Kamera, wodurch wir uns wiederum beobachtet fühlen und ein ungewöhnliches Unbehagen vermittelt wird.

Im Augenblick. Die Historie und das Offene spielt mit Empfindungen und Eindrücken, ist ständig auf der Suche nach neuen Filmsprachen, scheut sich nicht, zu wagen oder zu übertreiben. Das Gelb der Bilder suggeriert fast eine drohende Gefahr. Was aber, wenn die Gefahr vom Menschen selbst ausgeht?

In Im Augenblick. Die Historie und das Offene sprechen die Bilder für sich selbst und manifestieren sich durch die Off-Stimmen in ihrer ganzen visuellen Kraft. Die beiden RegisseurInnen haben ihrerseits auf jedes Detail geachtet und auch in Bezug auf die Geräusche eine feine Arbeit geleistet. Verzerrte und beunruhigende Geräusche tragen dazu bei, das Gefühl des Unbehagens zu verstärken, das den Dokumentarfilm durchdringt, und bilden zusammen mit den bereits erwähnten Elementen eine harmonische Symphonie, in der sich eine Rückkehr zur Natur als fast die einzige Lösung erweist, um dem Bösen, das die Welt, in der wir leben, durchdringt, zu entkommen.

Realität und Utopie. Ideen und Lösungen. Eine ideale Welt, die jedoch noch viel, viel zu weit entfernt scheint. Othmar Schmiderer und Angela Summereder scheinen keine Zweifel an den Fragen, die sie in diesem wichtigen Werk behandeln, zu haben. Und so bringen sie ihre Ideen auf direkte, visuell reizvolle Weise zum Ausdruck, indem sie eine elegante Mischung aus Philosophie, Literatur und Film schaffen. In Im Augenblick. Die Historie und das Offene wird alles in Frage gestellt, so dass sich der Zuschauer selbst am Ende des Films verwirrt, benommen, aber auch äußerst fasziniert von der Welt, die er gerade beobachtet hat, fühlt. Die Natur geht wieder einmal als Siegerin hervor. Die Filmkunst hat, wie immer, alle ihre Möglichkeiten aufgewertet.

Titel: Im Augenblick. Die Historie und das Offene
Regie: Othmar Schmiderer, Angela Summereder
Land/Jahr: Österreich / 2013
Laufzeit: 32’
Genre: Dokumentarfilm, Experimentalfilm
Buch: Angela Summereder, Othmar Schmiderer
Kamera: Othmar Schmiderer
Produktion: o.schmiderer filmproduktion

Info: Die Seite von Im Augenblick. Die Historie und das Offene auf iMDb; Die Seite von Im Augenblick. Die Historie und das Offene auf der Webseite der Diagonale