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PARA:DIES

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von Elena Wolff

Note: 7.5

Para:Dies ist ein äußerst feines und intelligentes Werk. Ein Spielfilm, der in seiner Fähigkeit, die menschliche Seele zu erforschen, sehr an das Kino der Nouvelle Vague erinnert, der aber gleichzeitig seine eigene Form wählt und eine ausgeprägte Persönlichkeit offenbart. Auf der Diagonale’22.

Eine perfekte Welt?

Ein wertvolles Paradies. Eine zarte Liebesgeschichte. Eine Welt für sich, fast völlig abgelegen. In ihrem Debütfilm Para:Dies – uraufgeführt auf der Diagonale’22 , wo die junge und talentierte Julia Windischbauer als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde – hat Regisseurin und Schauspielerin Elena Wolff eine scheinbar idyllische Realität geschaffen, in der poetische und stark suggestive Atmosphären von den ersten Minuten an die Protagonisten sind und uns in eine Welt entführen, in der alles (fast) perfekt zu sein scheint.

Jasmin (Windischbauer) und Lee (gespielt von Elena Wolff) sind seit drei Jahren ein Paar. Eines Tages beschließen sie, einige Zeit in einem kleinen Dorf in der Nähe von Salzburg zu verbringen, wo Lees Eltern ein Haus haben. Sie werden von Amira (Melanie Sidhu) begleitet, einer jungen Filmemacherin, die sie während ihres Aufenthalts filmen will, um eine Dokumentation über sie und ihre Beziehung zu drehen. Bald jedoch nimmt die Situation eine unerwartete Wendung, und alter Groll und Unausgesprochenes kommen ans Licht.

Para:Dies ist eine originelle und eindrucksvolle Dokufiktion, in der die Gefühle mit all ihren zahlreichen und komplexen Facetten im Mittelpunkt stehen. Para:Dies ist eine zarte Liebesgeschichte, die von zu vielen Menschen kritisiert wird. Para:Dies ist das Bild einer Gegenwart, in der die Vergangenheit lebendiger denn je ist. Para:Dies ist gleichzeitig auch eine Dreiecksbeziehung, bei der das Gleichgewicht so prekär ist, dass es jeden Moment zusammenbrechen kann.

In ihrem Spielfilmdebüt hat sich Elena Wolff mit all diesen Elementen auf sehr persönliche und originelle Weise auseinandergesetzt. Dieser kleine, aber wichtige Spielfilm fällt sofort durch seine besondere Erzählstruktur auf, in der neben einem ersten Teil mit rein dokumentarischem Charakter die Situation am Ende plötzlich umgedreht wird. Regisseurin Amira, die die beiden Protagonistinnen die ganze Zeit über gefilmt hat, taucht schließlich vor der Kamera auf, interagiert mit ihnen und sorgt auch dafür, dass die Ereignisse eine bestimmte Wendung nehmen.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die Beziehung zwischen Jasmin und Lee. Einsam gegen die Welt, verliebt ineinander, leben die beiden jungen Frauen fast wie in einem Märchen. Und trotz allem ist eine gewisse Melancholie das Leitmotiv ihrer Tage. Eine schwierige Vergangenheit, die nie wirklich vergessen wurde, wartet nur darauf, ans Licht zu kommen. Und das geschieht sehr langsam, sobald die Welt der beiden Protagonisten durch äußere Faktoren „kontaminiert“ wird. Die Rollen wechseln, die Dynamik zwischen den drei (später vier) Frauen wird immer komplexer. Elena Wolffs Kamera filmt jeden subtilen Gesichtsausdruck, jeden Blick und sorgt dafür, dass das, was nicht gesagt wird, auf der Leinwand bedrohlich wirkt.

Para:Dies ist ein äußerst feines und intelligentes Werk. Ein Spielfilm, der durch seine Fähigkeit, die menschliche Seele zu erforschen, sehr an das Kino der Nouvelle Vague erinnert, der aber gleichzeitig seine eigene Form wählt und eine ausgeprägte Persönlichkeit offenbart. Eine angenehme Überraschung in dieser reichen und vielfältigen Diagonale’22.

Titel: Para:Dies
Regie: Elena Wolff
Land/Jahr: Österreich / 2022
Laufzeit: 76’
Genre: Drama, Liebesfilm
Cast: Julia Windischbauer, Elena Wolff, Selina Graf, Melanie Sidhu
Buch: Elena Wolff
Kamera: Vivian Bausch, Ella Knorz
Produktion: Julia Windischbauer, Elena Wolff

Info: Die Seite von Para:Dies auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Para:Dies auf film.at