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MÄRZENGRUND

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von Adrian Goiginger

Note: 5.5

Trotz einer fesselnden Geschichte und ausgesprochen interessanter Ideen fällt Märzengrund durch einige wenig überzeugende stilistische und erzählerische Entscheidungen auf. Auf der Diagonale’22.

Ein neues Leben

Was ist der Sinn des Lebens? Was wollen wir wirklich? Und vor allem: Was bedeutet Freiheit? Das sind Fragen, die im Laufe der Jahre im Film, in der Literatur und in jeder anderen Form der Kunst immer wieder gestellt worden sind. Fragen, auf die man allerdings kaum eine Antwort finden kann. Doch Elias – zunächst gespielt von Jakob Mader, dann von Johannes Krisch – scheint nach vielen Jahren der Depression endlich seine eigene Erfüllung gefunden zu haben. Seine Geschichte erzählt der junge Regisseur Adrian Goiginger in seinem zweiten Spielfilm Märzengrund, der auf dem gleichnamigen Theaterstück von Felix Mitterer basiert und im Rahmen der Diagonale’22 präsentiert wurde.

Elias ist der Sohn eines Landwirts und soll in Zukunft denselben Beruf wie seine Eltern ausüben, auch wenn seine größte Leidenschaft Literatur ist. Er fühlt sich oft unverstanden, findet aber schließlich den Mut, seine Meinung zu äußern und bestimmte Entscheidungen zu treffen, als er Moid (Verena Altenberger) trifft, eine junge geschiedene Frau, in die sich Elias auf den ersten Blick verliebt. Wird dies jedoch sein Schicksal sein? Vielleicht kann man das wahre Glück nur in einer abgelegenen Berghütte finden, weit weg von allem und jedem.

Märzengrund ist also eine Geschichte der Wiedergeburt, eine Geschichte, in der eine Rückkehr zur Natur die einzig mögliche Lösung zu sein scheint. Alpine Landschaften und riesige Wiesen werden zu Elias‘ besten Freunden und werden als weitere Protagonisten behandelt. Adrian Goiginger seinerseits hat einen Spielfilm voller Symbolik und Spiritualität geschaffen, einen Spielfilm, dessen Bedeutung klar auf das Wesentliche zielt und der vor allem eine wahre Hymne an die Freiheit ist.

Diese Voraussetzungen lassen zweifellos ein tadelloses, spannendes, wenn auch nicht besonders originelles Werk erwarten. Doch leider zeichnet sich Märzengrund auch durch einige wenig überzeugende stilistische und erzählerische Entscheidungen aus. Eine Fernsehinszenierung (trotz des großen Potenzials, das die Geschichte selbst bot) zeigt mysteriöse Erscheinungen von Figuren aus der Vergangenheit als eine der schwächsten Lösungen des Spielfilms. Das Drehbuch, dem es an der nötigen Spannung fehlt, erweist sich am Ende als gefährlich banal.

Adrian Goiginger traf dieses Mal leider nicht ins Schwarze. Trotz einer Geschichte, die zweifellos interessant ist. Trotz der hervorragenden Leistungen der Darsteller. Märzengrund entpuppt sich leider als ein leicht zu vergessender Film und lässt uns unweigerlich nostalgisch an Die beste aller Welten, Goigingers Debütfilm, zurückdenken. Wer weiß, vielleicht gelingt es dem Regisseur in Zukunft, uns eine weitere nette Überraschung dieser Art zu schenken. Das wird sich aber erst mit der Zeit zeigen.

Titel: Märzengrund
Regie: Adrian Goiginger
Land/Jahr: Österreich / 2021
Laufzeit: 110’
Genre: Drama,Coming-of-age
Cast: Jakob Mader, Johannes Krisch, Harald Windisch, Gerti Drassl, Verena Altenberger, Annalena Hochgruber
Buch: Adrian Goiginger, Felix Mitterer
Kamera: Klemens Hufnagl, Paul Sprinz
Produktion: Metafilm GmbH, WHee Film, it-media

Info; Die Seite von Märzengrund auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Märzengrund auf iMDb; Die Seite von Märzengrund auf der Webseite der Austrian Film Commission