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LUZIFER

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von Peter Brunner

Note: 8

Luzifer zeichnet sich nicht nur durch seine exzellente Raum- und Bildgestaltung aus, sondern auch durch eine tiefgründige Symbolik und eine gewisse Zweideutigkeit, die wir von den ersten Minuten an wahrnehmen. Auf der Diagonale’22.

Himmel und Hölle

Der junge Regisseur Peter Brunner hat schon immer gerne mit Licht, Schatten und Ton gespielt, um stimmungsvolle Atmosphären zu schaffen, die uns tief berühren. Dieser persönliche Ansatz, der im Laufe der Jahre auf zahlreichen internationalen Festivals wahrgenommen und gewürdigt wurde, scheint in Luzifer, der 2021 gedreht, von Ulrich Seidl produziert und zunächst auf dem Filmfestival Locarno 2021 und dann auf der Diagonale’22, wo er den Preis für das Beste Sounddesign in einem Spielfilm erhielt, uraufgeführt wurde, noch extremer zu sein – oder, besser noch, er scheint seine eigene Erfüllung gefunden zu haben.

Basierend auf realen Begebenheiten, inszeniert Luzifer den ewigen Kampf zwischen Tradition und Globalisierung, zwischen Natur und Kapitalismus, in einer symbolträchtigen Geschichte mit hintergründigen Horrortönen. Maria (meisterhaft gespielt von der Künstlerin Susanne Jensen) lebt mit ihrem Sohn Johannes (Franz Rogowski) in einer abgelegenen Berghütte. Sie ist extrem religiös und überfürsorglich gegenüber Johannes, auch wenn er schon erwachsen ist. Ihr Leben scheint jedoch ruhig zu sein, bis plötzlich Drohnen durch die Luft fliegen: Die Gegend, in der sie leben, wird in eine Art Touristendorf verwandelt, bald werden viele Bäume gefällt und neue Gebäude gebaut. Der Teufel steht vor der Tür.

Eindrucksvolle Bilder, verstärkte und beunruhigende Klänge, die Berge als stumme Zuschauer, die zusammen mit den von Johannes betreuten Vögeln besser als jeder andere zu wissen scheinen, was passieren wird. Luzifer fällt sofort durch seine Ästhetik auf. Peter Brunner seinerseits hat den Bildern besondere Aufmerksamkeit gewidmet, in denen ein starker Farbkontrast zusammen mit der entfremdenden Einsamkeit, in der die beiden Protagonisten leben, sofort eine drohende Tragödie erahnen lässt.

In Luzifer ist alles extrem. Die Mutter-Sohn-Beziehung ist bereits recht zweideutig und scheint neben einer tiefen, fast manischen Religiosität eine verhüllte Erotik zu verbergen. Johannes ist jetzt ein Erwachsener, aber er ist immer noch fast ein Kind. Er kann nur schwer sprechen und unterscheidet zwischen Gut und Böse nur auf der Grundlage dessen, was ihm seine Mutter beigebracht hat. Die Frau hingegen tut alles, um ihre eigene Welt zu schützen, oder besser gesagt, sie ist fast Teil dieser Welt, die dazu bestimmt ist, für immer zu verschwinden. Ihre Existenz ist eng mit diesem kleinen, fragilen Paradies verbunden.

Luzifer ist ein Film, der uns nicht gleichgültig lassen kann. Ein Spielfilm, der sich nicht nur durch seine exzellente Raum- und Bildgestaltung auszeichnet, sondern auch durch seine tiefgründige Symbolik und eine gewisse Zweideutigkeit, die wir von den ersten Minuten an wahrnehmen. Peter Brunner hat damit eines seiner reifsten und wichtigsten Werke geschaffen, das durch die hervorragenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller noch wertvoller wird. Eine universelle, hochaktuelle, aber ebenso originelle Geschichte. Die Welt verändert sich. Und was vor uns liegt, ist nicht gut.

Titel: Luzifer
Regie: Peter Brunner
Land/Jahr: Österreich / 2021
Laufzeit: 103’
Genre: Horrorfilm, Drama
Cast: Franz Rogowski, Susanne Jensen, Theo Blaickner, Monika Hinterhuber, Clemens Göbl, Erwin Geisler, Markus Eibl
Buch: Peter Brunner
Kamera: Peter Flinckenberg
Produktion: Ulrich Seidl Filmproduktion

Info: Die Seite von Luzifer auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Luzifer auf iMDb; Die Seite von Luzifer auf der Webseite der Austrian Film Commission