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MASKING THRESHOLD

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von Johannes Grenzfurthner

Note: 7

Masking Threshold ist der Film, den man nicht erwartet. Ein hybrider Film, der nach einem anfänglichen dokumentarischen Ansatz in einem Crescendo aus Spannung und Komik nach und nach die Konnotationen eines Horrorfilms annimmt. Johannes Grenzfurthner hat sich stark an der modernen Sprache der sozialen Medien und insbesondere an Youtube orientiert. Sein Masking Threshold wird so gleichzeitig zu einer tiefgründigen, lustigen Überlegung über die Welt, in der wir leben, und über die Gesellschaft. Auf der Diagonale’22.

Experimente

Wissenschaft. Technologien. Youtube. Beunruhigende Geräusche und unkonventionelle Experimente. All das hat der junge Regisseur Johannes Grenzfurthner in seinem Spielfilm Masking Threshold inszeniert, der im Rahmen der Diagonale’22 präsentiert wurde. So präsentiert sich Masking Threshold schon nach kurzer Vorstellung als ungewöhnlicher Spielfilm und als ein mutiges und etwas verrücktes Experiment, bei dem der Spaß des Regisseurs an der Inszenierung deutlich spürbar ist.

Ein junger Informatiker, der seit einiger Zeit an einer schweren Form von Tinnitus leidet, hat beschlossen, sich ein paar Tage freizunehmen, um die seltsamen Geräusche, die er aufgrund seiner Krankheit jeden Tag hört, zu untersuchen. Ein Raum in seinem Haus wurde praktisch zu seinem Labor. Moleküle, Partikel, Computerbilder oder Bilder, die durch ein Mikroskop betrachtet werden, werden zusammen mit verzerrten und beunruhigenden Geräuschen sofort zu den absoluten Protagonisten. Währenddessen begleitet uns die Stimme des Protagonisten während des Films, und durch seine Worte lernen wir seine Geschichte kennen. Doch die Dinge nehmen bald eine andere Wendung.

Masking Threshold ist der Film, den man nicht erwartet. Ein hybrider Film, der nach einem anfänglichen dokumentarischen Ansatz in einem Crescendo aus Spannung und Komik nach und nach die Konnotationen eines Horrorfilms annimmt. Johannes Grenzfurthner hat sich stark an der modernen Sprache der sozialen Medien und insbesondere an Youtube orientiert. Sein Masking Threshold wird so gleichzeitig zu einer tiefgründigen, lustigen Überlegung über die Welt, in der wir leben, über die Gesellschaft, über das, was die Gesellschaft von uns erwartet, und vor allem darüber, wie moderne Technologie und Wissenschaft unser Leben verändert haben.

In Masking Threshold geht alles sehr schnell. Alles wird uns ausschließlich durch die Worte und Wahrnehmungen des Protagonisten gezeigt. Bunte, zweifellos faszinierende Bilder wechseln sich ab mit Computerbildschirmen, Wörtern über Wörtern und scheinbar unverständlichen wissenschaftlichen Begriffen. Dann wird die Welt des Protagonisten langsam durch äußere Einflüsse „kontaminiert“. Wozu wird das alles führen?

Spezialeffekte, die an die frühen Filme von Dario Argento erinnern, sind der perfekte Höhepunkt einer völlig ungewöhnlichen Geschichte, die auf der Leinwand wie ein Youtube-Video aussieht, aber eine Hommage an das Horrorkino der 1970er und 1980er Jahre ist und gleichzeitig etwas ganz Eigenes schafft. Masking Threshold will in erster Linie überraschen und schockieren, aber auch unterhalten, ohne sich jemals zu ernst zu nehmen. Ein angenehmes Divertissement mit einer feinen und innovativen Ästhetik. Ein wahrhaft frischer Wind in der zeitgenössischen österreichischen Filmszene.

Titel: Masking Threshold
Regie: Johannes Grenzfurthner
Land/Jahr: Österreich / 2021
Laufzeit: 90’
Genre: Horrorfilm
Cast: Ethan Haslam, Katharina Rose, Johannes Grenzfurthner, Jason Scott Sadofsky, Bronwynn Mertz-Penzinger, Caroline St. Clair, Ishan Raval, Kudra Owens, David Fine, Offerus Ablinger, Roland Gratzer, Matthias Ramon Jaklitsch, Harald Homolka-List, Paul Poet, Kero Fichter, Jasmin Hagendorfer, Patrick Michael Greene, Max Grodenchik
Buch: Johannes Grenzfurthner, Samantha Lienhard
Kamera: Florian Hofer
Produktion: monochrom OG

Info: Die Seite von Masking Threshold auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Masking Threshold auf iMDb