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DER ONKEL/THE HAWK

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von Helmut Köpping und Michael Ostrowski

Note: 6

Der Onkel/The Hawk ist ein bizarrer, ironischer und mit einem exzessiven Fernsehcharakter Spielfilm, der in einer zugleich einfachen und komplexen Geschichte bestimmte Familiendynamiken und prekäre Gleichgewichte, die für immer zusammenbrechen können, wenn die Vergangenheit an die Tür klopft, hinterfragt. Auf der Diagonale’22.

Zurück zu den Wurzeln

Mike (gespielt von Michael Ostrowski) ist wie ein Falke: Sobald er landet, wirft er die bestehende Realität komplett um. Und im Leben von Gloria (Anke Engelke) und ihren Kindern wird es viele Wendungen geben. Sie sind also die Protagonisten der schwarzen Komödie Der Onkel/The Hawk, die Michael Ostrowski zusammen mit Helmut Köpping selbst geschrieben und inszeniert hat und die auf der Diagonale’22 uraufgeführt wurde.

Nach langer Abwesenheit von seiner Heimatstadt kehrt Mike schließlich nach Wien zurück, nachdem sein Bruder Sandro (Ostrowski selbst, hier in einer Doppelrolle) plötzlich ins Koma gefallen ist. Seine Ankunft im Haus seines Bruders bringt eine Reihe von Neuigkeiten mit sich, und auch Gloria wird ungeahnte Geheimnisse über ihren Mann entdecken. Können die Dinge jemals zur Normalität zurückkehren?

Michael Ostrowski und Helmut Köpping verließen sich ganz auf das Können der Darsteller, zu denen neben Ostrowski selbst unter anderem Anke Engelke, Hilde Dalik und Simon Schwarz gehörten. Sie haben die Aufgabe, den gesamten Spielfilm auf ihren Schultern zu tragen, vor allem dank einer Reihe von Gags und paradoxen Situationen neben fragilen Familienbeziehungen, unausgesprochenen Worten und Wahrheiten, die nie ans Licht kamen.

Der Onkel/The Hawk zeichnet sich zweifellos durch eine dynamische Erzählstruktur aus, die von einem hektischen Schnitt und einer insgesamt präzisen Regie begleitet wird, mit einem übertrieben fernsehartigen Charakter und ohne besondere Eigenheiten. Was wir sehen, ist eine im Großen und Ganzen angenehme Komödie, die vielen anderen Spielfilmen, die in den letzten Jahren in Österreich entstanden sind, ähnelt und die ihre Stärke in der hervorragenden Leistung von Michael Ostrowski findet.

Mike ist im Grunde ein Mann, der im Laufe seines Lebens allerlei Unfug angestellt hat, so dass er im Haus seines Bruders nicht mehr willkommen ist. Aus diesem Grund muss er in seinem Auto schlafen, wird von Glorias Mutter schlecht behandelt und von einem ihrer Nachbarn (Simon Schwarz) mit Misstrauen betrachtet. Doch gleichzeitig scheint seine Beziehung zu seinen Neffen gut zu funktionieren.

Der Onkel/The Hawk ist in der Tat ein bizarrer und ironischer Spielfilm, der durch eine einfache und zugleich komplexe Geschichte bestimmte Familiendynamiken und prekäre Gleichgewichte hinterfragt, die für immer zusammenzubrechen scheinen, wenn die Vergangenheit wieder an die Tür klopft. In dieser Hinsicht erweist sich ein offenes Ende oft als die einzig mögliche (vielleicht die einfachste?) Lösung, und trotz aller Umstände, die in solchen Kontexten gut funktionieren, ist es gleichzeitig auch wenig überzeugend. Schade. Vor allem, weil man sich beim Anschauen von Der Onkel/The Hawk zweifellos für die Geschichte dieser seltsamen Familie interessiert und begeistern kann. Kann eine hervorragende Besetzung ein ganzes Werk „retten“? Leider nicht immer. Das Engagement ist zweifelsohne spürbar. Der Falke fliegt jedoch nicht los.

Titel: Der Onkel/The Hawk
Regie: Helmut Köpping, Michael Ostrowski
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 2022
Laufzeit: 105’
Genre: Filmkomödie
Cast: Anke Engelke, Michael Ostrowski, Simon Schwarz, Hilde Dalik, Elisea Ostrowski, Maris Ostrowski, Gerhard Polt, Barbara Meier, Mechthild Grossmann, Lisa Lena Tritscher, Florian Köhler
Buch: Michael Ostrowski, Helmut Köpping
Kamera: Wolfgang Thaler
Produktion: Lotus Film, Hallmann Entertainment Company Film House Germany, Gebhardt Productions

Info: Die Seite von Der Onkel/The Hawk auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Der Onkel/The Hawk auf iMDb; Die Seite von Der Onkel/The Hawk auf der Webseite des Österreichischen Filminstituts