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von Götz Spielmann
Note: 7.5
Der Schutzengel zeichnet sich durch eine stimmungsvolle Noir-Atmosphäre, durch Orte, die vom Rest der Welt fast isoliert sind, und durch eine intelligente und nie vorhersehbare Überlegung über das Wesen der Menschen aus. Götz Spielmanns unverwechselbarer Ansatz tat sein Übriges. Auf der Diagonale’22.
Mysteriöses Verschwinden
Regisseur Götz Spielmann ist einer der prominentesten Namen in der zeitgenössischen österreichischen Filmszene. Seine Filme zeichnen sich seit jeher durch eine geheimnisvoll feine Stimmung, zusammen mit subtiler Erotik, sowie durch eine große Fähigkeit aus, die menschliche Psyche zu erforschen. Das gilt für Spielfilme wie Revanche (2008) und Antares (2004) – um nur einige Beispiele zu nennen – ebenso wie für den kürzlich bei der Diagonale’22 uraufgeführten Der Schutzengel aus der Reihe ORF-Landkrimi.
In einem kleinen Dorf in Niederösterreich wird die Leiche einer Frau, die vermutlich ertrunken ist, in einem Teich gefunden. Es handelt sich um Fanny (Susi Stach), die als Dienstmädchen bei einer älteren und wohlhabenden Frau aus der Gegend arbeitet. Bald wird jedoch festgestellt, dass die Frau ermordet wurde. Oberinspektor Paul Werner (Fritz Karl) und sein junger Kollege Martin (Michael Steinocher) müssen untersuchen, was geschehen ist. Eine Reihe von Intrigen und ungeahnten Geheimnissen kommen ans Licht, darunter das mysteriöse Verschwinden von Martins ehemaliger Freundin zwölf Jahre zuvor. Eine Halskette mit einem Anhänger in Form eines Engels, eines Schutzengels, wird eine besonders wichtige Rolle spielen.
Der Schutzengel steht ganz in der Tradition der österreichischen und deutschen Krimis seit den 1970er Jahren und zeichnet sich sofort durch seine stimmungsvolle Noir-Atmosphäre, die fast vom Rest der Welt isolierten Orte und eine intelligente und nie vorhersehbare Überlegung über das Wesen der Menschen aus. Götz Spielmanns unverwechselbarer Ansatz tat sein Übriges.
In Der Schutzengel treffen Vergangenheit und Gegenwart immer wieder aufeinander. Kurze Videos aus der Vergangenheit kehren immer wieder in die Gegenwart zurück. Eine zu früh beendete Liebesbeziehung. Eine große Villa, die bald verkauft werden soll. Die Philosophie von Friedrich Nietzsche. Götz Spielmann hat all diese Elemente in einem feinen und ästhetisch eleganten Krimi gekonnt umgesetzt. Der Schutzengel ist ein Fernsehfilm, aber er sieht nicht so aus, als wäre er fürs Fernsehen gemacht worden. Intensive Nahaufnahmen, Details, ein Wald, der die undenkbarsten Geheimnisse hütet und sofort eine tiefe symbolische Bedeutung annimmt, machen diesen wichtigen Spielfilm zu einem wahren Juwel innerhalb der berühmten ORF-Landkrimi-Reihe.
Der Schutzengel ist ein komplexer, tadellos geschriebener und gut besetzter Spielfilm. Götz Spielmann hat die Erwartungen wieder einmal erfüllt und ein durchdachtes und nie vorhersehbares Werk geschaffen, in dem der Mensch mit all seinen Überzeugungen, Sehnsüchten und Schwächen mit Sorgfalt, Menschlichkeit und Respekt beobachtet wird. Unabhängig von der eigenen Vergangenheit.
Titel: Der Schutzengel
Regie: Götz Spielmann
Land/Jahr: Österreich / 2022
Laufzeit: 89’
Genre: Kriminalfilm
Cast: Fritz Karl, Michael Steinocher, Oliver Rosskopf, Michael Rotschopf, Nicole Heesters, Susi Stach, Margarete Tiesel
Buch: Götz Spielmann
Kamera: Andre Mayerhofer
Produktion: Superfilm Filmproduktion, ORF, ZDF
