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DIE VIER IM JEEP

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von Leopold Lindtberg

Note: 8

Die Vier im Jeep zeichnet sich nicht nur durch ein hervorragendes Drehbuch aus, sondern auch durch einen Ansatz, der sowohl an den französischen Noir als auch an das Hollywood-Kino jener Zeit erinnert, durch elegante und willkommene Ironie und durch eine unmögliche Liebesgeschichte. Auf der Diagonale’22.

Wien oder Graz?

Die Vier im Jeep ist ein wahres Juwel in der Geschichte des österreichischen und des internationalen Films. Denn dieser bedeutende Spielfilm von Regisseur Leopold Lindtberg aus dem Jahr 1951 wurde zunächst auf den Filmfestspielen in Cannes und dann auf der Berlinale gezeigt, wo er den begehrten Goldenen Bären gewann. Anlässlich der Diagonale’22 wurde der Film daher im Rahmen der Retrospektive Come and shoot in Thaliwood erneut dem Publikum vorgestellt. Wie der Titel der Retrospektive vermuten lässt, wurde Die Vier im Jeep in den Thalerhof-Studios in der Nähe des Grazer Flughafens gedreht. Diese Studios gibt es nicht mehr, und zwischen 1947 und 1953 wurden nur sehr wenige Filme dort gedreht, nur siebzehn, um genau zu sein. Was jedoch heute übrig geblieben ist, ist etwas äußerst Seltenes und Wertvolles, und auf dem Festival des österreichischen Films war es möglich, einige der dort entstandenen Filme anzusehen oder zu besprechen.

Von den im Thalerhof von der Alpenfilm-Austria-Gesellschaft produzierten Filmen ist Die Vier im Jeep daher der weltweit bekannteste, nicht nur wegen der großen Auszeichnungen auf internationalen Filmfestivals, sondern auch wegen der besonderen Geschichte, die der Film als spannender Krimi mit vielen Wendungen präsentiert.

Der Zweite Weltkrieg ist gerade zu Ende gegangen. Wien ist von den Alliierten besetzt und in vier Sektoren aufgeteilt: Ein Sektor wird von den Russen, einer von den Amerikanern, einer von den Franzosen und einer von den Briten kontrolliert. Was jedoch den ersten Bezirk betrifft, so haben alle vier Nationen die Aufgabe, ihn zu kontrollieren. So kommt es, dass vier Soldaten vier verschiedener Nationalitäten in einem Jeep durch die Stadt fahren, um herauszufinden, was mit einem österreichischen Kriegsgefangenen geschehen ist, der aus einem russischen Gefangenenlager geflohen ist, vermutlich auf dem Weg nach Wien zu seiner Frau Franziska (Viveca Lindfors).

Eine Geschichte voller Adrenalin und Mysterien also, die sofort zu einer universellen Botschaft gegen alle Kriege, die endloses Leid verursachen, aber auch – wie in diesem Fall – das Ende langjähriger Freundschaften zwischen amerikanischen und russischen Soldaten wird. Die Vier im Jeep zeichnet sich nicht nur durch ein hervorragendes Drehbuch aus, das durch Schattenspiele, Verfolgungsjagden und Schießereien meisterhaft in Szene gesetzt wird, sondern auch durch eine Herangehensweise, die sowohl an den französischen Film noir als auch an das Hollywood-Kino jener Zeit erinnert, durch eine elegante und willkommene Ironie und durch eine unmögliche Liebesgeschichte.

Die Noir-Atmosphäre wird gut mit witzigen Momenten kombiniert (man denke beispielsweise an die Figur der Frau von Sergeant Pasture, gespielt von Paulette Dubost, und an ihren Versuch, die russischen Soldaten davon zu überzeugen, dass sich kein Flüchtling in ihrem Haus versteckt), und alles zusammen zeigt uns ein ungewöhnliches Wien. Ein Wien, das schon immer ein Kreuzungspunkt vieler Kulturen war, wo die Schatten über das Licht herrschen. Ein Wien, das sich deutlich von dem unterscheidet, was wir uns vorzustellen gewohnt sind. Und das liegt auch daran, dass das Wien, das wir sehen, nicht wirklich Wien ist. Tatsächlich wurde Die Vier im Jeep in Graz gedreht, in der Nähe der bereits erwähnten Filmstudios. Graz war für einen Moment als Wien „getarnt“ und der Jakominiplatz wurde neben zahlreichen anderen Straßen der steirischen Landeshauptstadt zu einem der wichtigsten Orte, die von den vier Soldaten besucht wurden.

Die Vier im Jeep ist also aus vielen Gründen ein Film von großer historischer Bedeutung. Ein feiner und gut strukturierter Spielfilm, der ein wahres Juwel in der Geschichte des österreichischen Films ist.

Titel: Die Vier im Jeep
Regie: Leopold Lindtberg
Land/Jahr: Österreich, Schweiz / 1951
Laufzeit: 102’
Genre: Drama
Cast: Ralph Meeker, Viveca Lindfors, Yossi Yadin, Albert Dinan, Hans Putz, Michael Medwin, Paulette Dubost, Harry Hess, Eduard Loibner, Geraldine Katt
Buch: Richard Schweizer, Hans Sahl, Wilhelm Michael Treichlinger
Kamera: Emil Berna
Produktion: Praesens-Film AG

Info: Die Seite von Die Vier im Jeep auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Die Vier im Jeep auf iMDb